EUR/USD – Smart-Money-Analyse: Der Aufwärtsdruck hat sich endlich verstärkt

EUR/USD bleibt innerhalb des lokalen „bärischen“ Impulses, der am 17. April begonnen hat, doch mit jedem Tag üben die Bullen wachsenden Druck auf den vorherrschenden Trend aus. Um eine vollumfängliche Aufwärtsbewegung zu starten, müssen sie lediglich die „bärische“ Imbalance 17 neutralisieren. Heute haben sie allerdings einen Schritt unternommen, der sie diesem Ziel näherbringt. Das fundamentale Umfeld bleibt für die Bären ungünstig. Die Marktteilnehmer erhielten von Kevin Warsh keinerlei klare Signale, dass er bereit wäre, eine Straffung der Geldpolitik zu unterstützen. Im Juli sank die Zahl der neu geschaffenen Nonfarm-Payrolls-Stellen um 23.000 und verzeichnete damit den vierten Rückgang in Folge. Die Inflation verlangsamte sich im Juni um 0,7 % und im Juli um weitere 0,1 %. All dies deutet darauf hin, dass im September nicht mit einer geldpolitischen Straffung durch die Fed zu rechnen ist.

Wie ich in den vergangenen Wochen gewarnt habe, wäre ein weiterer schwacher Wert am Arbeitsmarkt ein hinreichend triftiger Grund für die Fed, auf eine Zinserhöhung zu verzichten. Natürlich lässt sich dies nicht mit absoluter Sicherheit sagen, da es vor der nächsten FOMC-Sitzung noch mindestens einen weiteren Inflationsbericht und einen weiteren Arbeitsmarktbericht geben wird. Dennoch bin ich fast sicher, dass die Fed im September ebenfalls eine abwartende Haltung einnehmen wird. Nahezu alle Marktteilnehmer verabschieden sich nun von ihren „hawkishen“ Erwartungen für September. Dennoch reicht dies noch nicht aus, um die Imbalance 17 zu neutralisieren.

Zur Erinnerung: Die Erwartungen einer geldpolitischen Straffung durch die Fed sind derzeit nur Erwartungen, die sich in Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen oder Konjunkturdaten ändern können. Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt fielen schwach aus, die Inflation verlangsamt sich, und das BIP-Wachstum verliert an Dynamik. Diese drei Faktoren lassen Zweifel an einer Leitzinserhöhung durch das FOMC nicht nur im September, sondern auch auf absehbare Zeit aufkommen. Sollte die Straße von Hormus in naher Zukunft wieder geöffnet werden, würde dies den energieseitigen Druck nur verringern und der Inflation ermöglichen, weiter zu sinken – was die Aussichten der Bären zusätzlich schwächen würde. Die einzige Chance der Bären besteht derzeit in einer neuen Eskalation und einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus.

Das aktuelle technische Bild spricht weiterhin für die Fortsetzung des „bärischen“ Impulses. Die „bärische“ Imbalance 17 wurde getestet, aber die Reaktion darauf fiel schwach aus. Daher könnte dieses Muster ungültig werden. Gleichzeitig hat sich eine „bullische“ Imbalance 19 ausgebildet, die den Bullen erlaubt, mit einem gewissen Optimismus nach vorne zu blicken. Sollte Imbalance 17 neutralisiert werden, während Imbalance 19 ungetestet bleibt, müssten die Trader auf neue „bullische“ Muster warten, bevor sie Long-Positionen eröffnen können. Aktuell gibt es keinerlei Grundlage für die Eröffnung von Short-Positionen. Selbst wenn Imbalance 17 letztlich noch eine weitere Reaktion hervorbringt, wäre ein solches Signal nur von geringem Wert, da sich dieses Muster bereits seit mehr als zwei Wochen ausbildet.

Auch am Freitag war der konjunkturelle Hintergrund für die Bären ungünstig. Der erste wirklich relevante Bericht wurde erst vor wenigen Stunden veröffentlicht. Die US-Einzelhandelsumsätze gingen im Juli um 0,6 % zurück, während der Marktkonsens bei +0,1 % lag; der Consumer Sentiment Index der University of Michigan fiel mit 51,0 Punkten ebenfalls schwächer als erwartet aus (Prognose: 54,5). Der morgendliche Bericht zum BIP der Eurozone wurde vom Markt ignoriert, während die Bullen ihre Aufwärtsbewegung bereits am Morgen begonnen hatten. Somit lagen die Bullen bereits zu Tagesbeginn einen Schritt voraus, und die US-Daten lieferten lediglich zusätzliche Unterstützung.

Es gibt nach wie vor zahlreiche Gründe, die für einen Vorstoß der Bullen im Jahr 2026 sprechen, und der Krieg im Nahen Osten hat deren Zahl nicht verringert. Strukturell und im großen Bild haben sich die von Trump verfolgten politischen Maßnahmen, die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Abwertung des Dollars geführt haben, nicht verändert. Derzeit sehe ich trotz der „hawkishen“ Ausrichtung des FOMC keine nennenswerten Faktoren, die die US-Währung stützen würden. Dennoch führen vorerst weiterhin die Bären die Bewegung an, während es an „bullischen“ Signalen mangelt.

Wirtschaftskalender für die USA und die Europäische Union:

Am 17. August sind im Wirtschaftskalender keine Veröffentlichungen vorgesehen. Der konjunkturelle Hintergrund wird die Marktstimmung am Montag nicht beeinflussen.

EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:

Meiner Ansicht nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines „bullischen“ Trends. Das fundamentale Umfeld hat sich vor fünf Monaten zwar deutlich zugunsten der Bären verschoben, doch der Trend an sich kann weder als neutralisiert noch als abgeschlossen gelten. Folglich können die Bullen ihre Aufwärtsbewegung nach zwei Liquiditätssweeps unter klar definierten Tiefs durchaus fortsetzen. Innerhalb der Imbalance 17 könnte sich zwar ein Verkaufssignal gebildet haben, die Reaktion darauf war jedoch schwach, sodass dieses Muster höchstwahrscheinlich neutralisiert wird. Ein „bullisches“ Signal könnte sich innerhalb der Imbalance 19 formen, doch der Kurs entfernt sich zunehmend von diesem Muster. Trotz des relativ deutlichen Anstiegs des Euro gibt es derzeit keine klaren Möglichkeiten zur Eröffnung von Long-Positionen. Trader sollten auf die Ausbildung neuer „bullischer“ Muster warten, den Test der Imbalance 19 abwarten oder alternativ den Handel mit dem Britischen Pfund in Betracht ziehen.