Gold (XAU/USD) verzeichnet moderate Kursgewinne, stößt dabei jedoch am 200‑Tage‑Exponentiellen Gleitenden Durchschnitt (EMA) auf Widerstand. Mehrere einflussreiche Vertreter der Federal Reserve haben ihre Besorgnis über anhaltende Inflationsrisiken geäußert und signalisiert, dass weitere Zinserhöhungen nach wie vor notwendig sein könnten. Dies stützt weiterhin die Nachfrage nach dem US‑Dollar und begrenzt das Aufwärtspotenzial des Edelmetalls.
Fed‑Gouverneurin Lisa Cook erklärte, die Inflation sei nach wie vor inakzeptabel hoch, und betonte, sie sei bereit zu handeln, falls sich der Disinflationsprozess verlangsamen sollte. Sie wies darauf hin, dass sich die Zentralbank nicht leisten könne, auf unbestimmte Zeit abzuwarten, falls der Preisdruck nicht nachlasse. Unterdessen sagte Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, die geldpolitischen Entscheidungsträger bräuchten vor der September-Sitzung zusätzliche Daten, um zu beurteilen, ob der Inflationsdruck vorübergehend oder eher hartnäckig sei. Zudem weist das CME FedWatch Tool derzeit einer mindestens einmaligen Zinserhöhung der Federal Reserve bis Jahresende eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 % zu, was die mit Störungen der globalen Energieversorgung verbundenen Inflationsrisiken widerspiegelt.
Tatsächlich meldete die vom Iran unterstützte Huthi‑Bewegung im Jemen Raketenangriffe auf einen saudischen Öltanker vor der Küste der Hafenstadt Yanbu am Roten Meer sowie einen weiteren Angriff im Golf von Aden. Gleichwohl setzen Anleger weiterhin auf ein Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sowie auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus, was die Ölpreise in der Nähe von Mehrwochentiefs hält.
Erwähnenswert sind auch die neuesten Daten des Institute for Supply Management (ISM), denen zufolge der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor im Juli leicht auf 54,1 gestiegen ist, jedoch unter der Konsensprognose von 54,5 blieb. Nach diesen schwächer als erwarteten Daten sank die implizite, vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve im September von 67 % auf etwa 55 %, was die Notwendigkeit zu besonderer Vorsicht bei US‑Dollar‑Bullen unterstreicht.
Für bessere Handelschancen ist es ratsam, auf den am Freitag mit Spannung erwarteten US‑Arbeitsmarktbericht außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls, NFP) zu warten, der voraussichtlich zusätzliche Hinweise auf den künftigen Kurs der Geldpolitik der Federal Reserve liefern wird. Zuvor wird am Donnerstag der wöchentliche Bericht zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA veröffentlicht, der zusammen mit Äußerungen wichtiger FOMC‑Mitglieder die Nachfrage nach dem US‑Dollar ankurbeln könnte. Darüber hinaus könnten Entwicklungen im Zusammenhang mit der Krise im Nahen Osten die Volatilität an den globalen Finanzmärkten erhöhen und die Goldpreise beeinflussen.
Aus technischer Sicht liefert die kräftige Rallye der vorangegangenen Handelssitzung, die den Kurs erstmals seit dem 17. März über den 50‑Tage‑Einfachen Gleitenden Durchschnitt (SMA) geführt hat, ein neues bullisches Signal für XAU/USD. Der Relative‑Stärke‑Index (RSI), der derzeit bei 63 liegt, deutet auf eine zunehmende Aufwärtsdynamik im Tageschart hin. Bevor jedoch zusätzliche Long‑Positionen in Betracht gezogen werden, sollten Händler auf einen bestätigten Ausbruch über den 200‑Tage‑EMA warten.