Während Anleger und Trader weiterhin euphorisch in Long-Positionen strömen und die Aktienindizes auf Rekordhöhen treiben, wettet Michael Burry – der Investor, der für seine treffsichere Vorhersage der Hypothekenkrise von 2008 bekannt ist – gegen die Rallye am US-Aktienmarkt und warnt vor dem Risiko eines Crashs „in der Größenordnung von 1987“.
Er argumentiert, die Gefahr liege nicht nur in überhitzten Bewertungen von KI-bezogenen Unternehmen, sondern in einem weitaus weniger sichtbaren – und potenziell noch gefährlicheren – Mechanismus: Fonds, die ihre Aktienquoten automatisch an die Volatilität anpassen. Michael Burry schätzt das Gesamtvolumen solcher Strategien auf rund 500 Milliarden US-Dollar.
Die Logik dieses Risikos ist eher mechanisch als psychologisch, was es besonders beunruhigend macht. Solange die Märkte ruhig sind, erhöhen diese Fonds nach und nach ihr Engagement in risikoreichen Anlagen. Doch sobald Aktienkurse zu fallen beginnen, reduzieren die Algorithmen gleichzeitig und synchron ihre Positionen und verstärken damit den Ausverkauf, anstatt ihn abzufedern. Burrys Berechnungen zufolge könnte schon ein Rückgang des S&P 500 um lediglich 2,5 % diese Fonds zwingen, ihre Aktienquoten von etwa 77 % auf 50 % zu senken. Das löst eine klassische Kettenreaktion aus: Verkäufe treiben die Volatilität nach oben, höhere Volatilität provoziert weitere Verkäufe, die wiederum Stop-Orders auslösen und den Kursrutsch beschleunigen.
Michael Burry sieht einen ähnlichen Mechanismus als Verstärker des Crashs am Black Monday, dem 19. Oktober 1987, als der Dow Jones in nur einer Sitzung um 22,6 % einbrach – den größten Eintagesverlust in seiner Geschichte. Die historische Parallele ist wichtig: Der Crash von 1987 wurde weniger von Fundamentaldaten als von technischen Portfoliostrategien getrieben, die in Panik gleichzeitig Aktien verkauften und den Zusammenbruch verstärkten, statt ihn abzumildern. Burrys Warnung weist im Kern darauf hin, dass sich heute wieder ein strukturell ähnlicher Mechanismus im System aufbaut – nun verkörpert durch moderne Volatilitätsziel-Fonds, statt durch die Portfolio-Versicherungsmodelle der 1980er-Jahre.