Der Markt findet kurzzeitig Entlastung

Der Morgen bringt Weisheit. Zumindest war das beim S&P 500 der Fall. Der breite Index beendete seine dreitägige Verlustserie und schloss im Plus, wobei 10 von 11 Sektoren im grünen Bereich lagen. Rohstoffe und Kommunikationsdienstleistungen führten die Aufwärtsbewegung an; nur der Immobiliensektor gab nach. Der unmittelbare Auslöser für den Optimismus war einfach: Der Ölpreisanstieg kam zum Stillstand, was die Inflationssorgen dämpfte. Bis dahin hatte die Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran über die Kontrolle der Straße von Hormus den Brent-Preis nach oben getrieben und die Anleger verunsichert.

Tägliche Performance des S&P 500

Unter den grünen Schlagzeilen wirkt der Markt jedoch deutlich vorsichtiger. Der S&P 500 hat nun 25 Handelstage ohne einen Rückgang von mindestens 1% hinter sich – eine ungewöhnlich lange Phase seit Mitte Mai – und notiert weniger als 2% unter seinem Allzeithoch. Gleichzeitig verengt sich die Marktbreite erneut: Der Index hält seine Gewinne, doch immer weniger Aktien treiben ihn tatsächlich nach oben. Unterdessen weist das von JP Morgan geschätzte „Fast Money“ das geringste Richtungsrisiko seit dem „Liberation Day“ im April 2025 auf.

Die eigentliche Bedrohung geht derzeit nicht von Aktien, sondern von Anleihen aus. Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen, und die Rendite der 10?jährigen US?Staatsanleihe nähert sich der psychologisch wichtigen Marke von 5% – einer Schwelle, die traditionell als giftig für Aktien gilt. Die 30?jährige Rendite liegt auf dem höchsten Stand seit 19 Jahren.

Performance des S&P 500 und der Marktbreitenindikatoren

Die 5%-Marke ist psychologisch bedeutsam, und JP Morgan warnt, dass es zu einer reflexartigen Reaktion im S&P 500 kommen könnte, falls sie unterschritten wird. Eine Korrektur von 5–8% im Vorfeld der US‑Midterms ist plausibel. Am wahrscheinlichsten wäre dies jedoch ein gesunder Rücksetzer und kein struktureller Bruch.

Signale vom Arbeitsmarkt verstärken die Unruhe. ADP-Daten zeigen, dass die Beschäftigung im privaten Sektor im August nur um 38.000 Stellen gestiegen ist, nach revidierten 46.000 im Vormonat und unter der Konsensschätzung von 47.000. Das ist der geringste monatliche Zuwachs in diesem Jahr. Anleger richten ihren Blick nun auf den BLS-Bericht am Freitag, der das Risiko birgt, schwächer als erwartet auszufallen.

Zweifel gibt es daran, ob die Unternehmensgewinne, die im letzten Quartal in den USA um etwa 30% und in Europa um 15% gestiegen sind, dieses Tempo halten können. Dennoch wirkt die Breite des Gewinnwachstums, getragen von Finanzwerten, Industrie und Versorgern, gesünder als eine Rally, die sich ausschließlich auf Tech konzentriert.

JP Morgan sieht weiterhin den Capex-Superzyklus als Haupttreiber des Gewinnsuperzyklus, wobei die USA die bevorzugte Region bleiben. Die Frage ist, ob Aktien einem Treasury-Zins von 5 % standhalten können, falls dieses Niveau nachhaltig überschritten wird.

Aus technischer Sicht hat der S&P 500 auf dem Tageschart einen Fehlausbruch aus dem 1?2?3-Korrekturtief verzeichnet. Das Muster kann sich dennoch voll ausbilden und eine Korrektur auslösen. Dafür wäre ein Rückgang unter 7.610 erforderlich, was ein Verkaufssignal darstellen würde. Umgekehrt wäre ein erfolgreicher Anstieg über 7.685 ein Kaufsignal.