EUR/USD bleibt innerhalb des lokalen bärischen Impulses, der am 17. April begann. In der vergangenen Woche reagierte das Währungspaar auf Imbalance 17, kehrte jedoch rasch in seine vorherige Handelsspanne zurück. Eine zweite Reaktion auf Imbalance 17 kann nicht ausgeschlossen werden. Der starke Rückgang des US‑Dollars in der letzten Woche wurde sowohl durch die Sitzung der Federal Reserve als auch durch Konjunkturdaten aus dem Euroraum und den Vereinigten Staaten ausgelöst.
Es sei daran erinnert, dass Kevin Warsh am vergangenen Mittwoch erneut auf das Problem der erhöhten Inflation in den USA hingewiesen hat, ohne jedoch die nächsten geldpolitischen Schritte der Federal Reserve überzeugend zu erläutern. Die Marktteilnehmer hatten erwartet, dass Warsh entweder einen klaren Hinweis auf eine Zinserhöhung im September geben oder zumindest mit einer deutlich stärker „hawkishen“ Rhetorik die zentrale Frage beantworten würde: Ist die Federal Reserve bereit, ihre Geldpolitik im Herbst zu straffen? Stattdessen verwies er auf die kommenden Konjunkturdaten, und wie bekannt, fielen die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus den USA vergleichsweise schwach aus. Folglich könnte Warsh im September argumentieren, dass die Arbeitsmarktlage noch zu schwach sei, um eine Zinserhöhung zu rechtfertigen.
Am Donnerstag erhielten die Bullen Unterstützung durch besser als erwartete BIP-Zahlen sowohl für Deutschland als auch für den Euroraum, während die US‑BIP‑Daten enttäuschten. Am Freitag werteten Händler den Inflationsbericht zunächst als negativ für den Euro, revidierten ihre Einschätzung jedoch schnell, nachdem sie zu dem Schluss gekommen waren, dass die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit die einzige große Zentralbank ist, die bereit ist, ihre Geldpolitik zu straffen.
Es sollte bedacht werden, dass die Erwartungen an eine Straffung durch die Federal Reserve lediglich Erwartungen sind und sich in Reaktion auf geopolitische Entwicklungen oder weitere Kommentare von Kevin Warsh ändern können. Die jüngsten US‑Arbeitsmarktdaten waren relativ schwach, während der jüngste Inflationsbericht auf ein nachlassendes Preiswachstum hinwies. Zusammengenommen schüren die nachlassende Inflation und die Abschwächung am Arbeitsmarkt Zweifel daran, ob das Federal Open Market Committee (FOMC) in absehbarer Zeit die Zinsen anheben wird. Persönlich bin ich nicht überzeugt, dass die Federal Reserve in diesem Jahr zwingend mit einer Straffung der Geldpolitik beginnen wird, und falls doch, dürfte es sich kaum um einen einmaligen Schritt handeln.
Geopolitische Entwicklungen bleiben ein nachgeordneter, aber weiterhin wirksamer Einflussfaktor für die Weltwirtschaft. Teheran und Washington sind nach wie vor nicht in der Lage, eine Einigung zu erzielen oder auch nur an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Präsident Donald Trump behauptet weiterhin, dass Abkommen über die Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm kurz bevorstünden, doch tatsächlich deuten die Entwicklungen eher auf das Gegenteil hin. Teheran hat Trumps optimistische Äußerungen wiederholt zurückgewiesen und darauf hingewiesen, dass derzeit keine substantiellen Verhandlungen stattfinden. Infolgedessen erscheint ein zeitnaher Deal eher unwahrscheinlich. Der ungelöste geopolitische Konflikt stützt weiterhin die Energiepreise, was die Inflation in vielen Volkswirtschaften hoch hält. Nach meiner Einschätzung reicht die bloße Fortsetzung des Konflikts zwischen Iran und den Vereinigten Staaten jedoch nicht mehr aus, um eine weitere große bärische Welle im Euro auszulösen.
Das aktuelle technische Bild zeigt, dass der bärische Impuls, der am 17. April begann, weiterhin intakt ist. Die Bearish Imbalance 17 wurde bereits getestet, doch ein gültiges Verkaufssignal könnte sich noch immer herausbilden. Die entscheidende Frage ist, wie tief ein möglicher Rückgang des Euro ausfallen könnte und ob die Abwärtsbewegung möglicherweise bereits am Freitag beendet wurde. In der vergangenen Woche ist zudem eine neue Bullish Imbalance 19 entstanden, was den Käufern Anlass zu Optimismus gibt. Daher könnte der Euro zunächst in Richtung Imbalance 19 fallen, wo ein neues Kaufsignal entstehen könnte, das eine Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends ermöglichen würde.
Der Konjunkturkalender am Montag war vergleichsweise dünn. Die deutschen Einzelhandelsumsätze blieben erneut hinter den Markterwartungen zurück, hatten jedoch kaum Einfluss auf das Handelsgeschehen. Der US‑ISM‑Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lieferte einen überraschenden Wert, beeinflusste die allgemeine Marktstimmung jedoch ebenfalls nur in begrenztem Umfang.
Es gibt weiterhin zahlreiche Gründe, weshalb Käufer im Jahr 2026 optimistisch bleiben können, und der Konflikt im Nahen Osten hat daran wenig geändert. Aus struktureller und langfristiger Sicht haben sich die von Präsident Trump eingeführten Maßnahmen, die im vergangenen Jahr zum starken Rückgang des US‑Dollars beigetragen haben, nicht grundlegend verändert. Derzeit sehe ich trotz der „hawkishen“ Haltung des FOMC keine ausgeprägten langfristigen Unterstützungsfaktoren für den US‑Dollar. Dennoch behalten die Verkäufer vorerst die Kontrolle über den Markt, während bestätigte bullische technische Signale bislang ausbleiben.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und den Euroraum
Vereinigte Staaten
JOLTS Stellenangebote – 14:00 UTCDer Wirtschaftskalender für den 4. August enthält lediglich ein Ereignis von mittlerer Bedeutung. Daher dürfte der Einfluss der Makrodaten auf die Marktstimmung am Dienstag begrenzt oder vernachlässigbar sein.
EUR/USD‑Prognose und Trading‑Tipps
Meiner Ansicht nach befindet sich das Währungspaar weiterhin im Prozess der Ausbildung eines übergeordneten Aufwärtstrends. Auch wenn sich das fundamentale Umfeld vor fünf Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben hat, kann der langfristige Aufwärtstrend noch nicht als aufgehoben gelten. Nach zwei „Liquidity Grabs“ unter klar definierten Swing‑Tiefs könnten die Käufer einen weiteren Aufwärtsvorstoß starten. Gleichzeitig könnte sich innerhalb der Imbalance 17 weiterhin ein Verkaufssignal ausbilden, was bedeuten würde, dass der Euro in dieser Woche in Richtung Imbalance 19 fallen kann. Sollte sich innerhalb der Imbalance 19 ein bullisches Signal herauskristallisieren, könnten Trader anschließend erwägen, Long‑Positionen mit Zielen oberhalb von 1,1620 zu eröffnen.