Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in dem lokalen bärischen Impuls, der am 17. April begonnen hat, doch mit jedem Tag kommen die Bullen einer Etablierung ihres eigenen Trends näher. Dafür müssen sie lediglich die Bearish Imbalance 17 ungültig machen, was bereits heute geschehen könnte. Das fundamentale Umfeld bleibt für die Bären ungünstig. Die Marktteilnehmer hatten erwartet, dass Kevin Warsh entweder eine Zinserhöhung im September in Aussicht stellt oder zumindest eine deutliche, „hawkishe“ Rhetorik wählt, die klar die Frage beantwortet: „Bereitet das Fed im Herbst eine Straffung der Geldpolitik vor?“ Stattdessen verwies Warsh auf Konjunkturdaten – Daten, die diese Frage heute weitaus klarer beantwortet haben als der Fed-Chef selbst.
Im Juli ging die Zahl der neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) um 23.000 zurück. Mit anderen Worten: Es wurden faktisch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, und die Gesamtbeschäftigung ist gesunken. Damit hat einer der wichtigsten Indikatoren der US-Wirtschaft zum vierten Mal in Folge nachgegeben. Der Wert liegt nun unter null, während der normale Bereich bei 100.000–150.000 liegt. All dies deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer im September nicht mit einer Straffung der Geldpolitik durch das FOMC rechnen sollten. Wie ich in den letzten Wochen gewarnt habe: Sollte der Arbeitsmarkt erneut ein schwaches Ergebnis liefern, wäre dies ein ausreichend triftiger Grund für die Fed, auf eine Zinserhöhung zu verzichten. Natürlich lässt sich dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber ich bin fast sicher, dass eine Straffung der Geldpolitik in diesem Jahr sehr unwahrscheinlich ist.
Zur Erinnerung: Die Erwartungen hinsichtlich einer Straffung der Geldpolitik durch die Fed sind derzeit nichts weiter als Erwartungen – sie können sich je nach geopolitischen Entwicklungen oder neuen Konjunkturdaten ändern. Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten fielen schwach aus, während der Inflationsbericht eine Verlangsamung zeigte. Diese beiden Faktoren stellen eine Zinserhöhung des FOMC in absehbarer Zeit infrage. Sollte Donald Trump die Märkte nicht in die Irre führen und die Straße von Hormus offen bleiben, wäre dies ein weiterer Grund für den Markt, den „sicheren Hafen US‑Dollar“ zu verkaufen, da er bei einer zumindest teilweisen Entspannung des Konflikts nicht mehr in gleichem Maße benötigt würde.
Die Geopolitik bleibt für Trader zwar ein sekundäres Thema, beeinflusst die Wirtschaft aber weiterhin. Teheran und Washington verhandeln nach wie vor über Mittelsmänner – wenn man das überhaupt „Verhandlungen“ nennen kann. Bleibt die Straße von Hormus offen, dürfte dies die Ölpreise drücken und die Inflation weiter verlangsamen. In diesem Fall würde die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung durch das FOMC noch geringer, obwohl sie bereits jetzt niedrig ist.
Die aktuelle Chartstruktur spricht für eine Fortsetzung des bärischen Impulses, der am 17. April begonnen hat. Die Bearish Imbalance 17 wurde zwar mitigiert, doch die Reaktion darauf fiel schwach aus. Daher könnte dieses Muster bereits heute invalidiert werden. In der vergangenen Woche hat sich zudem eine Bullish Imbalance 19 gebildet, was den Bullen erlaubt, optimistischer in die Zukunft zu blicken. Wird die Imbalance 17 invalidiert, während Imbalance 19 unmitigiert bleibt, müssen Trader auf neue bullische Muster warten, bevor sie Long-Positionen eröffnen können.
Das fundamentale Umfeld am Freitag hat die Lage deutlich gemacht. Zwar ist die US-Arbeitslosenquote auf 4,1 % gesunken, doch die wichtigere Nonfarm-Payrolls-Zahl ist zum vierten Mal in Folge rückläufig. Dieser Bericht löste einen deutlichen Rückzug der Bären aus und hat die Frage einer Straffung der Geldpolitik durch das FOMC im September praktisch vom Tisch genommen. Vor dem Hintergrund der Schwäche am US-Arbeitsmarkt könnte der Dollar in der kommenden Woche weiter nachgeben.
Es gibt nach wie vor eine Vielzahl von Gründen, die für eine Offensive der Bullen im Jahr 2026 sprechen, und selbst der Krieg im Nahen Osten hat deren Zahl nicht verringert. Strukturell und auf globaler Ebene haben sich Trumps politische Maßnahmen, die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Schwächung des Dollars geführt haben, nicht verändert. Derzeit sehe ich trotz des hawkishen Kurses des FOMC keinen nennenswerten Faktor, der die US‑Währung klar stützt. Dennoch greifen die Bären weiterhin an, während bullische Signale fehlen.
Wirtschaftskalender für die USA und die Europäische Union:
Am 10. August sind im Wirtschaftskalender keine bedeutenden Veröffentlichungen vorgesehen. Das fundamentale Umfeld wird die Marktstimmung am Montag daher nicht beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:
Meiner Ansicht nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Phase der Ausbildung eines bullischen Trends. Das fundamentale Umfeld hat sich vor fünf Monaten schlagartig zugunsten der Bären verschoben, doch der Trend an sich kann nicht als aufgehoben oder abgeschlossen gelten. Entsprechend können die Bullen ihre Aufwärtsbewegung nach zwei Liquiditätssweeps klar definierter Tiefs durchaus fortsetzen. Innerhalb der Imbalance 17 könnte sich ein Verkaufssignal gebildet haben, doch die Reaktion war schwach, sodass dieses Muster höchstwahrscheinlich invalidiert wird. Innerhalb der Imbalance 19 könnte sich ein Kaufsignal herausbilden, doch der Kurs entfernt sich zunehmend von diesem Muster. Trotz des relativ kräftigen Anstiegs des Euro liegt derzeit kein klarer Setup für das Eingehen von Long-Positionen vor. Es ist notwendig, auf die Ausbildung neuer bullischer Muster zu warten, auf die Mitigation der Imbalance 19 – oder alternativ das britische Pfund zu handeln.