EUR/USD. Was sagen die Ifo-Indizes für Juli aus?

Am Montag richteten sich alle Blicke am Markt auf die geopolitische Agenda, vor dem Hintergrund von Deeskalationssignalen aus den USA und dem Iran. Die jüngsten Ereignisse rund um den Konflikt im Nahen Osten haben die Nachfrage nach sicheren Häfen deutlich verringert und makroökonomische Daten in den Hintergrund gedrängt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die am Montag veröffentlichten IFO-Indizes für Juli ihre Bedeutung für den Markt verloren hätten. Im Gegenteil: Sie vervollständigen die logische Abfolge wichtiger europäischer Frühindikatoren, zusammen mit den in der vergangenen Woche veröffentlichten ZEW- und PMI-Indizes. Alle drei Berichte zeigen in weiten Teilen eine ähnliche Dynamik, sodass man nicht von zufälligen Verbesserungen einzelner Kennzahlen sprechen kann, sondern von der Herausbildung eines positiven Trends in der Wirtschaft der Eurozone. Dies ist wiederum von grundlegender Bedeutung für die mittelfristigen Aussichten des EUR/USD, da es die Erwartungen in Bezug auf die künftige Politik der Europäischen Zentralbank beeinflusst.

Fast alle Komponenten des Berichts lagen im „grünen Bereich“ und übertrafen die Prognosen. Ein solches Ergebnis zeigt, dass sich die deutsche Wirtschaft allmählich aus einer lang anhaltenden Stagnationsphase löst. Darüber hinaus ist der Bericht nicht nur für sich genommen wichtig – wie oben erwähnt, fügt er sich stimmig und folgerichtig in eine Reihe vorlaufender Indikatoren ein und zeichnet ein geschlossenes Bild vom Zustand der größten Volkswirtschaft der Eurozone.

Der „Leitindex“ IFO-Geschäftsklima ist im laufenden Monat auf 86,6 Punkte gestiegen (nach 85,7 Punkten im Juni), während die meisten Analysten lediglich mit einem moderaten Anstieg auf 85,9 gerechnet hatten. Dies ist der höchste Stand des Indikators seit Februar dieses Jahres. Zudem kann man inzwischen mit einiger Sicherheit von der Ausbildung eines Aufwärtstrends sprechen: Der Index steigt bereits den dritten Monat in Folge kontinuierlich (und recht deutlich) an.

Ebenso ist hervorzuheben, dass deutsche Unternehmen im Juli deutlich optimistischer in die kommenden sechs Monate blicken: Der IFO-Index der Geschäftserwartungen kletterte auf ein Fünfmonatshoch von 86,7 Punkten. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn dieser Indikator spiegelt die zukünftigen Investitionspläne der Unternehmen, ihre Erwartungen an die Nachfrage sowie die gesamtwirtschaftliche Aktivität wider. Die Verbesserung der Erwartungen zeigt, dass die Unternehmen trotz anhaltender externer Risiken (und geradezu entgegen diesen Risiken) allmählich wieder an eine Erholung der Wirtschaft glauben.

Vor dem Hintergrund optimistischer Prognosen und Erwartungen hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage hingegen leicht verschlechtert – von 87,0 auf 86,5 Punkte. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein negatives Signal; eine solche Konstellation ist jedoch für eine Wirtschaft, die sich in einer frühen Erholungsphase befindet, durchaus typisch. Die Unternehmen erkennen an, dass die aktuelle Lage weiterhin schwierig ist (die laufende Geschäftsentwicklung stagniert noch), erwarten aber gleichzeitig eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen in den kommenden Monaten. Genau deshalb zeigt der Gesamtindex weiterhin eine positive Dynamik.

Ein Blick auf die sektorale Struktur des Berichts zeigt, dass die ermutigendsten Signale aus der Industrie kamen. Die Unternehmen sind hinsichtlich ihrer Geschäftsaussichten spürbar weniger pessimistisch geworden, und die Exporterwartungen haben sich vor dem Hintergrund einer allmählichen Stabilisierung der Auslandsnachfrage verbessert. Dagegen wirken der Dienstleistungssektor und der Einzelhandel noch weniger zuversichtlich: Die Konsumnachfrage erholt sich nur schrittweise, wenngleich die Stabilisierung der Zinsen die Erwartungen der Unternehmen bereits stützt. Das Baugewerbe bleibt das schwächste Glied, da es unter hohen strukturellen Kosten leidet. Dennoch hat sich selbst hier das Tempo der Eintrübung der Stimmung deutlich verlangsamt.

Ebenso wichtig ist ein weiterer Aspekt. Der IFO-Bericht für Juli wurde vor dem Hintergrund einer weiteren Eskalationsrunde im Nahen Osten erstellt, das heißt, er berücksichtigt die Auswirkungen des jüngsten Anstiegs der Energiepreise. In diesem Zusammenhang wirkt der Anstieg der Geschäftsstimmung besonders aussagekräftig: Die deutschen Unternehmen haben trotz anhaltender geopolitischer Risiken Widerstandskraft gezeigt. In seinen Kommentaren zum Bericht hob der Institutsleiter gesondert hervor, dass deutsche Unternehmen „deutlich weniger pessimistisch geworden“ seien – trotz der Unsicherheit im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten.

Zur Erinnerung: Bereits die in der vergangenen Woche veröffentlichten Indizes bestätigten die Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft: So stieg insbesondere der ZEW-Index auf 26,3 Punkte (nach zuvor 10,5), während sich die Einschätzung der aktuellen Lage von -81,0 auf -77,6 Punkte verbesserte. Der vorläufige Composite-PMI für Deutschland kletterte in die Expansionszone und legte von 49,5 auf 51,2 Punkte zu. Gleichzeitig erreichte der Industrie-PMI 52,2 Punkte – den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren.

Im Unterschied zum ZEW, der die Erwartungen von Finanzanalysten und Investoren widerspiegelt, bildet der PMI die tatsächliche Dynamik der Geschäftstätigkeit in den Unternehmen ab. Der IFO wiederum liefert eine umfassendere Beurteilung des Geschäftsklimas, indem er sowohl die Wahrnehmung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen der Betriebe kombiniert. In der Summe ergeben ZEW, PMI und IFO somit ein einheitliches Bild einer schrittweisen Erholung der deutschen Wirtschaft.

Damit hat der Bericht den Euro unterstützt und seine fundamentale Ausgangsposition gestärkt. Der Markt bleibt jedoch vor allem durch die Geopolitik bestimmt: Solange der Fokus auf dem Deeskalationsprozess im Nahen Osten liegt, wird die Entwicklung des Verhandlungskurses (und nicht die Makrodaten) die kurz- und mittelfristige Dynamik von EUR/USD bestimmen.

Daher bietet es sich an, Long-Positionen im Währungspaar erst nach einer klaren Kursbestätigung oberhalb der Widerstandsmarke von 1,1410 (Mittellinie des Bollinger-Bänder-Indikators im Tageschart) in Betracht zu ziehen. In diesem Fall wäre eine Rückkehr des Paares in die Handelsspanne von 1,1410–1,1470 zu erwarten, in der es sich in den vergangenen drei Wochen bewegt hat.