Der Referenzpreis für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) setzte seinen Anstieg gestern fort und markierte heute ein Septemberhoch. Nach einer kurzen Korrektur scheint der Preis bereit, seine Aufwärtsbewegung im Umfeld zunehmender Spannungen zwischen den USA und Iran wieder aufzunehmen.
In den jüngsten Entwicklungen der Krise im Nahen Osten griffen US-Streitkräfte Stellungen der Islamischen Revolutionsgarde an, als Reaktion auf Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus und auf Aktionen gegen US-Personal in der Region. Iran wiederum meldete groß angelegte Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Ziele in Jordanien und den VAE. Diese Situation verdeutlicht die Risiken für die Handelsschifffahrt in diesem Gebiet und schürt Angebotsängste, was sich positiv auf die Ölpreise auswirkt.
Die Spannungen zwischen den USA und Iran unterstreichen die Fragilität von Energieabkommen. Strategen von TD Securities weisen darauf hin, dass die jüngste Eskalation eindrücklich vor Augen führt, wie brüchig Abkommen oder Memoranda of Understanding weiterhin sind. Sie betonen, dass die wieder aufgeflammte Konfrontation Schwachstellen in den aktuellen Vereinbarungen rund um zentrale energiepolitische Engpässe offenlegt und dass – selbst bei erhöhten Transportmengen über von den USA unterstützte Korridore – die Frage nach einer Risikoprämie auf den Energiemärkten bestehen bleibt.
Zusätzlich hat Russlands Entscheidung vom Sonntag, das Exportverbot für Dieselkraftstoff bis zum 30. September zu verlängern, die Sorge um die Versorgung mit raffinierten Produkten verstärkt und trägt so ebenfalls zu einem Aufwärtsdruck auf die Ölpreise bei. US-Präsident Donald Trump kündigte unterdessen an, dass das im Rahmen eines kürzlich verkündeten Venezuela-Abkommens vorgesehene Öl zum Wiederauffüllen der Strategischen Erdölreserve verwendet werden soll. Damit bleiben Zeitpunkt und Umfang zusätzlicher Lieferungen aus dem Venezuela-Abkommen ungewiss, was einen konstruktiven Ausblick für die Ölpreise stützt.
Aus technischer Sicht behält der US-Benchmark WTI-Rohöl nach dem Ausbruch über den 100‑Tage‑Simple Moving Average (SMA) und die runde Marke von 87,00 US‑Dollar einen bullischen Bias bei. Rückläufe zu diesen Unterstützungsniveaus dürften auf Kaufinteresse stoßen. Der Widerstand liegt an der runden Marke von 91,00 US‑Dollar, wobei das Julihoch eine weiter entfernte Barriere darstellt. Die Oszillatoren sind positiv und bestätigen den Vorteil der Bullen am Markt. Der Weg des geringsten Widerstands zeigt daher nach oben, und jede Korrektur ist als Kaufgelegenheit zu betrachten.