Der Dollar spielt auf beiden Seiten

Alles, was verborgen ist, wird irgendwann klar. Während Donald Trump dem Iran mit einer „Enthauptung“ droht und Teheran eine letzte Chance gibt, wird hinter den Kulissen bereits an einem Deal gearbeitet. Katar hat angekündigt, dass eine mögliche Vereinbarung zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran „zwischen den Parteien voranschreitet“, auch wenn der Sprecher des Vermittlers keine konkreten Fristen nannte.

Der US‑Finanzminister Scott Bessent ging noch weiter und erklärte, dass bereits am Dienstag eine Vereinbarung zur Kontrolle der Straße von Hormus getroffen werden könnte. Schon diese Worte reichten aus, um den Ölpreis wieder nach unten zu drücken, während das Währungspaar EUR/USD die lange erwartete Unterstützung erhielt. Wie so oft warteten die Märkte nicht auf den offiziellen Vertragstext – sie kauften das Gerücht im Voraus.

Dynamik der Treasury‑Renditen und der Fed‑Zinsen

Allerdings hat der US-Dollar seine eigenen Trumpfkarten, die weit über die Straße von Hormus hinausreichen. Das Weiße Haus ist ernsthaft über die steigenden Renditen von Staatsanleihen besorgt und sieht sich gezwungen, zu unkonventionellen Methoden zu greifen. Bessent bezeichnete Washingtons Unterstützung für die japanische Währungsintervention als ein Zeichen des Vertrauens in die Verbündeten. Eine plausiblere Erklärung ist jedoch eine andere: Die Regierung fürchtet Zwangsverkäufe von Staatsanleihen durch ihren größten ausländischen Gläubiger.

Der Haken ist, dass auf den globalen Märkten nichts im luftleeren Raum geschieht. Wenn Tokio allein gehandelt hätte, müsste es einen Teil seiner US-Staatsanleihen im Wert von 1,1 Billionen Dollar liquidieren, was die Renditen und damit auch die Hypothekenzinsen in die Höhe treiben würde. Die Trump-Administration hatte den Wählern günstige Kredite versprochen, sieht sich nun aber vor den Halbzeitwahlen Renditen auf dem höchsten Stand seit 19 Monaten gegenüber. Aggressive Steuersenkungen und die Verstrickung im Nahen Osten, die die globale Inflation angeheizt haben, erfordern nun Tricks im Hintergrund, um die Folgen auszugleichen.

Entwicklung der japanischen Bestände an US-Staatsanleihen

Dennoch hat der Dollar auch ohne geopolitische Faktoren Gründe, stolz zu sein. Das Defizit in der US-Handelsbilanz ist im Juni um 5,6 % auf 73,3 Milliarden Dollar geschrumpft – die Importe sind erstmals in diesem Jahr in allen Bereichen zurückgegangen. Der Handel war im gesamten Quartal aufgrund des Zollchaos, des Krieges im Nahen Osten und des Wettlaufs um Investitionen in künstliche Intelligenz ins Wanken geraten. Dennoch stützen die Nettoexporte weiterhin das Wirtschaftswachstum, und die zweite Schätzung des BIP für das zweite Quartal könnte die bescheidene ursprüngliche Prognose von 1,5 % übertreffen.

Das ergibt ein interessantes Bild: Die Geopolitik treibt EUR/USD nach oben, während die inländischen Konjunkturdaten und der Markt für Staatsanleihen den Dollar in die entgegengesetzte Richtung ziehen. Welche dieser Kräfte wird sich als stärker erweisen, wenn der Text des Iran-Deals schließlich auf dem Tisch liegt?

Aus technischer Sicht zeigt EUR/USD im Tageschart eine Korrektur nach der vorangegangenen Rally. Solange sich die Kurse des wichtigsten Währungspaares über der Unterstützung bei 1,147 halten, bleibt die Stimmung „bullish“. Der Fokus sollte darauf liegen, bei einer Ermüdung der Korrekturbewegung in Richtung des Aufwärtstrends Käufe zu tätigen.