EUR/USD beendet eine ereignisreiche Woche in einem Zustand der Unsicherheit und konsolidiert sich zu Beginn der US-Sitzung am Freitag nahe 1,1370, nachdem ein erfolgloser Versuch unternommen wurde, sich wieder über 1,1400 zu erholen. Der Euro befindet sich zwischen zwei starken, aber entgegengesetzten Kräften. Einerseits stützen ihn restriktive Signale der European Central Bank (ECB) und eine verbesserte Geschäftstätigkeit im gesamten Euroraum. Andererseits schüren die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und der starke Anstieg der Ölpreise Inflationssorgen und stärken den US‑Dollar.
Nach einer verhaltenen Erholung von seinem Drei-Wochen-Tief hat EUR/USD seinen Rückgang in Richtung des 2026er Tiefstands von 1,1325, der am 24. Juni verzeichnet wurde, wieder aufgenommen und konnte sich nicht dauerhaft über wichtigen Widerstandsniveaus behaupten. Der in dieser Woche gescheiterte Versuch, die Marke von 1,1450 zu überwinden, bestätigte, dass die bärische Stimmung intakt bleibt.
Das zentrale Ereignis der Woche war die EZB-Sitzung am Donnerstag. Wie erwartet beließ die Notenbank den Einlagensatz unverändert bei 2,25 %. Allerdings schlug EZB-Präsidentin Christine Lagarde einen restriktiven Ton an. Sie betonte, dass einige Mitglieder des EZB-Rats bereits erwogen hatten, die Zinsen auf dieser Sitzung anzuheben, und bekräftigte das entschlossene Vorgehen der EZB im Kampf gegen die Inflation. Die Märkte werteten ihre Aussagen als Signal, dass eine Zinserhöhung im September weiterhin sehr wahrscheinlich ist; die Wahrscheinlichkeit wird derzeit auf rund 90 % geschätzt.
Fundamentaler Ausblick: Energieschock versus restriktive Pause der EZBEZB hält an restriktiver Ausrichtung festDie Sitzungsprotokolle der EZB und die Äußerungen von Lagarde deuten darauf hin, dass die Zentralbank trotz der Pause im Juli bereit bleibt, die Geldpolitik weiter zu straffen. Nach Einschätzung von Volkswirten gilt eine Zinserhöhung im September als „so gut wie beschlossene Sache“. Viele gehen jedoch davon aus, dass diese Signale dem Euro kaum zusätzliche Unterstützung liefern werden, da sie bereits weitgehend im Markt eingepreist sind.
Lagarde räumte außerdem ein, dass die erhöhten Energiepreise und die Unsicherheit rund um den Konflikt im Nahen Osten die Inflation länger über dem Ziel der EZB halten könnten, als bislang erwartet.
Energieschock belastet den EuroDer kräftige Anstieg der Ölpreise ist vor dem Hintergrund der Eskalation des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, der inzwischen in die dreizehnte aufeinanderfolgende Nacht mit Luftangriffen geht, sowie erneuter Drohungen der Huthi im Roten Meer zur Hauptbelastung für den Euro geworden. Angriffe auf saudische Öltanker und die faktische Blockade der Meerenge von Bab al-Mandab haben das Risiko von Störungen der globalen Energieversorgung deutlich erhöht.
In der Folge kletterte der Preis für Brent-Rohöl über 90 US-Dollar je Barrel. Höhere Energiepreise verstärken den Inflationsdruck, was die Erwartungen untermauert, dass die Federal Reserve an einer restriktiven geldpolitischen Ausrichtung festhalten wird und damit den US-Dollar stützt. Laut dem CME FedWatch Tool ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve im September auf 80 % gestiegen.
Starke PMI-Daten konnten den Trend nicht drehenDie am Freitag veröffentlichten vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Euroraum übertrafen die Markterwartungen. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg von 51,4 auf 52,0, während der Index für den Dienstleistungssektor von 49,4 auf 51,6 zulegte und damit wieder in den Expansionsbereich oberhalb der 50-Punkte-Marke zurückkehrte. Deutschland meldete eine ähnliche Verbesserung.
Die positive Wirkung dieser Daten wurde jedoch durch steigende geopolitische Risiken und die anhaltende Stärke des US-Dollars zunichtegemacht.
Technischer ÜberblickAus technischer Sicht behält EUR/USD einen bärischen kurzfristigen Bias bei, während das Paar unter wichtigen Widerstandsniveaus konsolidiert.
Im Tageschart notiert das Währungspaar weiterhin unter sowohl dem 50-Perioden-EMA (1,1485) als auch dem 200-Perioden-EMA (1,1565) – ein klassischer Hinweis darauf, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt ist.
Die technischen Indikatoren deuten derzeit auf Folgendes hin:
Der RSI (14) schwankt um 38–39 und signalisiert eine zunehmende bärische Dynamik, ohne jedoch überverkaufte Bedingungen anzuzeigen.Der OsMA steht kurz davor, in den negativen Bereich (unter Null) zu drehen, was darauf hindeutet, dass sich der Abwärtsdruck weiter verstärken könnte.Der Stochastik-Oszillator im Tageschart ist in den überverkauften Bereich eingetreten, was die starke bärische Dynamik bestätigt, gleichzeitig aber auch auf die Möglichkeit einer kurzfristigen Konsolidierung hinweist.Die nächsten Widerstandsbereiche liegen bei:
1,1412 – 200-Perioden-EMA im 1-Stunden-Chart;1,1435 – Tageshoch von gestern;1,1457 – 200-Perioden-EMA im 4-Stunden-Chart.Ein bestätigter Ausbruch über 1,1460, unterstützt durch technische Indikatoren, könnte den Weg in Richtung 1,1500, 1,1535 und 1,1565 eröffnen.
Die nächstgelegene Unterstützungszone befindet sich zwischen:
1,1325 – dem Tief aus dem Jahr 2026;1,1290 – der 144-Perioden-EMA und der unteren Begrenzung des abwärts gerichteten Kanals im Wochenchart.Ein bestätigter Bruch unterhalb dieses Bereichs könnte 1,1230 (die wöchentliche 200-Perioden-EMA) ins Spiel bringen, gefolgt von 1,1200.
Wichtige Ereignisse im FokusDatum
Ereignis
Prognose / Erwartung
Erwartete Auswirkungen auf EUR/USD
24. Juli
U.S. S&P Global PMI-Daten
Überwiegend positiv
Begrenzte Auswirkungen aufgrund geopolitischer Entwicklungen
28.–29. Juli
Federal Reserve-Sitzung
Leitzins wird bei 3,50 %–3,75 % erwartet
Taubenhafte Signale würden den Euro stützen; falkenhafte Signale würden ihn belasten
30. Juli
Bank of England-Sitzung
—
Indirekte Auswirkungen über Bewegungen des US-Dollar
31. Juli
Verbraucherpreisindex (CPI) für den Euroraum im Juli
Verlangsamung der Inflation erwartet
Könnte die Zinserwartungen an die EZB beeinflussen
Im Wochenverlauf
Geopolitische Entwicklungen
—
Eskalation würde EUR/USD belasten; Deeskalation würde das Währungspaar stützen
Fazit und AnlageausblickEUR/USD befindet sich in einer entscheidenden Phase, in der der durch die falkenhaften Signale der EZB und besser werdende Konjunkturdaten ausgelöste Aufwärtsdruck auf den Abwärtsdruck durch geopolitische Risiken und steigende Energiepreise trifft. Die Marke von 1,1350 bleibt der zentrale kurzfristige Dreh- und Angelpunkt. In der kommenden Woche wird sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vor allem auf die Sitzung der Federal Reserve und die Entwicklungen im Nahen Osten richten, die beide die nächste Richtungsentscheidung des Währungspaares maßgeblich bestimmen könnten.
Für kurzfristige Trader: Short-Positionen bleiben nach einem bestätigten Bruch unter 1,1350 zu bevorzugen, mit Abwärtszielen bei 1,1325 und 1,1290. Long-Positionen sollten erst nach einem nachhaltigen Handel über 1,1420 in Betracht gezogen werden, gestützt durch günstige fundamentale Entwicklungen.
Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger: Ein abwartender Ansatz bleibt angemessen, bis mehr Klarheit über die geopolitischen Entwicklungen und das Ergebnis der Federal Reserve-Sitzung besteht. Eine Korrektur in den Bereich 1,1325–1,1290 könnte eine Gelegenheit bieten, Long-Positionen aufzubauen, vorausgesetzt, die EZB hält an ihrem falkenhaften Kurs fest und der US-Dollar schwächt sich ab.
Risikomanagement: Bleiben Sie angesichts erhöhter Volatilität, die durch geopolitische Ereignisse und die Veröffentlichung makroökonomischer Daten ausgelöst wird, vorsichtig. Setzen Sie konsequente Stop-Loss-Orders ein und verfolgen Sie die Entwicklungen im Nahen Osten sowie die Kommentare von Vertretern der Federal Reserve und der EZB genau.