Eine einzelne Person auf dem Feld ist noch kein Krieger, aber manchmal kann schon ein einzelner Bericht die Marktstimmung um 180 Grad drehen. Genau das ist bei Microsoft passiert: Die Aktie sprang am Donnerstag nach der Veröffentlichung starker Ergebnisse um 16 % nach oben – der beste Tag seit Oktober 2008. Ein Markt, der am Vortag noch müde und ängstlich wirkte, erwachte plötzlich zum Leben. Der S&P 500 schloss im Plus, der Nasdaq 100 verzeichnete seinen besten Tag seit vier Monaten, und der Philadelphia Semiconductor Index legte um 8,2 % zu und beendete damit eine fünftägige Verlustserie.
Entwicklung der Aktienindizes
Die positive Entwicklung war nicht flächendeckend. Meta Platforms stürzte um 8% ab, nachdem das Unternehmen gewarnt hatte, dass der Free Cash Flow erstmals seit dem Börsengang 2012 negativ werden dürfte – der elfte Verlusttag in Folge und damit die längste Verlustserie in der Unternehmensgeschichte. Die gegensätzliche Reaktion auf Microsoft und Meta macht die entscheidende Frage beim Handel mit dem KI-Thema deutlich: Können Unternehmen, die Hunderte von Milliarden in KI investieren, entsprechende Renditen erzielen?
Wells Fargo sieht die Aussichten für US-Aktien angesichts solider Unternehmensgewinne, der fortgesetzten KI-Adoption und einer widerstandsfähigen Wirtschaft als konstruktiv an. Laut der Bank ähnelt die jüngste Schwäche eher einer Korrektur eines überhitzten Marktes als einem Bruch des übergeordneten Aufwärtstrends. UBS teilt diese Einschätzung, rät Anlegern jedoch, das Klumpenrisiko zu steuern und das Engagement in defensiv ausgerichteten Technologie-Storys zu erhöhen.
Performance von Microsoft und Meta Platforms
Privatanleger haben begonnen, Gewinne mitzunehmen. JPMorgan berichtet, dass die Mittelabflüsse aus Technologie-ETFs die zweitgrößten in der Geschichte waren, und Vanda Research verzeichnete die größte Serie von Einzelaktienverkäufen seit 2020. An der Wall Street geht man davon aus, dass sich die breite Anlegerschaft nicht aus dem Markt zurückzieht – sie wird lediglich wählerischer. Problematisch würde es, wenn die institutionellen Investoren diesem Beispiel folgen, doch dafür gibt es bislang keine Anzeichen.
Die Rallye am Donnerstag hat den Rückgang des Halbleitersektors im Juli auf 21 % begrenzt, dennoch bleibt es der größte monatliche Einbruch seit 2008. Die unstillbare Nachfrage nach AI geht weiterhin mit hoher Volatilität einher – die hohen Erwartungen lassen nur wenig Raum für Enttäuschungen.
Bei dieser Erholung handelt es sich im Kern eher um eine Gewinngeschichte als um eine makroökonomische Wende. Die entscheidende Frage ist, ob sich die Sicht der Banken – ein gesunder Neustart – oder die Erzählung der Händler über Gewinnmitnahmen durchsetzen wird.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass der S&P 500 nach einem falschen Abwärtsausbruch unter die zuvor ausgebildete Konsolidierungsspanne von 7.375–7.450 eine Umkehr durch einen Fehlausbruch (eine Bärenfalle) gebildet hat. Ein Ausbruch über den Widerstandsbereich von 7.450 wäre ein technischer Auslöser, um Long-Positionen aufzubauen, mit einem Kursziel von mindestens dem fairen Wert in der Nähe von 7.540.