USD/JPY: „Gegenwind“ von beiden Seiten: Der Yen erhält Unterstützung durch Inflation, der Dollar durch Carry Trade

Das Währungspaar USD/JPY hat bereits drei Wochen in Folge verbracht, ohne eine klare Richtung einzuschlagen. Das Paar schwankt weiterhin in einer breiten Handelsspanne von 158,00–159,60 und prallt abwechselnd von den Grenzen dieses Korridors ab. Das widersprüchliche fundamentale Umfeld verhindert, dass die Marktteilnehmer einen nachhaltigen Trend etablieren können: Aus beiden Richtungen wehen „Gegenwinde“, da die Erwartungen einer Straffung durch die Bank of Japan mit der anhaltenden Attraktivität der Carry-Trade-Strategie und der Nachfrage nach dem Dollar kollidieren. Einerseits erhält der Dollar weiterhin Unterstützung durch den deutlichen Zinsunterschied zwischen den USA und Japan. Andererseits hat der am Freitag veröffentlichte Inflationsbericht für Japan die hawkischen Erwartungen hinsichtlich weiterer Schritte der Zentralbank verstärkt.

Der am Ende der vergangenen Woche veröffentlichte Bericht zeigte eine Beschleunigung der landesweiten Inflation in Japan. Der gesamte VPI-Index stieg im Juli im Jahresvergleich um 1,9 %, nach einem Anstieg um 1,6 % im Vormonat. Gleichzeitig beschleunigte sich der Kernindex, der frische Lebensmittel ausklammert, von 1,6 % auf 1,8 % und entsprach damit voll und ganz den Prognosen der meisten Analysten. Noch bedeutender ist der Index ohne frische Lebensmittel und Energie, der um 1,9 % zulegte, nach einem Anstieg um 1,7 % im Juni. Auf Monatsbasis stieg der gesamte VPI um 0,4 %, und beide Kernindizes nahmen um 0,3 % zu.

Die Struktur der Juli-Daten zeigt, dass der Inflationsdruck in Japan zunehmend einen persistenten Charakter annimmt. Besonders hervorzuheben ist die Beschleunigung der Dienstleistungspreise (von 1,1 % auf 1,2 %), die die inländischen Preisspannungen stärker widerspiegelt als externe Faktoren. Gleichzeitig stiegen die Preise für Waren um 2,7 %, und die Großhandelsinflation erreichte 7,2 %. Diese Kombination von Faktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass sich der Inflationsdruck als hartnäckiger erweist, als es die reine Dynamik des Gesamt-VPI vermuten lässt.

Allerdings gibt es dabei einen wichtigen Aspekt. Trotz des Aufwärtstrends bleibt die Kerninflation unter dem 2 %-Ziel der Bank of Japan. Dies ist weitgehend auf staatliche Subventionen für Kraftstoffe zurückzuführen. Gleichzeitig werden die steigenden Preise durch den schwachen Yen, höhere Importkosten und hohe Rohstoffpreise angefacht. Daher dienen die aktuellen VPI-Daten sowohl als Argument für weitere Zinserhöhungen durch die BoJ als auch als Faktor, der die Belastung für japanische Verbraucher und Unternehmen erhöhen könnte. Beschleunigte Preissteigerungen schmälern die Kaufkraft und treiben die Geschäftskosten nach oben, während eine mögliche Straffung der Geldpolitik die Kreditkosten zusätzlich erhöht. Somit steht die Notenbank vor einem altbekannten Dilemma: Einerseits muss sie auf den anhaltenden Inflationsdruck reagieren, andererseits könnte ein zu rascher Zinsanstieg die Wirtschaft belasten, die Binnennachfrage dämpfen und die Investitionstätigkeit einschränken.

Trotz ausgeprägter „Abwarten-und-Beobachten“-Faktoren halten viele Experten und Marktteilnehmer eine Straffung der Geldpolitik bereits im Herbst für möglich. Zur Erinnerung: Die Bank of Japan erhöhte den Leitzins im Juni auf 1,0 % und legte bei der Sitzung im Juli eine „hawkish pause“ ein, womit sie die Möglichkeit einer baldigen weiteren Straffung der Geldpolitik signalisierte. Der Markt preist zunehmend eine Zinserhöhung auf 1,25 % bei der nächsten Sitzung am 17.–18. September ein.

Solche Erwartungen stützen den Yen und damit die Verkäufer von USD/JPY. Hier stellt sich jedoch das wichtigste Gegenargument – der Carry Trade. Diese Strategie bleibt attraktiv: Anleger leihen sich Mittel in der niedrig verzinsten japanischen Währung und investieren sie in höher rentierliche Dollar-Anlagen. Solange der Zinsabstand deutlich bleibt, wird die Nachfrage nach dem Dollar gegenüber dem Yen nicht nachlassen. Dies erklärt, warum sich USD/JPY nach einem starken, durch Deviseninterventionen ausgelösten Rückgang relativ schnell erholt hat und wieder in die Nähe der Marke von 160 zurückgekehrt ist. Dieser Mechanismus begrenzt nach wie vor das Potenzial für eine nachhaltige Aufwertung der japanischen Währung.

Damit spiegelt das Währungspaar USD/JPY ein widersprüchliches fundamentales Bild wider. Der hohe Zinsabstand stützt derzeit den Dollar; gleichzeitig verschiebt die sich beschleunigende Inflation in Japan allmählich die Risikobalance. Je länger die Kerninflation bei oder über 2 % bleibt, desto weniger tragfähig erscheint die Carry-Trade-Strategie. Daher behält das Paar zwar das Potenzial, erneut das Ziel bei 160,00 zu erreichen, doch der Spielraum für weitere Aufwärtsbewegungen verengt sich allmählich – nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Risikos von Deviseninterventionen.

Unter diesen Bedingungen bietet sich eine Fortsetzung des Range-Tradings an, wobei der Fokus auf der Preisspanne von 158,00–159,60 liegt, innerhalb derer sich USD/JPY bereits die dritte Woche in Folge konsolidiert. Solange sich das Paar in dieser Spanne bewegt, erscheinen Käufe in der Nähe der unteren Begrenzung mit Gewinnmitnahmen im Bereich der oberen Begrenzung sinnvoller, als zu versuchen, die Richtung eines künftigen Ausbruchs zu erraten.