EUR/USD. ISM Services: Der Teufel steckt im Detail

Der am Donnerstag veröffentlichte ISM-Index für den Dienstleistungssektor hat sich aus dem allgemeinen Muster "herausgelöst" und landete im grünen Bereich. Alle anderen wichtigen makroökonomischen Indikatoren blieben hinter den Prognosen zurück. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, die JOLTS- und die ADP-Berichte rutschten in den roten Bereich und erhöhten den Druck auf den Greenback.

Der ISM Services für August fiel in der Tat recht robust aus. Und wäre da nicht eine Reihe signifikanter Begleitmängel (auf die wir im Folgenden eingehen werden), hätte die Veröffentlichung den Greenback unterstützt. Wie wir jedoch schon mehrfach gesehen haben, steckt der Teufel im Detail. ISM Services bildete hier leider keine Ausnahme.

Der Hauptindex – der Dienstleistungs-Geschäftsaktivitätsindex – ist im August von 54,1 Punkten im Juli auf 55,4 Punkte gestiegen. Die meisten Analysten hatten nur mit einem moderaten Anstieg auf 54,3 gerechnet. Der Indikator befindet sich nun seit 26 Monaten in Folge im Expansionsbereich. Der Subindex für die Geschäftstätigkeit sprang von 59,1 auf 61,7 Punkte, während der Subindex für neue Aufträge auf 60,9 (nach 57,2) zulegte. Neue Aufträge wachsen damit seit 15 Monaten in Folge und haben den höchsten Stand seit Februar 2023 erreicht.

All dies deutet darauf hin, dass die inländische Nachfrage im Dienstleistungssektor weiterhin recht robust ist und dass die US-Wirtschaft insgesamt weiter expandiert.

Es gibt jedoch auch eine Kehrseite der Medaille. Die schwächste Komponente des Berichts war der Beschäftigungsbereich. Die Subkomponente Beschäftigungsindex blieb den zweiten Monat in Folge unter der wichtigen 50-Punkte-Marke und lag im August bei 47,8 (47,4 im Juli). Der Indikator notiert damit weiterhin unter seinem 12-Monats-Durchschnitt von 48,8 Punkten. Mit anderen Worten: Der Dienstleistungssektor baut weiterhin Stellen ab, obwohl sich die Geschäftstätigkeit und die neuen Aufträge deutlich verbessert haben.

Der US-Arbeitsmarkt wirkt selbst dort schwach, wo das wirtschaftliche Aktivitätsniveau relativ hoch bleibt.

Vor diesem Hintergrund sollte der ISM Services mit früher veröffentlichten Makrodaten verglichen werden. So ist beispielsweise auch die Beschäftigungskomponente des Manufacturing ISM gefallen – von 52,8 auf 51,2 Punkte. Gleichzeitig gingen die neuen Aufträge um drei Punkte auf 53,7 zurück, und die Auftragsbestände sanken auf 51,8.

Auch der JOLTS-Bericht lieferte keinen Anlass zu Optimismus: Die offenen Stellen lagen im Juli mit 7,27 Millionen nahezu unverändert, während die Neueinstellungen bei 5,1 Millionen verharrten. Das bedeutet, dass der Arbeitsmarkt im Modus „wenig Einstellungen – wenig Entlassungen“ arbeitet. Unternehmen beeilen sich nicht, Mitarbeiter zu entlassen, weiten ihre Belegschaften aber auch deutlich weniger aktiv aus. Der ADP-Bericht verschärfte dieses Bild zusätzlich: Dem August-Bericht zufolge schuf der US-Privatsektor im vergangenen Monat lediglich 38.000 neue Stellen (bei einer ohnehin schwachen Prognose von 47.000). Dies ist das schlechteste Ergebnis seit Januar.

Damit vermittelten drei unterschiedliche Quellen – ISM, JOLTS und ADP – im Wesentlichen dieselbe Botschaft. Von einem Zusammenbruch des Arbeitsmarktes kann zwar noch nicht gesprochen werden, doch die Dynamik hat ihren früheren Schwung eindeutig verloren. Unter diesen Bedingungen gewinnt dieser Faktor besondere Bedeutung, da die Federal Reserve nun die Inflationsrisiken gegen zunehmend sichtbare Anzeichen einer Abkühlung am Arbeitsmarkt abwägen muss.

Mit anderen Worten: Der ISM Services für August kann nicht eindeutig als „hawkish“ bezeichnet werden. Ja, die Dienstleistungswirtschaft beschleunigt sich tatsächlich. Doch das Wachstum der Geschäftstätigkeit schlägt sich nicht in einem entsprechenden Anstieg der Beschäftigung nieder. Der Bericht signalisiert daher gleichzeitig eine starke Nachfrage und einen schwachen Arbeitsmarkt. Aus diesem Grund konnten die Verkäufer von EUR/USD die Veröffentlichung vom Donnerstag nicht zu ihren Gunsten interpretieren.

Zumal der Dollar nach einer Rede von Fed-Gouverneur Christopher Waller zusätzlich unter Druck geriet. Anders als die „hawkish“ getönte Rhetorik von Kevin Warsh in Jackson Hole verfolgte Waller einen weicheren Kurs. Er sagte, dass er bereit sei, bei der Sitzung im September eine Pause zu unterstützen, falls sich die Inflation im August weiter verlangsamt. Diese Rhetorik wirkte wie eine „kalte Dusche“. Zur Erinnerung: In Jackson Hole hatte der Fed-Vorsitzende erklärt, dass die Zentralbank ihre Geldpolitik weiter straffen müsse, falls es keine überzeugenden Fortschritte bei der Inflation gebe. Nach diesen Äußerungen stieg am Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September deutlich an. Am Donnerstag brachte einer der einflussreichsten Vertreter der Fed das alternative Szenario – eine Pause – faktisch wieder auf die Tagesordnung.

Natürlich wird vieles von den am Freitag anstehenden Nonfarm Payrolls für August abhängen. Sollte der offizielle US-Arbeitsmarktbericht enttäuschen, würden Wallers verbale Signale „in neuem Licht erscheinen“ und der Greenback geriete zusätzlich unter Druck. Den vorläufigen Signalen nach (schwacher ADP, verhaltene Neueinstellungen laut JOLTS und rückläufige Beschäftigung im ISM Services) erscheint dieses Ergebnis durchaus möglich.

Aus technischer Sicht testet das Währungspaar derzeit den Widerstand bei 1,1630, was der Tenkan-sen-Linie im D1-Zeitrahmen entspricht. Wird dieses Niveau nach oben durchbrochen, würde der Ichimoku-Indikator ein bullishes „Parade of Lines“-Signal ausbilden. Zudem würde sich der Kurs dann zwischen dem mittleren und dem oberen Bollinger Band bewegen, was ebenfalls auf ein Übergewicht von Long-Positionen hindeutet. Das nächste nördliche Ziel liegt bei 1,1660 (der oberen Grenze der Kumo-Wolke im H4-Chart). Das Hauptziel befindet sich bei 1,1710 (dem oberen Bollinger Band im D1-Zeitrahmen), dessen Erreichen allerdings von der „Farbe“ der NFP-Daten für August abhängen dürfte.