Die Veröffentlichung des Erzeugerpreisindex war die erste von zwei wichtigen Inflationskennzahlen in dieser Woche. Der Bericht fiel gemischt aus: Die jährliche Entwicklung des PPI-Gesamtindex zog deutlich an, aber die Kernkomponenten zeigten keine neue Ausweitung des Preisdrucks. Deshalb fiel die Marktreaktion relativ verhalten aus.
Auf Monatsbasis stieg der gesamte Produzentenpreisindex im August um 0,4 %, nach einem moderaten Anstieg von 0,1 % im Vormonat. Im Jahresvergleich beschleunigte sich der Wert von 4,8 % deutlich auf 5,4 % und übertraf damit die Markterwartung von 5,3 %.
Auf den ersten Blick wirken diese Zahlen klar restriktiv. Die Zusammensetzung des Berichts zeigt jedoch, dass ein wesentlicher Teil der Beschleunigung im August auf den Energiesektor zurückzuführen ist – und nicht auf breit angelegte, anhaltende Preissteigerungen.
Der wichtigste Treiber waren Güter der Endnachfrage, deren Preise im Monatsvergleich um 1,1 % anzogen. In dieser Kategorie stieg die Energiekomponente um 4,2 %. Besonders auffällig war Diesel, das um rund 24 % zulegte und damit mehr als ein Drittel des monatlichen Anstiegs bei den Gütern der Endnachfrage ausmachte. Auch Benzin, Flugbenzin und Heizöl verteuerten sich.
Mit anderen Worten: Der Hauptimpuls für die Inflation im August kam aus dem Energiesegment, das traditionell zu den volatilsten Komponenten gehört.
Ein unerwarteter Dämpfer im Bericht war der Dienstleistungssektor. Dort stiegen die Preise lediglich um 0,1 % im Monatsvergleich. Der Anstieg ging vor allem auf Transport und Lagerhaltung zurück, wo die Preise um 2,3 % zulegten, während die Handelsspanne (trade services) tatsächlich um 0,2 % sank. Die Preise der Endnachfrage ohne Lebensmittel, Energie und Handelsspannen stiegen um 0,3 % gegenüber dem Vormonat, nach einem Plus von 0,4 % im Juli.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Kern-PPI, der Nahrungsmittel und Energie ausklammert. Im August verlangsamte er sich leicht auf 0,2 % im Monatsvergleich, nach einem Anstieg um 0,3 % im Juli (Konsensschätzung: 0,3 %). Im Jahresvergleich lag der Kern-PPI im Rahmen der Prognosen und stieg auf 4,6 % (nach zuvor 4,3 %). Ja, einerseits liegt das deutlich über der Zielspanne der Fed, andererseits deuten die aktuellen Dynamiken nicht auf eine starke Verschärfung des fundamentalen Inflationsdrucks hin. Zudem bleibt die Produktionskette stark von Energie abhängig: Die Preise für verarbeitete Vorleistungsgüter stiegen um 1,8 %, wobei mehr als 80 % dieses Anstiegs auf Energie entfielen, und Diesel machte fast zwei Drittel der Zunahme aus.
Der PPI ist kein direktes Pendant zur Verbraucherpreisinflation. Die Preise auf Produzentenebene erzeugen lediglich potenziellen Druck auf die Endpreise, und nicht jede Kostenveränderung wird an die Verbraucher weitergegeben. Für die Federal Reserve ist insbesondere die Wiederholbarkeit der Bewegung und ihre Breite über viele Kategorien hinweg entscheidend. Der PPI-Bericht für August lässt nicht den Schluss zu, dass sich die Preisbeschleunigung bereits selbst trägt.
Trotzdem kann die Veröffentlichung nicht völlig ignoriert werden. Der Anstieg des gesamten PPI auf 5,4 % im Jahresvergleich zeigt eine spürbare Verstärkung des Inflationsumfelds, und die Beschleunigung der Preise für Vorleistungsgüter „erinnert“ daran, dass sich der Energieschock durch die Produktionskette fortpflanzen kann. Sollten sich solche Dynamiken fortsetzen und in die Verbraucherpreise durchschlagen, würden sich restriktive Erwartungen hinsichtlich weiterer Maßnahmen der Fed deutlich verstärken.
Daher wird der am Freitag anstehende CPI ein echter Test für das Inflationssignal sein. Bei der Festlegung der künftigen Zinspolitik reagiert die Fed nicht auf einen einzelnen, volatilen Preissprung bei Kraftstoffen, sondern betrachtet die Persistenz der Inflation, bereinigt um die volatilsten Komponenten. Die Daten vom Donnerstag allein sind also keine ausreichende Grundlage für eine starke Revision der Erwartungen zur Geldpolitik. Und obwohl der gesamte PPI tatsächlich ins Auge sticht, sprechen die Kernindikatoren eher für Vorsicht, als dass sie eine neue anhaltende (das ist das Schlüsselwort) Inflationswelle signalisieren.
Das erklärt offenbar auch den verhaltenen Verkaufsdruck auf EUR/USD. Nach dem Bericht fiel das Währungspaar kurzzeitig in Richtung 1,16, doch es gelang den Bären nicht, einen nennenswerten Abwärtsimpuls zu entfalten. Die Notierungen verbleiben in der Spanne von 1,1600–1,1650, in der EUR/USD die gesamte Woche über gehandelt wurde. Der Markt erhielt im Kern keinen ausreichend starken Impuls vom PPI – weder für eine dauerhafte Wende zugunsten des Dollars noch für eine fortgesetzte Aufwertung des Euro.
Unter diesen Umständen bleibt das Eingehen von Short-Positionen in EUR/USD recht risikoreich: Das fundamentale Umfeld ist für das Währungspaar nicht eindeutig bärisch geworden. Für endgültige Schlussfolgerungen ist es jedoch noch zu früh. Am Freitag, dem 11. September, wird der US-CPI für August veröffentlicht – ein wichtigerer Inflationsindikator für den Greenback. Dieser Bericht dürfte schließlich den Ausschlag geben: entweder zugunsten des Dollars (falls sich der Kerndruck verstärkt) oder gegen ihn, falls sich die moderaten Kerninflationsdynamiken bestätigen.