AUD/USD. Die „taubenhaft“ auftretende RBA war gar nicht so taubenhaft

Die Reserve Bank of Australia hat auf ihrer Sitzung am Dienstag im August erwartungsgemäß den Leitzins unverändert bei 4,35 % belassen. Die Entscheidung war vorhersehbar und einstimmig, doch die begleitende Rhetorik und die aktualisierten Prognosen signalisierten eine Abschwächung der Haltung der Zentralbank. Die RBA räumte ein, dass die Geldpolitik weiterhin „etwas restriktiv“ ist und dass sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten „stärker als erwartet“ abgeschwächt haben. Gleichzeitig deuten die aktualisierten Prognosen der Zentralbank auf eine höhere Arbeitslosenquote und eine niedrigere zugrunde liegende Inflation hin.

Aus diesem Grund fiel die erste Reaktion des australischen Dollars auf den RBA-Beschluss negativ aus. Das Währungspaar AUD/USD markierte insbesondere ein neues lokales Tief (0,7040), was die allgemeine Schwäche des Aussie am Markt widerspiegelt.

Der Zinsentscheid der RBA im August selbst brachte für den Markt nichts Neues: Die Parameter der Geldpolitik blieben unverändert und entsprachen vollständig den Erwartungen der Investoren. Die Rhetorik in der begleitenden Erklärung enttäuschte jedoch die Falken, da die Notenbank deutlich machte, dass die bisherigen Straffungsmaßnahmen bereits die gewünschte Wirkung auf die Wirtschaft zeigen und sich der Spielraum für weitere Zinserhöhungen deutlich verengt hat.

Die wichtigste Änderung im finalen Kommuniqué betraf die Formulierung der Bedingungen für eine weitere geldpolitische Straffung. Zuvor hatte der Rat der Gouverneure die Bereitschaft signalisiert, den Leitzins „falls erforderlich“ anzuheben, während nun eine Zinserhöhung nur dann erfolgen soll, wenn sich Aufwärtsrisiken für die Inflation tatsächlich materialisieren. Auf den ersten Blick mag der Unterschied gering erscheinen, für die Märkte ist er jedoch von grundlegender Bedeutung. Die frühere Formulierung deutete darauf hin, dass eine Zinserhöhung weiterhin zu den jederzeit einsetzbaren Instrumenten der Geldpolitik gehörte. Die neue Wortwahl stellt dieses Szenario faktisch unter einen Vorbehalt – zunächst müssen zusätzliche Belege für wachsenden Inflationsdruck vorliegen. Und dies geschieht vor dem Hintergrund einer nachlassenden Gesamtinflation im ersten Quartal (die Headline-CPI ging auf 0,6 % q/q zurück, nach einem Anstieg um 1,0 % im ersten Quartal).

Ein bemerkenswertes Signal (nicht zugunsten des Aussie) waren die aktualisierten Prognosen. Die RBA hob ihre Arbeitslosenprognose an, während sie ihre Projektionen für die Kerninflation nach dem „trimmed mean“ senkte – eine Kennzahl, die für die Notenbank bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit des Preisdrucks von zentraler Bedeutung ist.

Mit anderen Worten: Die Notenbank rechnet nun mit einer spürbareren Abkühlung am Arbeitsmarkt, erwartet gleichzeitig aber eine günstigere Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation. Dieses Szenario verringert den Bedarf an weiterer geldpolitischer Straffung, zumindest mit Blick auf die nächste Sitzung.

Die Pressekonferenz von RBA-Gouverneurin Michele Bullock kehrte die anfänglich eher weiche Wahrnehmung der Sitzungsergebnisse allerdings gewissermaßen um: Der Fokus verlagerte sich von den Fortschritten bei der Inflationsbekämpfung hin zu den anhaltenden Inflationsrisiken. Bullock stellte klar, dass die Option weiterer Zinserhöhungen nach wie vor „auf dem Tisch“ liegt, da die australische Wirtschaft weiterhin über ihrem Potenzial operiert. Zudem betonte sie, dass für einen nachhaltigen Rückgang des Inflationsdrucks die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ausreichend schwach bleiben müsse, um den Druck auf die Produktionskapazitäten zu verringern.

Bullocks Haltung wirkte wie eine kalte Dusche für AUD/USD-Verkäufer, die augenscheinlich mit deutlich weicheren Signalen vonseiten der Notenbankchefin gerechnet hatten. Es wurde klar, dass die bloße Senkung der Inflationsprognosen nicht bedeutet, dass die RBA ihren Straffungszyklus bereits beendet hat.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Gouverneurin der Abschwächung des australischen Arbeitsmarktes kein allzu großes Gewicht beimaß und die Verschlechterung nicht als Argument für eine weichere Rhetorik wertete. Im Gegenteil: Bullocks Kommentare lassen darauf schließen, dass die RBA die Abkühlung am Arbeitsmarkt noch nicht als ausreichenden Grund für eine Lockerung der Geldpolitik betrachtet. Ihrer Ansicht nach läuft die Wirtschaft weiterhin mit Überschussnachfrage, sodass selbst bei einer Verschlechterung am Arbeitsmarkt weiterhin Risiken eines erneuten Anstiegs des Inflationsdrucks bestehen.

Kurz gesagt: Die RBA ist in ihren Formulierungen zwar vorsichtiger geworden, aber nicht im klassischen Sinne „taubenhaft“. De facto ist die Inflation für die Notenbank nach wie vor zu hoch, sodass die RBA im Falle eines erneuten Aufwärtsdrucks auf die Preise die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen bewusst offenhält.

Damit fielen die formalen Ergebnisse der RBA-Sitzung im August zwar weicher aus als vom Markt erwartet. Die Rhetorik der Notenbankchefin ließ die Marktteilnehmer jedoch nicht zu dem Schluss kommen, dass eine Zinserhöhung in absehbarer Zeit völlig ausgeschlossen ist. Die Erholung des AUD/USD am Dienstag wirkt daher folgerichtig und gerechtfertigt.

Im Vier-Stunden-Chart notiert das Währungspaar zwischen der mittleren und der oberen Linie der Bollinger Bands und über sämtlichen Ichimoku-Linien, was ein bullishes „Parade of Lines“-Signal ergeben hat. Im Tageschart liegt das Paar ebenfalls zwischen der mittleren und der oberen Bollinger Band, über Tenkan-sen und Kijun-sen, aber innerhalb der Kumo-Wolke. Das nächste Ziel für die Aufwärtsbewegung liegt bei 0,7090 (obere Bollinger Band im H4-Chart). Ein Ausbruch über dieses Ziel eröffnet dem AUD/USD den Weg in Richtung der 0,71er-Marke.