EUR/USD – 31. Juli: Bullen halten ihren Aufwärtsschwung aufrecht

Am Donnerstag prallte das Währungspaar EUR/USD vom 38,2%-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 1,1438 nach oben ab, drehte zugunsten des Euro und setzte seinen Anstieg fort, wobei es sich oberhalb des 61,8%-Fibonacci-Niveaus bei 1,1507 etablierte. Infolgedessen legte der Euro innerhalb von nur zwei Tagen um rund 150 Punkte zu. Ein erneuter Abpraller vom Niveau 1,1507 würde es den Bullen heute ermöglichen, ihre Aufwärtsbewegung in Richtung des 76,4%-Fibonacci-Retracement-Niveaus bei 1,1551 fortzusetzen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1507 würde hingegen den US-Dollar begünstigen und den Weg für einen Rückgang in Richtung des 50,0%-Fibonacci-Niveaus bei 1,1472 freimachen.

Die Wellenstruktur im Stundenchart hat auf bullisch gedreht. Zwar hat die zuletzt abgeschlossene Abwärtswelle das vorherige Tief unterschritten, doch die anschließende Aufwärtswelle hat zugleich das vorherige Hoch übertroffen. Die geopolitische Lage bleibt angespannt, da Iran und die Vereinigten Staaten weiterhin die Straße von Hormus blockieren, während derzeit keine Verhandlungen stattfinden. Händler hatten etwa einen Monat lang auf Unterstützung durch die Federal Reserve gehofft, doch diese Erwartungen wurden nach der Sitzung am Mittwoch enttäuscht. Nach einer längeren Pause haben die Bullen die Initiative zurückerobert.

Der Nachrichtenfluss am Donnerstag spielte erneut dem Euro in die Karten, wenngleich er im Zusammenhang mit den Ereignissen vom Mittwoch betrachtet werden sollte. In der Morgensitzung verarbeiteten die Händler weiterhin das Ergebnis der FOMC-Sitzung, das offen für unterschiedliche Interpretationen blieb. Diesmal wertete der Markt das Ergebnis jedoch als nicht ausreichend restriktiv. Kevin Warsh vermied es weiterhin, ein klares Signal zu senden, sodass die Märkte nicht davon überzeugt waren, dass eine weitere geldpolitische Straffung unausweichlich sei. Im Gegenteil: Seine Äußerungen ermöglichten es den Investoren, infrage zu stellen, ob die Federal Reserve höhere Zinsen nach wie vor als zentrales Instrument zur Bekämpfung der Inflation betrachtet. Nachdem die FOMC-Sitzung vollständig eingepreist war, stützte eine Reihe von Konjunkturdaten den Euro zusätzlich. Die Eurozone meldete ein stärker als erwartetes BIP-Wachstum, auch Deutschland legte solide BIP-Zahlen vor, das US-BIP blieb hinter den Prognosen zurück, die Inflation in Deutschland übertraf die Markterwartungen, während die Arbeitslosenquote in der Eurozone unverändert blieb. Vier dieser fünf Veröffentlichungen stärkten den bullishen Ausblick. In der Folge verzeichnete der Euro innerhalb von nur 24 Stunden kräftige Gewinne, wodurch die Bullen die Kontrolle über den Markt zurückerlangten.

Im 4-Stunden-Chart hat sich das Währungspaar oberhalb des fallenden Trendkanals stabilisiert. Das deutet nicht nur auf eine bullische Erholung hin, sondern auch auf den möglichen Beginn eines nachhaltigeren Aufwärtstrends. Die Konsolidierung oberhalb des 76,4%-Fibonacci-Levels bei 1,1514 stützt das Szenario weiterer Kursgewinne in Richtung 1,1578. Auf den technischen Indikatoren sind derzeit keine sich entwickelnden Divergenzen erkennbar.

Commitments of Traders (COT) Report

In der letzten Berichts­woche schlossen institutionelle Händler 9.842 Long-Positionen und eröffneten 18.891 Short-Positionen. In den sieben Wochen im Februar und März verloren die Bullen ihren überwältigenden Vorteil infolge des Konflikts unter Beteiligung des Iran. In den vergangenen siebzehn Wochen hat sich die Positionierung jedoch im Zuge der vorübergehenden Waffenruhe und der Markthoffnungen auf ein Ende des Konflikts etwas ausgeglichen. Nicht-kommerzielle Händler halten derzeit 220.000 Long-Positionen und 261.000 Short-Positionen. Die Bären haben damit wieder die Oberhand gewonnen.

Trotzdem zeigen langfristig orientierte große institutionelle Investoren weiterhin ein erhebliches Interesse am Euro. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass globale Ereignisse unterschiedlichster Art die Anlegerstimmung nachhaltig prägen. Derzeit konzentrieren sich die Marktteilnehmer auf die Entwicklung im Nahen Osten, wo der Konflikt sich nach Phasen relativer Ruhe immer wieder zuspitzt. Zunächst ignorierte der Markt die Waffenruhe und schenkte später auch der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen nur begrenzte Aufmerksamkeit. Infolgedessen bestimmen geopolitische Entwicklungen nicht mehr allein die Richtung des US-Dollar.

Wirtschaftskalender

Deutschland

Arbeitslosenquote (07:55 UTC)

Eurozone

Verbraucherpreisindex (09:00 UTC)

Der Wirtschaftskalender für den 31. Juli weist zwei anstehende Veröffentlichungen aus, wobei der Inflationsbericht für die Eurozone das zentrale Ereignis darstellt. Die Konjunkturdaten könnten am Freitag erneut einen spürbaren Einfluss auf die Marktstimmung ausüben.

EUR/USD Prognose und Trading-Tipps

Long-Positionen wurden nach der Erholung von 1,1438 im Stundenchart aktiv, mit Kurszielen bei 1,1472 und 1,1507. Beide Kursziele wurden erreicht. Heute können Long-Positionen mit Zielen auf der Oberseite bei 1,1551 und 1,1620 weiter gehalten werden. Short-Positionen kommen in Betracht, wenn das Paar sich im Stundenchart unterhalb von 1,1507 festigt, mit Zielen auf der Unterseite bei 1,1472 und 1,1438.

Die Fibonacci-Retracement-Level sind im Stundenchart von 1,1620 bis 1,1325 und im 4-Stunden-Chart von 1,1411 bis 1,1850 eingezeichnet.