Bitcoin und Ethereum haben einen schnellen Anstieg verzeichnet, der nun jedoch deutlich zu verblassen beginnt. Die Entscheidung des US-Finanzministeriums, das Volumen der Anleiherückkäufe zu erhöhen, löste einen Sprung am Kryptowährungsmarkt aus. Dennoch bleibt die Frage, wie lange dieser Effekt anhält, da er nur auf einem einzelnen unterstützenden Faktor beruht. Im Grunde handelte es sich um einen „Schwarzen Schwan“, der unerwartet aufgetaucht ist. Trotz des kräftigen Anstiegs beider Kryptowährungen gehen wir nicht davon aus, dass der Abwärtstrend beendet ist. Das fundamentale Umfeld für den Kryptosektor bleibt schwach, und die Abwärtstrends bei Ethereum und Bitcoin wurden bislang nicht gebrochen. Wir sehen nach wie vor keine Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum. Die Perspektiven für die Kryptoindustrie haben sich zwar deutlich aufgehellt, dennoch mahnen wir Trader zur Vorsicht: Es könnte sich um einen Pump oder um Manipulation handeln.
Unterdessen rief Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates und in der Kryptowelt für seine Aussagen und Prognosen bekannt, Anleger dazu auf, Staatsanleihen zu verkaufen und die Risiken im Portfolio vor dem Hintergrund der US-Schuldenkrise zu diversifizieren. Solche Ratschläge eines Milliardärs überraschen nicht, da die US-Schuldenkrise derzeit in aller Munde ist. Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass die enorme Verschuldung der Vereinigten Staaten nicht über Nacht entstanden ist, sondern sich über einen langen Zeitraum aufgebaut hat. Als Donald Trump sein zweites Amtszeitmandat antrat, lag sie bereits bei 37 Billionen US-Dollar. Trump schaffte es nahezu Unmögliches und erhöhte sie auf 40 Billionen US-Dollar. Gleichwohl ist der Unterschied zwischen 37 und 40 Billionen US-Dollar nicht sonderlich groß.
Das Problem besteht nun darin, dass nur wenige Anleger ohne die Ratschläge von Ray Dalio noch Interesse an langfristigen Staatsanleihen haben. Es ist offensichtlich, dass eine derart hohe Schuldenlast zu negativen Konsequenzen führen wird, und Donald Trumps Politik bleibt protektionistisch und stärker auf seine persönlichen Interessen ausgerichtet. Die US-Regierung muss allein für die Zinsen jährlich 1 Billion US-Dollar aufbringen. Damit besteht das Risiko, dass die Staatsverschuldung durch die reine Bedienung der Schulden weiter ansteigt und sich anschließend in geometrischer Progression entwickelt. Vor diesem Hintergrund verwundert ein solcher Rat wenig.
Offen bleibt die Frage, ob Bitcoin in wirtschaftlich schwierigen Zeiten tatsächlich das geeignete Instrument zur Kapitalerhaltung ist. Unserer Einschätzung nach wären bestimmte Investitionen in Bitcoin durchaus sinnvoll. Auch Herr Dalio empfiehlt, „ein wenig Bitcoin“ im Portfolio zu halten. Dennoch möchten wir daran erinnern, dass Investieren und Traden zwei verschiedene Dinge sind. Bitcoin könnte in diesem Jahr immer noch auf 50.000 US-Dollar fallen.
Bitcoin setzt ungeachtet des kräftigen Anstiegs in der Vorwoche weiterhin einen Abwärtstrend fort. Wir halten an unseren Erwartungen einer Abwärtsbewegung mit einem Ziel bei 57.500 US-Dollar fest (dem 61,8%-Fibonacci-Level aus einem dreijährigen Aufwärtstrend), wenngleich dieses Niveau im Grunde bereits getestet wurde. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass der Abwärtstrend beendet ist. Der aktuelle Anstieg der führenden Kryptowährung erinnert kaum an eine Korrektur, doch dies kann kein überzeugender Grund sein, Long-Positionen zu eröffnen. Die derzeitige Bewegung ähnelt eher einem Pump. Die Liquidität könnte vom Hoch bei 82.850 US-Dollar abgegriffen werden, was einen Rückgang der führenden Kryptowährung auslösen und den Übergang in eine Seitwärtsbewegung bestätigen könnte. Auf dem 4-Stunden-Chart wird eine neue Abwärtswelle aus dem letzten „bärischen“ FVG erwartet.
Auf dem Tages-Chart hat sich das technische Bild innerhalb weniger Tage vollständig verändert. Nun könnte Ethereum einen neuen Aufwärtstrend starten. Trader können sich jedoch nur auf den Wochenchart stützen, auf dem Ethereum ein Ziel bei 4.800 US-Dollar anvisieren könnte, was der oberen Begrenzung des fünfjährigen Seitwärtskanals entspricht. Auf dem Tages-Chart wurde das nächstgelegene „bärische“ FVG getestet, allerdings gehört dieses FVG zum vorherigen Trend. Sollte es eine Marktreaktion auslösen, dürfte diese eher korrektiver Natur sein. Außerdem verweisen wir auf die abgegriffene Liquidität vom Hoch am 17. April sowie auf die auf dem 4-Stunden-Chart genommene Liquidität. Auch Bitcoin hat auf dem 4-Stunden-Chart Liquidität abgegriffen. Somit deutet sich mindestens eine Korrektur an. Auf dem 4-Stunden-Chart von Ethereum hat sich allerdings bereits eine Seitwärtsphase (Flat) herausgebildet, und auch Bitcoin lässt sich mit dem Beginn seines Rückgangs Zeit.
Erläuterungen zu den ChartsCHOCH steht für Change of Character / Bruch der Trendstruktur. Liquidity bezeichnet die Stop-Loss-Orders von Tradern, die Market Maker zum Positionsaufbau nutzen. FVG ist ein Fair Value Gap (Bereich preislicher Ineffizienz). Der Kurs durchläuft solche Bereiche oft sehr schnell, was auf das Fehlen einer Marktseite hindeutet. Später neigt der Preis dazu, in diese Zonen zurückzukehren und darauf zu reagieren. IFVG steht für Inverted Fair Value Gap. Nach einer Rückkehr in eine solche Zone reagiert der Preis nicht, sondern bricht sie impulsiv und testet sie anschließend von der anderen Seite.
OB steht für Order Block. Eine Kerze, bei der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität abzuschöpfen und anschließend in die entgegengesetzte Richtung seine eigentliche Position aufzubauen.