Das Währungspaar EUR/USD drehte am Mittwoch zugunsten der europäischen Gemeinschaftswährung nach oben und setzte seine Aufwärtsbewegung fort, wobei es sich oberhalb des 100,0%-Retracement-Levels bei 1,1620 etablierte. Damit könnte der Euro seinen Anstieg heute in Richtung des nächsten Retracement-Levels von 127,2% bei 1,1700 fortsetzen. Ein Rückprall von diesem Niveau würde die US‑Währung begünstigen und einen Rückgang in Richtung 1,1620 unterstützen. Eine Stabilisierung oberhalb von 1,1700 würde es den Tradern ermöglichen, mit einem weiteren Anstieg in Richtung des nächsten Fibonacci-Levels von 161,8% bei 1,1802 zu rechnen.
Die Wellenstruktur im Stundenchart bleibt bullisch. Die zuletzt abgeschlossene Abwärtswelle hat das vorherige Tief nicht durchbrochen, während die neue Aufwärtswelle das vorherige Hoch überschritten hat. Alle Wellen sind derzeit extrem klein. Die geopolitische Lage bleibt durchweg negativ: Zwischen Iran und den Vereinigten Staaten finden keine Verhandlungen statt, und die Blockade der Straße von Hormus besteht weiterhin. Dennoch ist der Kurs der FOMC, der derzeit höchst widersprüchlich ist, für den Dollar im Moment wichtiger.
Das fundamentale Umfeld war am Mittwoch eher schwach. Am Abend wurden die Protokolle der FOMC-Sitzung vom Juli veröffentlicht, die sich deutlich restriktiver (hawkisher) darstellten, als es die Marktteilnehmer erwartet hatten. Zur Erinnerung: Lediglich drei der zwölf FOMC-Mitglieder stimmten im Juli für eine Zinserhöhung. Aus den Protokollen ging jedoch hervor, dass die Zahl der Entscheidungsträger, die angesichts der hohen Inflation eine Straffung der Geldpolitik in Betracht zogen, deutlich höher als drei war. Die zentrale Aussage der Protokolle lautete, dass die Zinsen erhöht werden müssten, falls die Inflation nicht weiter zurückgeht. Ich möchte allerdings daran erinnern, dass dies die Position der Fed vor drei Wochen war. Im August wurden Daten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation veröffentlicht. Der Arbeitsmarkt schwächt sich deutlich ab, während die Inflation zurückgeht. Daher könnte die Haltung der US-Notenbank derzeit wesentlich vorsichtiger (dovisher) ausfallen. Eine Straffung der Geldpolitik würde zwar helfen, die Inflation zu senken, zugleich aber zu einer weiteren Verschlechterung am Arbeitsmarkt führen. Der US-Dollar fiel fast den ganzen Tag über, obwohl die Protokolle eher restriktiv ausfielen. Dementsprechend standen diese beiden Ereignisse in keinem Zusammenhang; andernfalls hätten wir eine Aufwertung der US-Währung gesehen. Die Marktteilnehmer ignorierten die Protokolle, wie zu erwarten war, da diese nach drei Wochen bereits einen großen Teil ihrer Relevanz eingebüßt hatten.
Im 4-Stunden-Chart setzt das Paar seinen Anstieg fort und hat sich oberhalb des 61,8%-Retracement-Levels bei 1,1649 gefestigt. Damit könnte der Euro seinen Anstieg in Richtung des nächsten Fibonacci-Levels bei 76,4% bei 1,1726 fortsetzen. Der aufwärtsgerichtete Trendkanal signalisiert einen anhaltenden Aufwärtstrend. Von nun an ist mit einer Stärkung der US-Währung frühestens zu rechnen, wenn der Kurs unterhalb des Kanals schließt. Derzeit sind keine neuen Divergenzen erkennbar, allerdings ist der RSI in die überkaufte Zone (über 80) eingetreten.
Commitments of Traders (COT) Report:In der letzten Berichtswoche schlossen professionelle Händler 4.661 Long-Positionen und 2.742 Short-Positionen. Innerhalb von sieben Wochen im Februar und März ist der überwältigende Vorteil der Bullen aufgrund des Kriegs im Iran dahin geschmolzen, während sich die Situation in den vergangenen zwanzig Wochen vor dem Hintergrund der vermuteten Waffenruhe und der Markthoffnungen auf ein Kriegsende wieder etwas ausgeglichener darstellt. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt derzeit bei 197.000, während die Zahl der Short-Positionen bei 257.000 steht. Die Bären übernehmen damit wieder die Führung.
Auf lange Sicht zeigen große Marktteilnehmer insgesamt weiterhin ein größeres Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen die verschiedensten Ereignisse rund um den Globus, von denen es in den letzten Jahren reichlich gab, die Stimmung der Investoren. Der Markt beobachtet derzeit insbesondere die Lage im Nahen Osten genau, wo der Krieg scheinbar endet, nur um dann wieder neu aufzuflammen. Zunächst ignorierte der Markt die Waffenruhe und anschließend auch die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Damit bestimmt die Geopolitik nicht mehr allein das Schicksal des Dollars.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Europäische Union:Vereinigte Staaten – Veränderung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC).Vereinigte Staaten – Philadelphia Manufacturing Index (12:30 UTC).Am 20. August stehen zwei Einträge im Wirtschaftskalender, doch ich würde keinen von beiden als wichtig einstufen. Das konjunkturelle Umfeld dürfte die Marktstimmung am Donnerstag höchstwahrscheinlich nicht beeinflussen.
EUR/USD Prognose und Trading-Tipps:Kaufgelegenheiten ergaben sich, nachdem sich das Paar auf dem Stundenchart oberhalb von 1,1620 stabilisiert hatte, mit einem Ziel bei 1,1700. Ein Schlusskurs oberhalb von 1,1700 ermöglicht es den Händlern, Long-Positionen mit einem Ziel bei 1,1786 offen zu halten. Verkaufssignale sind heute möglich, falls das Paar auf dem Stundenchart von 1,1700 nach unten abprallt, mit einem Ziel bei 1,1620.
Die Fibonacci-Raster sind im Stundenchart von 1,1620–1,1325 und im 4-Stunden-Chart von 1,1849–1,1325 eingezeichnet.