Bitcoin und Ethereum haben einen rasanten Anstieg verzeichnet, der nun deutlich an Dynamik verliert. Die Entscheidung des US Treasury, das Volumen der Anleiherückkäufe zu erhöhen, löste eine Rally am Kryptowährungsmarkt aus, doch es bleibt die Frage, wie lange dieser Effekt anhält, da er auf nur einem stützenden Faktor beruht. Im Grunde handelte es sich um einen unerwartet eingetretenen „Black Swan“. Trotz des kräftigen Anstiegs beider Kryptowährungen gehen wir nicht davon aus, dass der Abwärtstrend bereits beendet ist. Das fundamentale Umfeld für den Kryptosektor bleibt schwach, und die Abwärtstrends sowohl bei Ethereum als auch bei Bitcoin sind weiterhin intakt. Wir sehen nach wie vor keine Grundlage für ein nachhaltiges Wachstum. Die Aussichten für den Kryptomarkt haben sich zwar deutlich aufgehellt, dennoch warnen wir Trader davor, dass es sich um einen Pump oder eine Manipulation handeln könnte.
Unterdessen erläuterte Caitlin Long, CEO von Custodia Bank, dass die jüngste Wachstumsphase am Kryptomarkt durch die Entscheidung des US Treasury ausgelöst wurde, die Rückkaufvolumina für langfristige Anleihen zu erhöhen – im Kern ein Versuch, die Zinsstrukturkurve der Wertpapiere zu steuern. Viele Experten haben bereits erklärt, dass eine Kontrolle der Zinsstrukturkurve eine sehr schlechte Idee sei, die kaum die gewünschten Ergebnisse bringen werde. Gleichwohl haben solche Maßnahmen des Treasury die Risikobereitschaft der Anleger deutlich erhöht. Long ist jedoch der Ansicht, dass fundamentale Faktoren und das technische Bild darauf hindeuten, dass der vierjährige Zyklus weiterhin läuft und sich die „Bären“-Phase folglich noch nicht dem Ende zuneigt.
Bemerkenswert ist, dass sich Frau Long mit konkreten Prognosen zu Bitcoin zurückhielt – was aus unserer Sicht ihre Besonnenheit und Unabhängigkeit unterstreicht. Viele Experten begannen sofort nach dem Kursanstieg von Bitcoin, neue Rekordstände in naher Zukunft auszurufen. Das schreckt Trader und Investoren eher ab – sowohl von den Experten als auch von deren Prognosen. Nach Ansicht dieser Experten wird Bitcoin ewig steigen, was an sich schon höchst fragwürdig erscheint. Unserer Einschätzung nach werden die straffe Geldpolitik der Fed, der Kapitalzufluss in den KI-Sektor und der nachlassende Zuspruch für Kryptoanlagen zugunsten von künstlicher Intelligenz verhindern, dass Bitcoin in diesem Jahr sein ATH (All-Time High) erneuert. Auch technisch erkennen wir keine Signale, dass der Abwärtstrend beendet wäre. Im Gegenteil: Im Wochenchart ist klar zu erkennen, dass der „Bären“-Trend weiterhin intakt ist.
Bitcoin setzt seinen Abwärtstrend fort, trotz des kräftigen Anstiegs in der Vorwoche. Wir halten an unserer Erwartung eines Rückgangs mit Ziel bei 57.500 US?Dollar fest (dem 61,8-%-Fibonacci-Level des dreijährigen Aufwärtstrends), auch wenn dieses Niveau im Grunde bereits getestet wurde. Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass der Abwärtstrend beendet ist. Der aktuelle Anstieg der führenden Kryptowährung erinnert kaum an eine Korrektur, liefert aber auch keinen überzeugenden Grund, Long-Positionen zu eröffnen. Die aktuelle Bewegung ähnelt am ehesten einem Pump. Die Liquidität könnte vom Hoch bei 82.850 US?Dollar abgegriffen werden, was einen Rückgang der Leitwährung auslösen und einen Übergang in eine Seitwärtsphase bestätigen könnte. Im 4-Stunden-Chart erwarten wir eine neue Abwärtswelle aus dem letzten „bearishen“ FVG heraus.
Im Tageschart hat sich das technische Bild innerhalb weniger Tage komplett verändert. Ethereum könnte nun einen neuen Aufwärtstrend beginnen. Aktuell können Trader ihre Entscheidungen jedoch nur auf den Wochenchart stützen, in dem Ethereum ein Ziel bei 4.800 US?Dollar ansteuern könnte – die obere Begrenzung des seit fünf Jahren bestehenden Seitwärtskanals. Im Tageschart wurde das nächstliegende „bearishe“ FVG bereits getestet, allerdings gehört dieses FVG noch zum vorherigen Trend. Sollte es zu einer Marktreaktion führen, dürfte diese eher korrektiver Natur sein. Zudem verweisen wir auf die abgegriffene Liquidität am Hoch vom 17. April sowie die Liquiditätsnahme im 4-Stunden-Chart. Auch Bitcoin hat im 4-Stunden-Chart Liquidität abgeholt. Somit deutet sich mindestens eine Korrektur an, doch im 4-Stunden-Chart von Ethereum beobachten wir eine Seitwärtsphase, und auch Bitcoin lässt sich mit dem Beginn eines Rückgangs noch Zeit.
Anmerkungen zu den ChartsCHOCH steht für Change of Character / Bruch der Trendstruktur. Liquidity bezeichnet die Stop?Loss?Orders der Trader, die von Market Makern genutzt werden, um ihre Positionen aufzubauen. FVG ist ein Fair Value Gap (Bereich der Preisineffizienz). Der Kurs durchläuft solche Zonen häufig sehr schnell, was auf die Abwesenheit einer Marktseite hindeutet. Später neigt der Kurs dazu, in diese Bereiche zurückzukehren und dort zu reagieren. IFVG steht für Inverted Fair Value Gap. Nach einer Rückkehr in eine solche Zone reagiert der Kurs nicht mit einer Umkehr, sondern bricht sie impulsiv und testet sie anschließend von der Gegenseite.
OB bedeutet Order Block. Eine Kerze, in der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität einzusammeln und anschließend in die entgegengesetzte Richtung eine eigene Position aufzubauen.