Brent ist auf unter 87 US-Dollar pro Barrel gefallen und damit den dritten Tag in Folge rückläufig, wodurch sich die Wochenverluste auf etwa 8 % erhöhen, während WTI bei rund 81 US-Dollar gehandelt wird.
Der starke Preisrückgang wird auf Verhandlungen zwischen Iran und Oman über ein sogenanntes temporäres Rahmenabkommen zur Wiederaufnahme der Schifffahrt durch die Straße von Hormus zurückgeführt. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi und sein omanischer Amtskollege Badr Albusaidi erörterten die Initiative zur Einrichtung eines vorläufigen gemeinsamen Schifffahrtskorridors, wie die Oman News Agency berichtete.
Bemerkenswert ist, dass der Markt die neuen US-Sanktionen gegen Teheran komplett ignoriert hat. Zur Erinnerung: Scott Bessent kündigte Anfang dieser Woche Maßnahmen gegen mehr als 60 Unternehmen im Rahmen einer Kampagne an, die er als „Economic Day D“ bezeichnete. Washington hat jedoch nicht gewagt, härtere Maßnahmen gegen Irans Handelspartner zu verhängen, darunter China, den Hauptabnehmer iranischen Öls, und Händler werteten dies eher als Zeichen der Zurückhaltung denn einer Eskalation.
Der Rückgang der Ölpreise zeigt, dass Händler eine Friedensvereinbarung inzwischen deutlich einpreisen. Angesichts der Tatsache, dass weiterhin ein Teil des Öls durch die Meerenge transportiert wird, befinden sich Iran und die USA wahrscheinlich in einer neuen Phase der Deeskalation, in der die Tendenz eher in Richtung Frieden als in Richtung Krieg geht.
Technische Konsultationen zwischen Iran und Oman sollen in Kürze wieder aufgenommen werden, um sich auf einen dauerhaften Schifffahrtskorridor, die künftige Verwaltung der Meerenge sowie Mechanismen für Informationsaustausch, Verkehrslenkung und die Bereitstellung einschlägiger maritimer und sicherheitsrelevanter Dienste zu verständigen.
Das überzeugendste Signal für eine Deeskalation waren praktische Schritte und nicht bloße Erklärungen. Medienberichten zufolge bereiten sich die USA darauf vor, Diplomaten in Botschaften im Nahen Osten zurückzuschicken, die vor und während des Krieges evakuiert worden waren – ein Hinweis darauf, dass Washington nicht mit einem erneuten Aufflammen eines groß angelegten Konflikts rechnet.
Auch das fundamentale Umfeld wirkt preisdämpfend. Das American Petroleum Institute meldete in der vergangenen Woche einen Anstieg der US-Ölvorräte um 4,2 Millionen Barrel. Sollten die offiziellen Daten dies bestätigen, wäre dies der vierte wöchentliche Anstieg in Folge.
Zusätzlich liegen die Futures seit Jahresbeginn immer noch mehr als 40 % im Plus, da der Konflikt zwischen den USA und Iran, der das Angebot aus dem ressourcenreichen Persischen Golf begrenzt hat, sich der Sechs-Monats-Marke nähert.
Was das aktuelle technische Bild für Öl betrifft, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 81,53 $ überwinden. Dadurch könnten sie das Ziel bei 84,39 $ ins Visier nehmen, wobei ein Ausbruch darüber hinaus recht schwierig werden dürfte. Das am weitesten entfernte Ziel liegt bei etwa 86,67 $. Kommt es hingegen zu einem Rückgang beim Ölpreis, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über das Niveau von 78,70 $ zu übernehmen. Gelingt dies, würde ein Durchbruch unter diese Spanne die Positionen der Bullen erheblich schwächen und den Ölpreis auf ein Tief von 76,30 $ drücken, mit der Perspektive eines Rückgangs bis auf 73,79 $.