EUR/USD bewegt sich weiterhin in der Preisspanne von 1,1520–1,1570, deren Grenzen den unteren und oberen Bollinger-Bändern im H4‑Zeitrahmen entsprechen. Angesichts widersprüchlicher Fundamentalfaktoren können Trader die nächste Richtung des Währungspaares nicht bestimmen. Auf der einen Seite stehen makroökonomische Daten (NFP, CPI und PPI), die die Position der Dollar-Bullen und damit der Verkäufer von EUR/USD geschwächt haben. Auf der anderen Seite steht die Geopolitik, die den Greenback weiterhin als „Safe-Haven“-Asset im Hintergrund stützt. Diese fundamentalen Faktoren halten sich faktisch die Waage, weshalb das Paar nun schon die zweite Woche in Folge in einer Seitwärtsbewegung verbleibt.
Die wichtigsten makroökonomischen Veröffentlichungen der vergangenen zwei Wochen waren für den Dollar ungünstig. Die Nonfarm Payrolls für Juli signalisierten eine Abkühlung des US-Arbeitsmarkts, während die CPI- und PPI-Berichte nachlassenden Inflationsdruck widerspiegelten.
Die wichtigste Schlussfolgerung aus den jüngsten Daten betrifft jedoch weniger die reine Abschwächung der Inflation oder die Schwäche am Arbeitsmarkt selbst, sondern vielmehr die veränderte Risikobalance, vor der sich die Fed sieht. Noch vor wenigen Wochen war das Hauptargument für eine Zinserhöhung die Gefahr eines sekundären Inflationsimpulses: Hohe Kosten, Zollbelastungen und erhöhte Energiepreise hätten die Inflation auf einem hohen Niveau halten können. Diese Gefahr erscheint nun wesentlich weniger klar ausgeprägt.
Der Nonfarm-Payrolls-Bericht für Juli war das erste deutliche Signal für eine Revision der bisherigen Erwartungen. Die US-Wirtschaft verlor 23.000 Arbeitsplätze, während die Zahlen für Mai und Juni zusammen um 103.000 nach unten revidiert wurden. Gleichzeitig kann der Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,1 % nicht als eindeutig positiver Faktor gewertet werden, da die Arbeitslosigkeit in erster Linie aufgrund eines Rückgangs der Erwerbsbeteiligung und nicht wegen einer Beschleunigung der Neueinstellungen gesunken ist. Zudem hat sich der inflationssensible Lohnindikator im Juli ebenfalls verlangsamt. Auf Jahressicht fiel dieser Wert auf 3,2 % und damit auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren.
Die Inflationsdaten haben diesen Trend nur noch verstärkt. Der CPI für Juli stieg gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,1 %, während die Jahresrate auf 3,4 % zurückging. Gleichzeitig legte der Kern-CPI gegenüber dem Vormonat um 0,2 % zu und verlangsamte sich auf Jahressicht auf 2,5 % – den niedrigsten Stand seit Anfang 2021. Die Inflation ist zwar keineswegs verschwunden, zeigt aber keine Beschleunigung mehr, die die Fed zu präventiven Maßnahmen zwingen könnte.
Unterdessen blieb der Headline-PPI im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert, nachdem er im Juni um 0,1 % gesunken war, während die Jahresrate deutlich von 5,5 % auf 4,7 % zurückging. Der Kern-PPI stieg im vergangenen Monat nur um 0,2 % gegenüber dem Vormonat und verringerte damit die Sorge, dass höhere Produktionskosten in nennenswertem Umfang auf die Verbraucherpreise durchschlagen könnten, auch wenn einige Komponenten, insbesondere im Dienstleistungssektor, weiterhin spürbaren Preisdruck aufweisen.
Aus diesen Gründen hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September deutlich verringert. Laut dem CME FedWatch-Tool wird sie derzeit nur noch auf etwa 30 % geschätzt, während Händler noch vor einer Woche die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der Geldpolitik im frühen Herbst auf nahezu 70 % beziffert hatten. Eine derart starke Revision der Erwartungen erscheint gut begründet, da die jüngsten makroökonomischen Daten der Fed eines ihrer wichtigsten Argumente für weitere geldpolitische Straffung faktisch genommen haben. Zuvor konnte die Notenbank eine Zinserhöhung mit der Notwendigkeit begründen, den anhaltenden Inflationsimpuls zu „eindämmen“, doch der Inflationsdruck lässt nun allmählich nach. Gleichzeitig zeigt der Arbeitsmarkt immer deutlichere Anzeichen einer Abkühlung. In dieser Situation wirkt eine zusätzliche Zinserhöhung nicht mehr als „eindeutig notwendige“ Maßnahme zur Inflationsbekämpfung. Zugleich würde eine straffere Geldpolitik das Risiko bergen, die Konjunktur übermäßig zu bremsen und den Arbeitsmarkt weiter zu schwächen.
Von einer vollständigen Drehung der Erwartungen hin zu Zinssenkungen ist der Markt jedoch noch entfernt. Ein einzelner schwacher Bericht reicht nicht aus, damit sich ausgeprägt dovishe Erwartungen verfestigen. Es wird eine ganze Reihe von Daten nötig sein: weitere Abschwächung der Kerninflation und der PCE-Inflation, eine anhaltende Schwäche bei der Beschäftigung, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie ein geringeres Lohnwachstum. Bestätigen etwa die Arbeitsmarktdaten für August den im Juli eingeschlagenen „Wendepunkt“ und setzt sich der Abwärtstrend bei der Inflation fort, dürfte der dovishe Erwartungshorizont deutlich zunehmen. Vorerst kann jedoch nur von einer abwartenden Haltung der Fed und vom faktischen Verzicht auf das hawkishe Szenario gesprochen werden. Dieses Ergebnis lastet grundsätzlich auf dem Greenback, doch der geopolitische Faktor kompensiert die Dollar-Schwäche weiterhin und hindert die Käufer von EUR/USD daran, aus der aktuellen Handelsspanne auszubrechen.
Die geopolitischen Spannungen nähren weiterhin die Risikoaversion an den globalen Märkten. Erst heute erklärte US-Finanzminister Bessent, Washington werde in der kommenden Woche neue Sanktionen gegen den Iran ankündigen, „wie sie bislang gegen kein anderes Land der Welt verhängt wurden“. Seinen Angaben zufolge werden die Maßnahmen wirtschaftliche Isolation mit der Fortsetzung der Blockade der Straße von Hormus kombinieren.
Der Iran bekräftigte seinerseits heute seine Forderungen an die Vereinigten Staaten, deren Erfüllung eine Wiedereröffnung der Meerenge ermöglichen würde. Dazu gehören die Aufhebung der Blockade iranischer Häfen, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie die Zustimmung Washingtons zu einem Waffenstillstand in der gesamten Region, einschließlich Libanon und Gaza. Bis diese Forderungen erfüllt sind, beabsichtigt Teheran, die Meerenge geschlossen zu halten.
Vor diesem Hintergrund widersprüchlicher fundamentaler Faktoren dürfte EUR/USD vorerst in einer Handelsspanne verbleiben. Solange weder von der Fed noch aus dem Verhandlungsprozess zwischen den USA und dem Iran neue Signale kommen, wird das Währungspaar sich aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin in der etablierten Preisspanne von 1,1520–1,1570 bewegen.