Gold legte eine Pause ein, bevor es kräftig anzog

Zähle deine Hühner nicht, bevor sie geschlüpft sind. Gold ist auf 4.400 US-Dollar je Unze gestiegen, doch die Händler haben es mit dem Feiern nicht eilig – sie warten lieber auf den wichtigen US-Inflationsbericht, bevor sie Schlussfolgerungen ziehen.

Wöchentliche Entwicklung von Gold

Im Vorfeld der wichtigen Veröffentlichung hat die XAU/USD-Rallye etwas an Schwung verloren: Donald Trump deutete an, dass er bereit ist, den Druck auf den Iran wirtschaftlich – nicht durch Bombardierungen – zu erhöhen, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Teheran hat den freien Durchgang durch diese Ölarterie bislang nicht bestätigt. Das Ausbleiben einer Einigung trieb den Brent-Preis nach oben und damit auch die Sorge, dass die Federal Reserve die Zinsen längere Zeit hoch halten muss. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist dies ein klassischer Gegenwind.

TD Securities warnt: Damit XAU/USD weiter steigen kann, braucht der Markt nicht nur klarere Signale für Inflation, sondern für Stagflation – also eine Kombination aus steigenden Preisen und einer sich abschwächenden Konjunktur. Allerdings stützen die Nachfrage aus Asien und Zuflüsse in Exchange Traded Funds das Edelmetall weiterhin, und einige Trendfolger decken bereits ihre Short-Positionen ein.

Gold notiert weiterhin rund 17 % unter den Niveaus, die vor Ausbruch des Kriegs im Iran Ende Februar erreicht wurden. Der Dollar-Index schwächt sich derweil ab, während der Ölpreis steigt – ein klassisches Duo, das den Druck auf das Edelmetall kurzfristig erhöht, ihm mittelfristig jedoch in die Karten spielt.

Dynamik der Devisenreserven und Goldbestände der People’s Bank of China

Gleichzeitig erhöhte die People's Bank of China ihre Goldreserven im Juli um 20 Tonnen – den 21. Monat in Folge mit Zukäufen und das beste Ergebnis seit Oktober 2023. Die Notenbank hat offensichtlich keinerlei Zweifel an Gold, auch wenn sich Händler vorerst noch zurückhaltend zeigen.

Nach Angaben von Citadel Securities treffen derzeit fünf Katalysatoren mit asymmetrischem Aufwärtspotenzial für Gold und Silber zusammen: eine Neubewertung des Zinspfads der Fed, eine Beschleunigung der Goldkäufe durch Zentralbanken, Netto-Short-Positionen von CTAs, bullishe Dynamik bei Derivaten in den größten ETFs sowie die mögliche Rückkehr von Privatanlegern. Stand 6. August waren sowohl Gold als auch Silber per Saldo geshortet – was laut Citadel kein Gegenwind, sondern Treibstoff für einen künftigen Kurssprung ist.

Außerdem wirken die Schwäche des US-Dollar und die Neubewertung des erwarteten Fed-Zinspfads bereits zugunsten nicht verzinslicher Anlagen wie Gold. Kommen Sorgen über mögliche Eingriffe in den Währungs- und Treasury-Markt hinzu, stärkt das den Status von Gold als Reserveanlage in den Augen der Investoren nur weiter – zumal die Nachfrage der Zentralbanken zunimmt.

Trotzdem hängt das Schicksal der kommenden Wochen nicht von China oder Citadel ab, sondern von einer einzigen Zahl – der US-Inflation. Wird Gold in der Lage sein, sich bei 4.400 US-Dollar zu halten, oder wird der Bericht den Markt daran erinnern, dass die Fed-Zinsen noch lange hoch bleiben könnten? Meiner Ansicht nach haben die Bullen derzeit mehr Argumente auf ihrer Seite, als es auf den ersten Blick scheint.

Technisch setzt sich im Tageschart das Wolfe-Wave-Muster für Gold weiter durch. Sein Ziel liegt bei 5.230 US-Dollar je Unze. Das Aufwärtspotenzial für XAU/USD ist noch lange nicht ausgeschöpft. Es ergibt Sinn, das Edelmetall bei Rücksetzern zu kaufen.