Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für das Instrument EUR/USD wird zunehmend komplexer. Zwar ist weiterhin nicht die Rede davon, den seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrend (im unteren Bild dargestellt) aufzuheben, doch hat die Wellenstruktur einen korrektiven Charakter angenommen. Langfristig ist mit der Ausbildung der Welle C zu rechnen, deren Tief unter dem Tief der Welle A liegen sollte. Aktuell liegt das Tief der Welle C bereits unter dem Tief von Welle A, sodass sich Welle C jederzeit vollenden könnte. Vor dem Hintergrund eines günstigen Nachrichtenumfelds für den Dollar kann sich diese Welle jedoch weiter ausdehnen.
In der kleineren Zeitebene lässt sich eine klassische fünfwellige Abwärtsstruktur erkennen. Trifft diese Annahme zu, befinden wir uns derzeit in Welle 4, während Welle 3 selbst eine Fünf-Wellen-Struktur ausgebildet hat. Nach Abschluss dieser Struktur könnte das Instrument in eine aufwärtsgerichtete Wellenfolge übergehen. Dem aktuellen Wellenbild zufolge befindet sich jedoch Welle 5 im Aufbau. Folglich könnte der Euro in den Bereich der 1,13er-Marke oder noch tiefer fallen.
Jüngste positive Daten konnten dem Euro nicht helfenAm Freitag zeigte das Instrument EUR/USD kaum Veränderungen, und der Markt schenkte den Konjunkturdaten erneut nur wenig Beachtung. Die Schwankungsbreite der Bewegung betrug lediglich 17 Pips, was auf eine äußerst schwache Marktaktivität hindeutet. In der ersten Tageshälfte verzeichnete der Euro einen minimalen Anstieg, in der zweiten Tageshälfte kam es zu einem vergleichbaren Rückgang. Die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungs- und den Fertigungssektor in Deutschland lagen bei 49,6 bzw. 52,2 und damit über den Markterwartungen. Die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungs- und den Fertigungssektor in der Eurozone betrugen 51,6 bzw. 52,0 und übertrafen ebenfalls die Prognosen. Damit fielen alle Daten aus der Eurozone positiv aus. Dennoch gewann der Euro über Nacht lediglich 20 Pips.
In der zweiten Tageshälfte stieg die Nachfrage nach dem US-Dollar. Der PMI für den US-Dienstleistungssektor lag über den Markterwartungen, während der PMI für das verarbeitende Gewerbe schwächer ausfiel. Da der Dienstleistungssektor jedoch einen beeindruckend hohen Wert vorlegte, lässt sich erneut sagen, dass der Markt diese Daten eingepreist hat. Damit stellt sich eine weitere Frage: Fühlten sich die Trader mit einer Reaktion von 20 Pips auf sechs Veröffentlichungen wirklich besser? Wenn wir von einer Marktreaktion sprechen, impliziert dies, dass sich aus einer solchen Bewegung ein Gewinn erzielen lassen sollte. Eine Bewegung von 20 Pips ist äußerst schwer zu monetarisieren. Insofern spielt es keine Rolle, ob es eine Marktreaktion gab oder nicht – es ist schlicht irrelevant. Es gab keine nennenswerte Bewegung, die sich zum Trading angeboten hätte; das ist der entscheidende Punkt.
Der Montag begann mit einer Schwächephase des US-Dollars, nachdem Donald Trump am Wochenende die Einstellung der Angriffe auf den Iran und die Wiederaufnahme von Verhandlungen bekanntgab. Der Ausgang der neuen „diplomatischen Story“ zwischen Teheran und Washington wäre eines Hollywood-Drehbuchs würdig. Nach der aktuellen Wellenstruktur ist der Rückgang des Instruments jedoch noch nicht beendet. Daher gehe ich nicht davon aus, dass der Markt allein aufgrund eines weiteren fiktiven Waffenstillstands auf Dollar-Käufe verzichten wird.
Auf Basis der durchgeführten Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin im Rahmen eines übergeordneten Aufwärtssegments (im unteren Bild dargestellt) befindet, während es sich kurzfristig in einem Abwärtsabschnitt bewegt. Meiner Ansicht nach ist dies ein guter Zeitpunkt, um die Eröffnung von Long-Positionen in Betracht zu ziehen, auch wenn das Instrument im Kontext von Welle 5 in C noch in den Bereich der 1,13er-Marke fallen kann. Das Wellenmuster hält häufig Überraschungen bereit, daher würde ich bereits jetzt mit einer schrittweisen Umorientierung auf Käufe beginnen.
In einer größeren Perspektive ist ein Aufwärtssegment des Trends erkennbar, an das sich die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur angeschlossen hat. In naher Zukunft ist mit der Ausbildung der Welle C zu rechnen, deren Ziele sich im Bereich von 1,1352 befinden, was dem 38,2%-Fibonacci-Level entspricht. Nach Abschluss der A-B-C-Struktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend einsetzen.
Zentrale Grundsätze meiner Analyse:Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich häufig.Besteht keine hinreichende Sicherheit über die Marktsituation, ist es besser, nicht in den Markt einzusteigen.Es kann niemals 100%ige Gewissheit über die Bewegungsrichtung geben. Schützende Stop-Loss-Orders sind unverzichtbar.Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.