Kevin Warsh versuchte, Zeit zu gewinnen, indem er die Zinsen unverändert ließ, doch die Märkte stellten ihm umgehend die Rechnung.
Die Fed beließ ihre Geldpolitik unverändert, doch Einstimmigkeit herrschte auf der Sitzung nicht. Drei von zwölf Entscheidungsträgern stimmten für eine Zinserhöhung – ein klares Signal dafür, dass die falkenhafte Sorge über die Inflation im Ausschuss zunimmt. Auf der Pressekonferenz nach der Sitzung argumentierte Warsh, dass die strafferen Finanzierungsbedingungen am Anleihemarkt bereits einen Teil der Arbeit der Fed übernommen hätten und dass höhere Renditen einen gewissen „Comfort“ böten. Anleger werteten dies als Zurückhaltung, zügig und entschlossen zu handeln.
Dynamik der Treasury-Renditen
Die Reaktion des Marktes sprach Bände. Langlaufende Treasury-Renditen sprangen nach oben, während kurzlaufende Renditen fielen – ein Muster, das Skepsis darüber widerspiegelt, ob die Fed die Inflation zähmen kann, wenn sie weiter zögert. Der sich ausweitende Spread zwischen nominalen Treasuries und inflationsgebundenen TIPS bestätigt diese Bedenken.
Renaissance Macro Research meint, dass Warsh sich lediglich eine vorübergehende Atempause erkauft hat: Entweder werden ihn die Wirtschaftsdaten bestätigen, oder eine Zinserhöhung kommt bereits im September. Drei abweichende Stimmen heute könnten eine tiefere Spaltung für die Zukunft ankündigen.
Unterdessen rückte die Geopolitik wieder ins Zentrum. Ein plötzlicher Raketenangriff durch den Iran zerstörte Hoffnungen auf eine schnelle Einigung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus, und US-Präsident Donald Trump gelobte eine harte militärische Antwort. Steigende Energiepreise vor diesem Hintergrund verschärfen die Inflationsrisiken nur noch weiter.
Dynamik an den Aktienmärkten
Die Aktienmärkte reagierten schmerzhaft. Der Nasdaq 100 schloss im Korrekturbereich und zog andere Indizes mit nach unten. Der Philadelphia Semiconductor Index stürzte um mehr als 5% ab und verzeichnete damit den fünften Rückgang in Folge. Der S&P 500 gab nach, wobei acht der elf Sektoren mit Verlusten aus dem Handel gingen.
Meta Platforms verschärfte den Druck zusätzlich: Das bereinigte EPS lag mit 6,18 $ deutlich unter der Wall-Street-Prognose von 7,19 $, und die Aktie brach im nachbörslichen Handel um nahezu 5% ein. Zweifel an der Rentabilität der massiven KI-Investitionen im Technologiesektor erhielten damit neue Nahrung.
Das ganze Jahr über wurden die Vermögenspreise von der KI-Erzählung getrieben, während die Geldpolitik in den Hintergrund rückte. Die Kombination aus Geopolitik, Inflation und enttäuschenden Konjunkturdaten hat die Geldpolitik wieder in den Mittelpunkt gerückt. Die offene Frage ist, ob sich die Anleger an diese Lektion erinnern werden – oder ob die KI-Euphorie sie erneut dazu bringt, Warnsignale zu ignorieren.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass der S&P 500 zu den lokalen Tiefs vom Juni zurückgekehrt ist. Ein bestätigter Bruch unter diese Niveaus würde das Risiko einer tieferen Korrektur erhöhen. In diesem Szenario erscheint es sinnvoll, Short-Positionen, die bei 7.375 aufgebaut wurden, auszuweiten. Erste Kursziele auf der Unterseite liegen bei 7.170 und 7.025.