Heute unterbrach Gold einen zweitägigen Rückgang und legte um etwa 1,1 % zu, wodurch der Preis auf über 4.340 US‑Dollar je Unze stieg. Der Markt preist weiterhin mit rund 93 % Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung ein, nachdem die Inflationsdaten in der vergangenen Woche höher als erwartet ausgefallen waren. Höhere Zinsen wirken in der Regel negativ auf nicht verzinsliches Gold, daher war es eher die Entspannung beim Öl-Faktor als Zweifel an der Entscheidung der Federal Reserve, die dem Edelmetall Spielraum für eine Gegenbewegung verschaffte.
Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen gaben nach, nachdem sie zuvor Niveaus nahe den Höchstständen der vergangenen zwei Jahrzehnte erreicht hatten. Auch die zweijährigen Renditen, die sensibler auf kurzfristige Zinsbewegungen reagieren, gingen leicht zurück – und genau dieser Rückgang, nicht die Schlagzeilenwahrscheinlichkeit eines Zinsschritts, nahm etwas Druck von Gold. Der Markt reagiert nicht auf die Tatsache eines Zinsschritts, der weitgehend eingepreist ist, sondern auf die kleinsten Signale über den weiteren Kurs.
Zwar rechnen Händler heute mit dem ersten Zinsschritt der Fed seit 2023, doch wenn die Zentralbank diesen auslässt oder Chair Kevin Warsh kein klares Signal für weitere Anhebungen gibt, könnten Anleger als Inflationsschutz noch höhere langfristige Renditen verlangen – eine Entwicklung, die Gold weiteren Auftrieb geben könnte. Lässt die Fed hingegen die Tür für eine fortgesetzte Straffung offen, würde Gold anfälliger werden und könnte sich in Richtung 4.000 US-Dollar je Unze bewegen, falls die wichtige Unterstützung bei 4.250 US-Dollar durchbrochen wird.
Viele Anleger setzen weiterhin darauf, dass Gold seine Rolle als traditioneller sicherer Hafen im Portfolio wieder stärkt, sodass diese Korrektur eher wie eine Verschnaufpause innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends wirkt als wie dessen Ende.
Meiner Ansicht nach wird die Reaktion von Gold auf den Zinsschritt selbst gegenüber dem Ton von Warsh in den Hintergrund treten: Fällt das Statement neutral aus oder lässt es Raum für spätere Pausen, könnte sich das Metall über 4.340 US-Dollar halten und wieder in Richtung der Niveaus vom August bewegen; ein klares Signal für eine fortgesetzte Straffung könnte den Preis dagegen rasch in Richtung 4.000 US-Dollar drücken.
Technisches Bild: Käufer müssen den nächstgelegenen Widerstand bei 4.372 US‑Dollar überwinden, um 4.424 US‑Dollar ins Visier zu nehmen; oberhalb dieses Niveaus dürfte ein Ausbruch schwierig werden. Das nächste Ziel liegt im Bereich von 4.481 US‑Dollar. Auf der Unterseite werden die Bären versuchen, die Kontrolle über 4.304 US‑Dollar zu übernehmen; gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Bullen stark treffen und Gold in Richtung des Tiefs bei 4.249 US‑Dollar schicken, mit der Aussicht auf eine Ausweitung bis 4.186 US‑Dollar.