Heute ist der Preis für Brent-Rohöl erneut um 0,6 Prozent auf 89,45 US-Dollar je Barrel gestiegen und setzte damit seine Rally zum sechsten Tag in Folge fort – die längste Gewinnserie seit April. WTI wird derzeit bei 82,80 US-Dollar je Barrel gehandelt. Grund für den anhaltenden Anstieg bleibt die Lage in der Straße von Hormus, wo die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran nicht nur ins Stocken geraten, sondern sich offenbar sogar in die entgegengesetzte Richtung entwickeln. Beide Seiten haben ihre Positionen deutlich verhärtet.
Die Positionen auf beiden Seiten verhärten sich. Präsident Trump erklärte, man habe die „volle Kontrolle“ über den Kanal, während Teheran von den Nutzern verlangte, etwaige Umweltschäden für die lokale Bevölkerung zu „beheben“. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran scheinen in eine Sackgasse geraten zu sein: Washington blockiert weiterhin die Häfen der Islamischen Republik und erhöht den wirtschaftlichen Druck auf Teheran. Pakistan, das als Vermittler auftritt, erklärte, der umfassendere Friedensprozess sei ins Stocken geraten, obwohl die Frist für die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen den Parteien verlängert werden könnte.
Das fundamentale Bild hat sich laut der führenden Fachagentur deutlich verschlechtert. Die International Energy Agency erklärte, dass der globale Ölmarkt in diesem Quartal mit einem Defizit von 1,8 Millionen Barrel pro Tag konfrontiert sein wird – mehr als doppelt so viel wie in der vorherigen Prognose –, da sich der Krieg zwischen den USA und Iran in die Länge zieht. Für das gesamte Jahr 2026 dürfte das Defizit laut der Agentur das größte seit fünf Jahren sein. Gleichzeitig warnte die International Energy Agency, dass die Ölnachfrage aufgrund der hohen Preise zu sinken beginnt.
Allerdings sorgten die Lagerdaten aus den USA für eine Überraschung in die entgegengesetzte Richtung. Nach Angaben der Energy Information Administration stiegen die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche um 17,4 Millionen Barrel – der stärkste Anstieg seit Januar 2023.
Solange diplomatische Bemühungen nicht zur Wiedereröffnung der Meerenge führen und sich die Planbarkeit der Fördermengen nicht verbessert, ist kaum mit einer Besserung der Lage zu rechnen. Im jüngsten US-Inflationsbericht sind die Auswirkungen für die Verbraucher am deutlichsten sichtbar. Laut der American Automobile Association waren Benzin und Diesel für Amerikaner in den vergangenen Jahren nicht so teuer wie derzeit. Das trifft besonders in der Saison, in der Millionen Menschen traditionell mit dem Auto in den Urlaub fahren oder Verwandte besuchen.
Was das aktuelle technische Bild für Öl betrifft, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 84,40 US-Dollar überwinden. Dadurch würde sich ein Ziel bei 86,60 US-Dollar eröffnen, oberhalb dessen ein Ausbruch allerdings recht schwierig werden dürfte. Das am weitesten entfernte Ziel liegt im Bereich von 89,56 US-Dollar. Kommt es zu einem Rückgang, werden die Bären versuchen, die Kontrolle bei 81,50 US-Dollar zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne den Bullen einen schweren Schlag versetzen und den Ölpreis auf ein Tief bei 78,70 US-Dollar drücken, mit der Perspektive eines weiteren Rückgangs bis auf 76,30 US-Dollar.