Gold unter Druck: Stärkerer Dollar und höhere Renditen belasten das Metall

Am Donnerstag gaben die Goldpreise nach, nachdem Anleger die Aussagen des Vorsitzenden der Federal Reserve, Kevin Warsh, neu bewerteten. Trotz einer Pause in der Geldpolitik setzten Inflationserwartungen, ein festerer Dollar und ein Wiederanstieg der Renditen von US-Staatsanleihen das Edelmetall erneut unter Druck.

Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten nahmen ebenfalls zu, und die Märkte bereiten sich auf wichtige US-Inflationsdaten und Zinsentscheidungen der Zentralbanken vor.

Preise und MarktgeschehenUm 07:44 Uhr notierte XAU/USD etwa 0,4 % tiefer bei 4.049,99 $/oz, nachdem der Kurs unmittelbar nach der Fed-Entscheidung zuvor auf ein Wochenhoch von 4.100,42 $ gestiegen war. Gold-Futures lagen rund 0,3 % im Plus bei 4.047,20 $. XAG/USD fiel um 0,6 % auf 57,32 $. XPT/USD sank um 1,3 % auf 1.597,87 $.

Die Zinspause der Fed unterstützte die Edelmetalle zunächst: Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben leicht nach, und der US-Dollar-Index schwächte sich nach der Fed-Erklärung ab, was die Attraktivität von Gold kurzzeitig erhöhte. Dieser Effekt erwies sich jedoch als nur von kurzer Dauer. Anleger analysierten genauer Warshs Hinweis, dass die Fed trotz unveränderter Geldpolitik entschlossen bleibt, die Inflation wieder auf das langfristige Ziel von 2 % zurückzuführen. Das dämpfte das Interesse an renditelosen, hochpreisigen Anlagen.

Der US-Dollar-Index bewegte sich zuletzt kaum und lag um 100,9, während die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sich von ihren Tiefständen nach der Entscheidung erholten. Diese Entwicklungen begrenzten weiteres Aufwärtspotenzial für das Metall.

Laut CME FedWatch preisen die Märkte nun eine Wahrscheinlichkeit von etwa 64 % für eine Zinserhöhung der Fed im September ein, verglichen mit rund 81 % vor der Bekanntgabe der Entscheidung.

Anleger verfolgten zudem eine neue Eskalation im Nahen Osten, nachdem die USA in der Nacht Angriffe auf Iran geflogen hatten. Das US Central Command bezeichnete die Angriffe als eine „kraftvolle Antwort“ auf das, was es als iranische Versuche charakterisierte, US-Streitkräfte am Vortag anzugreifen. Präsident Donald Trump hatte vor einer entschlossenen Vergeltung gewarnt und erklärt, die USA würden nach dem als „unerwartet“ beschriebenen iranischen Angriff mit Nachdruck reagieren.

Die Eskalation trieb die Ölpreise nach oben, da Händler das Risiko von Angebotsunterbrechungen neu bewerteten. Auch die Sorgen im Schifffahrtssektor nahmen zu: Von Iran unterstützte Huthi-Kräfte drohten mit Angriffen auf saudische Schiffe auf dem Weg in den Indischen Ozean, was einige Tanker veranlasste, alternative Routen zu suchen.

Die höhere Energienachfrage verstärkte die Sorge, dass die Inflation „zäh“ bleiben könnte, was die Aufgabe der Fed, ihre Geldpolitik zu lockern, erschwert.

Im Fokus der Anleger steht nun der US-PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, der am Donnerstag ansteht und neue Hinweise auf die Inflationserwartungen und den wahrscheinlichen Kurs der Zinspolitik liefern soll.

Die Aufmerksamkeit der Märkte wird sich im weiteren Wochenverlauf auch auf die Zinsentscheidungen der Bank of England und der Bank of Japan richten. Beide Institute dürften ihre Leitzinsen voraussichtlich unverändert lassen.