Der Markt fürchtet seinen eigenen Schatten

Der Aktienmarkt erlebt ein Déjà-vu vom August 2024. Damals traf eine Zinserhöhung der BOJ auf schwache US-Arbeitsmarktdaten, und Anleger eilten, Positionen aufzulösen, die zuvor günstig in Yen finanziert worden waren. In der Folge stürzte der Nikkei an einem einzigen Handelstag um 12% ab – der größte Tagesverlust seit 1987 – und zog den S&P 500 sowie Bitcoin mit nach unten. Heute verzeichnen die US-Aktienindizes bereits den vierten Verlusttag in Folge, die längste Serie seit Juni, und an der Wall Street werden die historischen Parallelen zunehmend gezogen.

Entwicklung der Aktienindizes

Diesmal sind es die unaufhaltsamen Ölpreisanstiege und neue Hinweise auf hartnäckige Inflation, die den Ausschlag geben. Der Erzeugerpreisindex stieg im August um 0,4 % gegenüber dem Vormonat und erreichte damit den höchsten Wert seit Mai. EZB-Präsidentin Christine Lagarde gab zudem eine restriktive Warnung aus, wonach die Inflation im Euroraum bis 2028 deutlich über dem 2 %-Ziel bleiben wird. Beide Signale deuten darauf hin, dass der globale Straffungszyklus der Zentralbanken noch nicht beendet ist, was Risikoanlagen kurzfristig kaum Unterstützung bietet.

Die Renditen von US-Staatsanleihen sprangen erneut nach oben – ausgelöst durch den Ölpreisschub, einen starken Wert bei den Großhandelspreisen und das Versprechen von US-Präsident Donald Trump, den Amerikanern Schecks über 5.000 US?Dollar zu schicken, falls die Republikaner den Kongress halten – ein Versprechen, das das Haushaltsdefizit um mehr als 1 Billion US?Dollar erhöhen würde. Infrastructure Capital Advisors warnt, dass die Rally der Treasury-Renditen eindeutig negativ für Aktien ist. Höhere Zinsen erhöhen nicht nur die Finanzierungskosten, sondern ziehen auch Kapital aus riskanteren Aktien hin zu sichereren Anleihen ab.

Yen und Dynamik von Währungsinterventionen

KBC Securities sieht die größte Bedrohung für die Märkte jedoch nicht in Anleihen, sondern im Yen. Er ist der Indikator, den das Unternehmen als Warnsignal für globale Aktienmärkte genau im Blick behält. Analysten verweisen auf nach wie vor erhöhte spekulative Positionierungen.

Eine rasche Auflösung von Carry Trades könnte Fonds dazu zwingen, die liquidesten Anlagen mit der höchsten Rendite für Bargeld zu verkaufen – was die Technologiewerte, die die Rally des S&P 500 in diesem Jahr getragen haben, sowie Kryptowährungen am stärksten treffen würde. Genau diese Anlagen hatten im Jahr 2024 die größten Verluste erlitten.

Investoren setzen ihre Hoffnungen nun auf den CPI-Bericht am Freitag. Händler haben die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed im September bereits auf etwa 70% nach oben getrieben und preisen bis Oktober weitere Straffungen ein. Damit sich Aktien erholen können, müssen die Renditen und der Ölpreis zurückkommen. Ein schwacher CPI ist wohl das einzige Szenario, das dies ermöglichen würde.

Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart, dass der S&P 500 sowohl ein sich verengendes Keilmuster als auch ein 1‑2‑3‑Pattern vollendet. Short-Positionen, die bei 7.675 eröffnet wurden, sollten gehalten und gelegentlich aufgestockt werden. Wichtige Kursziele sind 7.520 und 7.460.