EUR/USD. Wochenausblick. Ruhe vor dem Sturm: Das letzte Wort hat die Fed

Nach der vergangenen Woche gelang es den Händlern im EUR/USD nicht, sich auf eine klare Kursrichtung festzulegen. Das Währungspaar beendete die Sitzung am Freitag nahe der Marke von 1,16. Die wichtigsten Ereignisse der Woche – die Septembersitzung der European Central Bank und die Veröffentlichungen zu den US-Verbraucher- und Produzentenpreisen (CPI/PPI) – „entfalten“ keine Wirkung und konnten keinen nachhaltigen Kursimpuls auslösen. Die EZB erwies sich für die Käufer als „nicht ausreichend hawkish“, während die US-Inflationsdaten – trotz eines insgesamt stärkeren Preisdrucks – weitgehend im Rahmen der Prognosen lagen. Zudem konzentrierte sich der Großteil der Inflationsbeschleunigung auf den Energiebereich, während die Kernraten eine deutlich moderatere Dynamik aufwiesen (beispielsweise verlangsamte sich der Kern-PPI im Monatsvergleich sogar).

Infolgedessen konnten die EUR/USD-Käufer den Bereich um 1,17 nicht erreichen, und die Verkäufer wiederum keinen Tagesschlusskurs unter der Unterstützung bei 1,1570 sichern (untere Linie der Bollinger Bands im Tageschart). Daher richtet sich nun die gesamte Aufmerksamkeit des Marktes auf die Fed-Sitzung im September am 15.–16. September. Vor dem aktuellen fundamentalen Hintergrund könnte die Fed im Ringen zwischen EUR/USD-Käufern und -Verkäufern als eine Art „Schiedsrichter“ auftreten.

Dem CME FedWatch Tool zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts um 25 Basispunkte bei der September-Sitzung derzeit bei 87 %. Gleichzeitig steigen die hawkischen Erwartungen hinsichtlich weiterer Schritte der Fed – die Chance auf eine zusätzliche Anhebung bis zum Jahresende wird auf ungefähr 50 % geschätzt.

Auf den ersten Blick spricht diese aktuelle Verteilung der Zinserwartungen klar gegen EUR/USD. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite. Überhöhte Erwartungen der Marktteilnehmer können sich gegen den Dollar richten, wenn die Notenbank diese Hoffnungen „nicht erfüllt“. Für eine anhaltende weitere Dollarstärke braucht es mehr als nur eine einzelne Zinserhöhung im September. Den Daten von CME FedWatch nach ist der Markt auf diesen ersten Schritt bereits eingestellt. Entscheidende Unterstützung für den Greenback kommt daher nicht nur vom Beschluss selbst, sondern von den anschließenden Signalen. Die Fed muss entweder klar ihre Bereitschaft zu weiterer Straffung signalisieren oder zumindest den Spielraum dafür offenlassen.

Wird die Fed transparent andeuten, dass sie den Zinserhöhungszyklus fortsetzen will? Das ist nach wie vor offen. Meines Erachtens ist dies das Hauptrisiko für EUR/USD-Verkäufer. Angesichts der tatsächlich erhöhten Inflation fallen andere Elemente des makroökonomischen Bildes deutlich weniger eindeutig aus.

Ja, einerseits war der NFP-Bericht für August recht solide: Die US-Wirtschaft schuf 162.000 neue Stellen, und die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,1 %. Allerdings stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne nur um 0,3 % im Monatsvergleich und um 3,1 % im Jahresvergleich. Das zeigt, dass die Lohnkomponente – ein pro-inflationärer Indikator – nicht an Fahrt gewinnt.

Auch die Beschäftigungskomponenten in Unternehmensumfragen werfen Fragen auf. Im ISM für das verarbeitende Gewerbe fiel der Beschäftigungsindex von 52,8 auf 51,2. Auf der Dienstleistungsseite sieht es noch schwächer aus: Der entsprechende Subindex lag lediglich bei 47,8 und damit den zweiten Monat in Folge im Schrumpfungsbereich. Gleichzeitig befindet sich der Gesamtindex weiter im Expansionsbereich und zeigt eine Aufwärtsdynamik. Mit anderen Worten: Es handelt sich nicht um eine Rezessionsgeschichte, sondern um eine Schwäche bei den Neueinstellungen bei weiterhin laufender Geschäftstätigkeit.

Schließlich darf man die Wachstumsraten nicht ausblenden. Laut zweiter Schätzung stieg das US-BIP im zweiten Quartal nur um 1,5 % im Jahresvergleich, nach einem Zuwachs von 2,1 % im Vorquartal. Das ist zwar keineswegs ein Rezessionsszenario, doch die Kombination aus anziehender Inflation und nachlassender konjunktureller Dynamik birgt ein hypothetisches Stagflationsrisiko.

Mit anderen Worten: Auf der einen Seite der Waage stehen Inflation und ein Energieschock, auf der anderen Seite ein nachlassendes Wirtschaftswachstum und gemischte Signale vom Arbeitsmarkt.

Unter diesen fundamentalen Rahmenbedingungen ist es eher unwahrscheinlich, dass die Fed eine „ultra-hawkische“ Haltung einnimmt (eine Zinserhöhung plus klare Hinweise auf weitere Straffung). Meiner Ansicht nach ist ein moderat hawkisches Vorgehen am wahrscheinlichsten (eine Zinserhöhung plus vorsichtige Kommentare). Ein solches Ergebnis könnte erheblichen Druck auf den Dollar ausüben. Der Markt ist in seinen Erwartungen bereits sehr weit gegangen: Für einen neuen Impuls zugunsten des Greenback müsste die Fed ein stärkeres Signal liefern, als momentan eingepreist ist.

Was die Makrodaten in der kommenden Woche angeht, sollte man die ZEW-Indizes im Blick behalten. Nach der Zinserhöhung auf ihrer September-Sitzung hat die EZB die Tür für weitere Straffung im Grunde offen gelassen, zugleich aber betont, dass die Entscheidungen von den hereinkommenden Daten abhängen. Deshalb wird nun nahezu jeder wichtige Makrobericht aus dem Euroraum durch dieses Prisma bewertet. Die ZEW-Indizes bilden hier keine Ausnahme.

Zur Erinnerung: Die August-Daten fielen recht robust aus: Der deutsche Index stieg auf 34,2 (nach 26,3 im Vormonat), und der Index für den Euroraum legte von 23,4 auf 31,4 zu.

Die meisten Analysten erwarten, dass die ZEW-Indizes im September nachgeben: Für den deutschen Index wird ein Rückgang auf etwa 21 prognostiziert, für den Euroraum-Index auf rund 19.

Ein solches Ergebnis wäre jedoch nicht zwangsläufig ein „Urteil“ gegen den Euro. Man denke an die jüngsten PMI-Daten, die ein eher optimistisches Bild zeichneten: Der Composite PMI für den Euroraum stieg im August auf 52,1, der Index für das verarbeitende Gewerbe auf 52,8, und die Beschäftigung kehrte erstmals seit Jahresbeginn wieder ins Wachstum zurück. Bleibt der ZEW im September zwar unter dem August-Wert, aber im positiven Bereich (also über null), dürfte der Markt dies eher als Korrektur übermäßig optimistischer Erwartungen werten und nicht als Signal für eine neue Welle wirtschaftlicher Probleme.

Mit anderen Worten: Starke ZEW-Daten für September könnten dem Euro kurzfristige Unterstützung geben, während ein schwacher ZEW kaum ausreichen dürfte, um die Erwartungen an weitere Schritte der EZB grundlegend zu revidieren.

Daraus folgt: Das Schicksal von EUR/USD hängt in der kommenden Woche fast vollständig von der Fed ab. Die Zinserhöhung im September ist weitgehend eingepreist, daher wird der Tonfall der begleitenden Fed-Kommunikation und die Hinweise auf die nächsten Schritte ausschlaggebend sein. Bis zur Veröffentlichung des Fed-Statements dürfte das Währungspaar höchstwahrscheinlich weiter in einer Spanne zwischen 1,1570 und 1,1650 handeln (untere Linie der Bollinger Bands im Tageschart – obere Linie der Bollinger Bands im 4-Stunden-Chart). Die anschließige Kursrichtung wird davon abhängen, wie sich die Fed in ihrer Rolle als „Schiedsrichter“ positioniert.