Am Dienstag, zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts, wird XAG/USD bei rund 63,76 $ gehandelt. Das weiße Metall versucht, Stabilität zu finden, da sich Anleger vor der geldpolitischen Entscheidung der Federal Reserve am Mittwoch mit größeren Positionsaufbauten zurückhalten. Der Ausblick für Silber bleibt angesichts eines stärkeren US-Dollars und steigender Treasury-Renditen schwierig. Höhere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten für nicht verzinsliche Anlagen wie Edelmetalle, was die Erholungsversuche von XAG/USD bremsen kann.
Die Renditen steigen auch in anderen großen Volkswirtschaften, da der Energieschock infolge des Konflikts im Nahen Osten die Inflationssorgen neu entfacht. Höhere Ölpreise zwingen die Zentralbanken, die Inflation wieder in Richtung Zielwert zu bringen. In den USA stieg der Verbraucherpreisindex (CPI) im August im Jahresvergleich um 3,4 %, während der Produzentenpreisindex (PPI) von 4,8 % im Juli auf 5,4 % anzog. Diese Daten, zusammen mit jüngsten Kommentaren der Fed zur Notwendigkeit, den Inflationsdruck einzudämmen, haben die Erwartungen einer Zinserhöhung am Mittwoch verstärkt.
Allerdings scheint ein Großteil des Risikos im Zusammenhang mit einem möglichen weiteren Straffungsschritt der Fed bereits eingepreist zu sein. Daher dürfte die Aufmerksamkeit vor allem den aktualisierten Wirtschaftsprognosen der Fed und den Äußerungen von Vorsitzendem Kevin Warsh zum künftigen Zinspfad gelten.
Silber könnte unter Druck bleiben, falls die Fed signalisiert, dass die Zinserhöhung im September den Beginn eines längeren Straffungszyklus markiert. Ein solches Szenario könnte die Renditen von US-Staatsanleihen weiter steigen lassen und den US‑Dollar stärken, was auf die Silberpreise belastend wirken würde.
Umgekehrt könnte ein weniger restriktiver Ton als erwartet Silber etwas Unterstützung bieten, insbesondere wenn er zu niedrigeren Renditen und einem schwächeren Dollar führt. Entsprechend reagiert der Markt derzeit besonders sensibel auf jede Form von Fed-Guidance zu anstehenden geldpolitischen Schritten.
Zudem spiegeln die weltweit steigenden Anleiherenditen wachsende staatliche Finanzierungsbedarfe und Sorgen um die Tragfähigkeit öffentlicher Haushalte wider. Langfristig könnten diese Bedenken die Nachfrage nach Edelmetallen als Alternative zu Staatsanleihen stützen. Kurzfristig bleiben jedoch vor allem die Erwartungen an die Zinsentwicklung der wichtigste Treiber der Silberpreisdynamik.
Aus technischer Sicht zeigt Silber unterhalb der 50‑Tage-SMA zwar eine gewisse Robustheit, es fehlt jedoch an Aufwärtsmomentum, was durch einen negativen RSI bestätigt wird. Bei gemischten Oszillatoren bleibt XAG/USD in einer Seitwärtsrange gefangen. Ein wichtiger kurzfristiger Widerstand liegt am 200‑Tage-EMA.