Das Währungspaar GBP/USD hat in den vergangenen zwei Wochen einen recht deutlichen Rückgang verzeichnet, dem zuvor jedoch eine noch stärkere Aufwärtsrally vorausgegangen war. Daher gehe ich davon aus, dass vor etwa einem Monat ein neuer Aufwärtstrend begonnen haben könnte. Die Korrekturbewegung der letzten Wochen fiel stärker aus als erwartet, doch Korrekturen können in ihrem Ausmaß variieren. In jüngerer Zeit standen sowohl das Pfund als auch der Euro unter Druck, weil der Markt fest davon ausging, dass das FOMC seine Geldpolitik in diesem Jahr unweigerlich straffen würde. Gestern Abend sorgte Kevin Warsh dafür, dass die Märkte diese Annahme hinterfragten. Heute Morgen nahm die Bank of England zudem eine deutlich restriktivere (hawkishere) Haltung ein als erwartet. Drei Mitglieder des Monetary Policy Committee (MPC) stimmten für eine Zinserhöhung, obwohl die Inflation im Vereinigten Königreich auf 2,6 % zurückgegangen ist. Am wichtigsten ist, dass die Aussicht auf eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve bereits vor etwa sechs Wochen eingepreist war, während eine Zinserhöhung der Bank of England noch nicht im Kurs enthalten war.
Derzeit hat das Pfund die Imbalance 24 erreicht, von der aus eine neue Abwärtsbewegung starten könnte. Wie immer reichen Erwartungen allein nicht aus – es ist wichtig, auf ein klares Signal zu warten, bevor Positionen eröffnet werden. Ein bärisches Signal könnte heute oder morgen entstehen. Außerdem könnte sich im Verlauf des heutigen Tages eine neue bullische Imbalance bilden. Sollte dies eintreten, hätten Händler zwei einander widersprechende Zonen. In diesem Fall sollte der Fokus auf den Euro gelenkt werden, der in den meisten Fällen eng mit dem Pfund korreliert. Generiert der Euro innerhalb seiner eigenen bullischen Imbalance ein Kaufsignal, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rally bei beiden Währungen deutlich an.
In der vergangenen Woche stieg der Ölpreis auf 100 US‑Dollar je Barrel, und die Folgen einer erneuten Eskalation im Nahen Osten sowie einer Blockade der Straße von Hormus könnten die Preise auf bis zu 120 US‑Dollar treiben. Entwickeln sich die Ereignisse also weiter nach dem pessimistischsten Szenario – was derzeit immer wahrscheinlicher wirkt –, dürften die Ölpreise weiter steigen und die zwischen März und Mai verzeichneten Hochs übertreffen. In diesem Fall würde die Inflation sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Vereinigten Königreich wieder anziehen. Sollte sich die Lage hingegen nach dem optimistischen Szenario entwickeln, könnten die Ölpreise in den Bereich von 60–70 US‑Dollar je Barrel zurückkehren. Unter solchen Umständen wäre eine weitere Straffung durch die Federal Reserve möglicherweise nicht erforderlich, während die Bank of England bereits nicht mehr durch eine übermäßig hohe Inflation eingeschränkt ist. Folglich kann sich der US‑Dollar derzeit nicht dauerhaft auf eine ausgeprägt restriktive Haltung der Notenbank stützen, während das Pfund auf Unterstützung durch die Bank of England nur dann zählen kann, wenn die Inflation wieder an Dynamik gewinnt.
Die Chartanalyse zeigt, dass die Bullen einen Vorstoß gestartet haben, der dann recht unerwartet von einer bärischen Offensive abgelöst wurde. Vor Beginn des Rückgangs hatten sich keine bärischen Formationen oder Signale herausgebildet. Somit haben die Bären wieder die Kontrolle übernommen, und die Imbalance 24 bleibt als potenzielle Verkaufszone bestehen. Allerdings sollte ein entsprechendes Bestätigungssignal abgewartet werden, anstatt sich allein darauf zu verlassen, dass der Kurs die Imbalance erreicht. Es ist zudem zu beachten, dass sich bis zum heutigen Handelsschluss noch eine bullische Imbalance ausbilden könnte.
Der Donnerstag war aus makroökonomischer Sicht recht ereignisreich. Das US‑BIP für das zweite Quartal blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, die Bank of England nahm eine restriktivere Haltung ein als von den Marktteilnehmern angenommen, und der US‑PCE‑Preisindex fiel unter die Prognosen, was auf nachlassenden Inflationsdruck hindeutet. Damit sprachen nahezu alle Faktoren des Tages für Pfund und Euro. Werden die Bullen diese ausgezeichnete Gelegenheit nutzen?
Das übergeordnete fundamentale Umfeld ist weiterhin so gelagert, dass ich langfristig nach wie vor mit einem schwächeren US‑Dollar rechne. Weder der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten noch die Möglichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve im Jahr 2026 hat diese Einschätzung verändert. Die geopolitischen Spannungen haben den Markt kurzfristig an den Status des Dollars als sicheren Hafen erinnert, doch die aktivste Phase des Konflikts scheint bereits vorbei zu sein. Die Federal Reserve beabsichtigt, im Jahr 2026 die Zinsen anzuheben, was den Dollar grundsätzlich stützt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass eine straffere Geldpolitik sowohl das Wirtschaftswachstum als auch den Arbeitsmarkt bremsen würde. Zudem wurde Kevin Warsh von Donald Trump eingesetzt, um das FOMC zu führen und eine expansivere Geldpolitik zu verfolgen – einen Kurs, den Jerome Powell nicht einschlagen konnte. Daher sind Aufwertungen des US‑Dollars meiner Ansicht nach nur vorübergehender und weitgehend zufälliger Natur.
Wirtschaftskalender: Vereinigte Staaten und Vereinigtes Königreich31. Juli: Der Wirtschaftskalender weist keine anstehenden Veröffentlichungen aus. Daher ist es unwahrscheinlich, dass makroökonomische Daten die Marktstimmung am Freitag beeinflussen werden.
GBP/USD Prognose und Trading‑EmpfehlungenDer langfristige Ausblick für das Pfund bleibt positiv, doch die Bullen haben bislang noch keinen nachhaltigen Aufwärtsimpuls gestartet. Nachdem Liquidität an den beiden letzten markanten Swing‑Punkten abgeholt wurde, gelang den Käufern zwar eine respektable Aufwärtsbewegung, doch die Bären übernahmen bald darauf ohne erkennbaren Auslöser wieder das Ruder. Infolgedessen könnte das Pfund den Rückgang in Richtung 1,3007 fortsetzen – jenes Niveau, bei dessen Unterschreiten der Aufwärtstrend als negiert gelten würde. Für die Bestätigung dieser Bewegung werden zusätzliche bärische Signale benötigt. Ein Verkaufssignal könnte sich im Bereich 1,3392–1,3415 ergeben, wo sich die Bearish Imbalance 24 befindet. Aktuell verfügen die Bullen über kein bestätigtes technisches Setup, obwohl sich im Laufe des heutigen Tages noch eine neue bullische Imbalance herausbilden könnte.