Schlechtester Jahresauftakt seit einem Jahrzehnt: Zentralbanken kauften im 1. Quartal nur 57 Tonnen Gold

Während Gold angesichts der deutlichen Volatilität versucht, die gestrige Zinsentscheidung der Federal Reserve zu verdauen, kauften die globalen Zentralbanken im ersten Quartal dieses Jahres nur 57 Tonnen Gold – ganze 187 Tonnen weniger als zuvor erwartet. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des World Gold Council ist dies der schwächste Jahresauftakt seit über einem Jahrzehnt, und die nach unten korrigierten Zahlen deuten darauf hin, dass das diesjährige Kauftempo insgesamt wahrscheinlich unter dem Niveau von 2025 liegen wird.

Die Bedeutung dieser Revision kann kaum überschätzt werden, da die ursprüngliche Schätzung den Optimisten in die Hände spielte, die argumentierten, dass institutionelle Käufer – ein Schlüsselfaktor für den mehrjährigen Anstieg des Goldpreises – nach seinem Rückgang von historischen Höchstständen in großer Zahl an den Markt zurückkehrten, um das Metall zu kaufen. Es ist bemerkenswert, dass Gold seit Beginn des Kriegs mit Iran Ende Februar rund ein Viertel seines Wertes verloren hat, da die gestiegenen Energiepreise die Inflationssorgen verstärkten und die Erwartungen an Zinssenkungen dämpften. Die nach unten revidierten Daten entziehen dieser optimistischen Erzählung einen Teil ihrer Grundlage.

Ebenso wichtig ist es, die methodischen Nuancen dieser Schätzungen zu berücksichtigen. Ein erheblicher Teil der Zentralbankkäufe, wie er in den Statistiken des WGC ausgewiesen wird, wird offiziell nicht offengelegt. Das Beratungsunternehmen Metals Focus berechnet die geschätzten Kaufvolumina im Auftrag des Councils anhand einer Kombination aus öffentlich zugänglichen Daten, Handelsstatistiken und eigenen Analysen. Das bedeutet, dass die Zahlen und ihre Revisionen zwangsläufig ein Element der Schätzung enthalten und keine exakten Zählungen darstellen.

Dennoch hat sich – trotz eines schwachen ersten Quartals – die Nachfrage der Zentralbanken im zweiten Quartal deutlich erholt und belief sich auf insgesamt 289 Tonnen, einen Rekordwert für dieses bestimmte Quartal. Der größte Käufer war Polen, das 51 Tonnen erwarb und seine Käufe im ersten Halbjahr damit auf 82 Tonnen erhöhte. Damit überholte es den bisherigen Spitzenreiter der vergangenen Jahre, China, das im Quartal 33 Tonnen kaufte.

Vor dem Hintergrund dieser strukturellen Daten zur Zentralbanknachfrage verhält sich Gold weiterhin vorhersehbar innerhalb der etablierten Handelsspanne. Nach dem Rückgang von dem im Januar erreichten Rekordniveau im Zuge der Sorgen über eine straffere Geldpolitik fand das Metall seit Ende Juni bei rund 4.000 US-Dollar je Feinunze Unterstützung, wobei Anleger weiterhin Rücksetzer in diesem Bereich zum Einstieg nutzen.