Heute, am Dienstag, wird Gold (XAU/USD) weiterhin unter der Marke von 4.650 US?Dollar gehandelt. Allerdings mahnt das Ausbleiben eines deutlichen Rückgangs zur Vorsicht, bevor Short?Positionen eröffnet werden.
Es gibt die Einschätzung, dass der US?Dollar seine Erholung nach dem Erreichen eines Dreimonatstiefs fortsetzen wird, da inflationsbedingte Risiken im Zusammenhang mit Schwankungen der Energiepreise die Wahrscheinlichkeit von mindestens einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve weiter aufrechterhalten. Dies verstärkt zusammen mit der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit die Attraktivität des Dollar als sicherer Hafen und setzt Rohstoffpreise unter Druck.
Nach den jüngsten Ereignissen im Zusammenhang mit der Krise im Nahen Osten kündigte der US-Finanzminister Scott Bessent am Montag den Beginn einer Kampagne zur wirtschaftlichen Isolation Irans an und warnte, dass jedes Land, das mit Iran Geschäfte macht, mit US-Sanktionen rechnen müsse. Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, erklärte zudem, dass die Islamische Republik alle Ölexporte durch die Straße von Hormus und andere Routen im Persischen Golf einstellen werde, falls der Wirtschaftskrieg andauert. Dies erhöht das geopolitische Risiko und ist ein Faktor, der die Stärke des Dollars unterstützt.
Unterdessen erwies sich der anfängliche Rückgang der US-Anleiherenditen nach der ausgeweiteten Rückkaufstrategie des Treasury als nur von kurzer Dauer, da Sorgen über die wachsende US-Staatsverschuldung, die 40 Billionen US-Dollar überschritten hat, anhielten. Dies befeuert das Interesse am sogenannten „Devaluation Trade“, der die Nachfrage nach Gold als alternativem Wertspeicher stützen könnte.
Für bessere Handelsmöglichkeiten ist es sinnvoll, auf klarere Signale zum zukünftigen Kurs der Fed-Politik zu warten, während sich die Erwartungen im Vorfeld der FOMC-Sitzung am 15.–16. September weiterentwickeln.
In dieser Woche sollte der Fokus auf dem am Mittwoch anstehenden US-Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE) liegen. Darüber hinaus wird eine Grundsatzrede von Fed-Chef Kevin Warsh beim jährlichen Jackson-Hole-Symposium am Freitag besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, da sie weitere Hinweise auf den Zinsausblick liefern und damit den US-Dollar und den Goldpreis wesentlich beeinflussen könnte.
Gleichzeitig spricht die aktuelle fundamentale Lage dafür, zunächst eine deutlichere Fortsetzung der Verkäufe abzuwarten, bevor man davon ausgeht, dass XAU/USD sein Hoch in der Nähe von 4.700 US-Dollar erreicht hat und bereit für weitere Rückgänge ist.
Aus technischer Sicht gilt der jüngste Bruch der 200-Tage-SMA als kräftiger Auslöser für die Bullen. Doch da sich der Relative-Stärke-Index (RSI) im überkauften Bereich befindet, ist der weitere intraday Aufwärtsspielraum des Edelmetalls begrenzt. Die Momentum-Oszillatoren bleiben jedoch positiv und bestätigen damit den Vorteil der Bullen am Markt. Die erste Unterstützung liegt am runden Niveau von 4.600 US-Dollar, danach an der 200-Tage-SMA knapp über 4.500 US-Dollar.
Kurzfristige Widerstände finden sich bei 4.680 US-Dollar, anschließend bei 4.780 US-Dollar auf dem Weg zur runden Marke von 4.800 US-Dollar.