Kendrick von Standard Chartered sagt, BTC könnte bis Jahresende auf 126.000 US-Dollar zurückkehren

Bitcoin und Ether haben eine starke Rally verzeichnet, die nun jedoch deutlich an Dynamik verliert. Die Entscheidung des US-Finanzministeriums, Anleiherückkäufe auszuweiten, löste einen Kurssprung am Kryptomarkt aus. Die zentrale Frage bleibt jedoch, wie lange diese Bewegung anhalten kann, wenn sie nur auf einem einzigen unterstützenden Faktor beruht. Im Kern handelte es sich um ein „Black-Swan“-Ereignis, das zu einem völlig unerwarteten Zeitpunkt eintrat. Trotz der kräftigen Aufwärtsbewegung beider Kryptowährungen gehen wir nicht davon aus, dass der Abwärtstrend bereits beendet ist. Das fundamentale Umfeld für den Kryptosektor bleibt schwach, und die Abwärtstrends bei Ether und Bitcoin sind weiterhin intakt. Wir sehen nach wie vor keine Grundlage für einen nachhaltigen Aufwärtstrend. Der Ausblick für Krypto hat sich zwar deutlich aufgehellt, dennoch warnen wir Trader, dass es sich um einen Pump oder eine Manipulation handeln könnte.

Wir möchten die Aufmerksamkeit der Trader zudem auf einen wichtigen Punkt lenken. Das US-Finanzministerium wird Rückkäufe von langlaufenden Anleihen erst ab dem 9. September ausweiten. Mit anderen Worten: Zusätzliche Liquidität wird den Markt frühestens in etwa 10 Tagen erreichen. Warum also sind Bitcoin und der breitere Kryptomarkt bereits im August gestiegen, obwohl noch keine zusätzliche Liquidität in die Märkte geflossen ist? Die Antwort lautet: Der Markt hat ein Ereignis vorweggenommen, das noch gar nicht stattgefunden hat. Neue Liquiditätsströme werden den Vermögenswert zweifellos unterstützen, doch dieser Anstieg könnte bereits erfolgt sein. Aus unserer Sicht könnte dieser Faktor bereits vollständig eingepreist sein. Oder steigt Bitcoin zunächst in Erwartung des Ereignisses – und dann ein zweites Mal bei der tatsächlichen Umsetzung?

Unterdessen erklärte Standard Chartered, Bitcoin könne vor Jahresende auf 126.000 US-Dollar zurückkehren und die Rally des Vermögenswerts könnte sich nach dem 6. Oktober beschleunigen. Geoff Kendrick, Leiter der Digital-Asset-Research-Abteilung, sagte, der jüngste Abschnitt des Bitcoin-Anstiegs sei vor allem durch Short-Covering getrieben worden, doch auch die Zuflüsse in Spot-ETFs hätten begonnen zuzunehmen. Zuvor hatte Kendrick sogar bezweifelt, dass selbst ein Kursziel von 100.000 US-Dollar im Jahr 2026 erreicht würde, nun ist sein Vertrauen gewachsen. Genau darauf haben wir wiederholt hingewiesen: Sobald Bitcoin auch nur einen halbwegs überzeugenden Anstieg zeigt, beginnen Experten sofort, einen Bullenmarkt und ein neues Allzeithoch zu prognostizieren.

Es sei zudem daran erinnert, dass die Bank zu Jahresbeginn ihre Prognose für 2026 von 150.000 auf 100.000 US-Dollar gesenkt hatte. Das unterstreicht erneut ein interessantes Muster: Steigt Bitcoin, steigen auch die Prognosen. Fällt Bitcoin, fallen die Prognosen ebenfalls. Sollte Bitcoin morgen wieder fallen, würden sich die Prognosen umgehend ändern. Außerdem weisen viele unabhängige Experten, die kein Eigeninteresse an einem unendlichen Bitcoin-Anstieg haben, darauf hin, dass der Vermögenswert durchaus noch einmal in die Zone von 50.000–60.000 US-Dollar pro Coin zurückkehren könnte, bevor ein neuer Bullenmarkt beginnt. Ebenfalls wird betont, dass der Bereich von 82.000–83.000 US-Dollar pro Coin einen starken Widerstand für Bitcoin darstellt.

Handelsempfehlungen für BTC/USD:

Bitcoin setzt trotz des kräftigen Anstiegs vor einer Woche weiterhin seinen Abwärtstrend fort. Wir rechnen nach wie vor mit einem Rückgang in Richtung 57.500 US-Dollar (dem 61,8%-Fibonacci-Niveau des dreijährigen Aufwärtstrends), auch wenn dieses Niveau im Grunde bereits angelaufen wurde. Dennoch glauben wir nicht, dass der Abwärtstrend dort beendet ist. Die aktuelle Aufwärtsbewegung der ersten Kryptowährung wirkt nur schwach wie eine Korrektur, was kein ausreichender Grund ist, um Long-Positionen zu eröffnen. Die aktuelle Bewegung erinnert eher an einen Pump. Liquidität könnte aus dem Hoch bei 82.850 US-Dollar „abgeholt“ werden, was einen Rückgang von Bitcoin auslösen und einen Übergang in eine Seitwärtsphase bestätigen könnte. Auf dem 4-Stunden-Chart ist eine neue Abwärtsbewegung ausgehend vom jüngsten bärischen FVG zu erwarten.

Handelsempfehlungen für ETH/USD:

Auf dem Tages-Chart hat sich das technische Bild innerhalb weniger Tage vollständig verändert. Ether könnte nun einen neuen Aufwärtstrend beginnen. Aktuell können sich Trader jedoch nur auf den Wochen-Chart stützen, auf dem Ether in Richtung 4.800 US-Dollar steigen könnte – diese Marke fungiert als obere Begrenzung eines fünfjährigen Seitwärtskanals. In jedem Fall muss sich der Markt beruhigen und neue, klarere Formationen ausbilden, bevor Positionen eröffnet werden. Auf dem Tages-Chart wurde das nächstgelegene bärische FVG bereits angelaufen, gehört jedoch zum vorherigen Trend. Sollte es zu einer Marktreaktion kommen, ist diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nur korrektiver Natur. Zudem stellen wir einen Liquiditätsabgriff über dem Hoch vom 17. April sowie einen weiteren Liquiditätsabgriff im 4-Stunden-Zeitrahmen fest. Bitcoin hat ebenfalls auf dem 4-Stunden-Chart Liquidität „abgeholt“. Damit deutet sich mindestens eine Korrektur an, auch wenn sich auf dem 4-Stunden-Chart bereits ein Flat gebildet hat.

Erklärungen zu den Abbildungen:

CHOCH – Bruch der Trendstruktur.

Liquidity – Liquidität, Stop-Losses und Pending Orders, die Market Maker zum Positionsaufbau nutzen.

FVG – Bereich der Preisineffizienz. Der Kurs durchläuft solche Zonen sehr schnell, was auf das vollständige Fehlen einer Marktseite hindeutet. Später neigt der Kurs dazu, in diese Bereiche zurückzukehren und daran im Sinne des Haupttrends zu reagieren.

IFVG – Inverted Fair Value Gap. Nach einer Rückkehr in einen solchen Bereich reagiert der Kurs nicht mit einer Umkehr, sondern bricht ihn impulsiv und testet ihn anschließend von der anderen Seite erneut.

OB – Order Block. Eine Kerze, in der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität abzugreifen und anschließend eine eigene Position in die entgegengesetzte Richtung aufzubauen.