Warum Bitcoin und Ethereum nicht fallen wollen

Bitcoin und Ethereum bewegen sich seit mehreren Wochen seitwärts, nachdem sie Mitte August stark gestiegen waren. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der Abwärtstrend, der im vergangenen Jahr begonnen hat, bereits beendet ist. Im Tageschart steckt Bitcoin in einem Seitwärtskanal zwischen 60.000 und 82.500 US?Dollar fest, während im Wochenchart der Abwärtstrend weiterhin intakt ist. Ungeachtet aller anderslautenden Aussagen glauben wir daher nicht, dass im Sommer ein neuer „Bullen“?Trend begonnen hat. Zudem verweisen die meisten Experten immer noch auf die Magie des Vierjahreszyklus, dem zufolge Bitcoin seinen einjährigen Korrekturrückgang in diesem Herbst abschließen und mit der Ausbildung eines neuen Bullenmarkts beginnen sollte. Doch der Vierjahreszyklus ist keine große Pyramide – er ist nicht ewig gültig.

In dieser Woche hätten zwei wichtige Ereignisse eigentlich einen Rückgang der Leitwährung und der zweitgrößten Kryptowährung auslösen sollen. Erstens ist es dem US?Senat nicht gelungen, den viel diskutierten Clarity Act zu verabschieden, der einen regulatorischen Rahmen für den Krypto- und Digitalanlagen?Sektor in den USA schaffen soll. Zweitens hat sich die Fed „hawkish“ positioniert und ihre Bereitschaft bekundet, die Zinserhöhungen fortzusetzen, bis die Inflation wieder auf 2 % zurückgegangen ist. Viele Experten hatten die nächste Aufwärtsphase des Bullenmarktes mit der Verabschiedung des Clarity Act verknüpft, da dessen Zustimmung Investitionen in Bitcoin und Ethereum deutlich einfacher und sicherer gemacht hätte. Doch der Senat weigerte sich, über den Gesetzentwurf abzustimmen, und mehrere Republikaner stellten sich sogar dagegen, obwohl das Gesetz aktiv von Donald Trump vorangetrieben wird.

Kevin Warsh stellte sich ebenfalls offen gegen Donald Trump. Zugegeben, wir hatten nicht vollständig erwartet, dass Warsh eine vom Weißen Haus unabhängige Position einnehmen würde, doch die gestrige Sitzung hat gezeigt, dass der für die Zinspolitik zuständige Ausschuss Trump nicht fürchtet und Kevin Warsh ihn nicht als seinen Förderer betrachtet und den Vorgaben des Weißen Hauses nicht einfach folgen wird. Setzt sich der Anstieg des Leitzinses fort, wird die Nachfrage nach sicheren Anlagen auf Kosten riskanter Vermögenswerte zunehmen. Riskantere Anlagen als Kryptowährungen zu finden, ist schwierig. Daher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ethereum und Bitcoin bis zum Jahresende fallen werden. Nur ein klassischer, kräftiger Pump kann „digitales Gold“ und „digitales Silber“ noch retten. Merken Sie sich: Es sind nicht die Nachrichten, die Kursbewegungen an irgendeinem Markt bestimmen – es sind die Handlungen der Marktteilnehmer.

BTC/USD?Handelsempfehlungen

Bitcoin setzt seinen Abwärtstrend trotz der starken Rallye Mitte August fort. Wir rechnen weiterhin mit einem Rückgang in Richtung 57.500 $ (dem 61,8 % Fibonacci-Niveau, gemessen vom Dreijahres-Aufwärtstrend), auch wenn dieses Niveau im Grunde bereits ausgespielt wurde. Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass der Abwärtstrend beendet ist. Der jüngste Anstieg der führenden Kryptowährung wirkt eher schwach und erinnert eher an eine Korrektur, was für sich genommen jedoch kein ausreichender Grund ist, um Long-Positionen zu eröffnen. Die Liquidität könnte aus dem Hoch bei 82.850 $ abgeholt werden, was eine neue Abwärtsbewegung auslösen könnte. Im 4-Stunden-Chart könnte jedoch bald ein Anstieg einsetzen, mit Kurszielen bei 78.400 $ und 81.200 $, da sich nahe der unteren Begrenzung der Seitwärtsrange eine Abweichung gebildet hat.

ETH/USD Handelsempfehlungen

Im Tageschart hat sich das technische Bild für Ethereum innerhalb weniger Tage komplett verändert. Nun könnte Ethereum einen neuen Aufwärtstrend beginnen. Trader sollten ihre Entscheidungen jedoch in erster Linie auf Basis des Wochencharts treffen, auf dem Ethereum in Richtung 4.800 US?Dollar laufen könnte – der oberen Begrenzung des seit fünf Jahren bestehenden Seitwärtskanals. Im Tageschart wurde die nächstgelegene bärische FVG geschlossen, allerdings gehört diese FVG noch zum vorherigen Trend. Falls sie eine Marktreaktion auslöst, dürfte diese eher korrektiver Natur sein. Nach zwei Abweichungen im 4?Stunden?Chart ist Ethereum an die untere Begrenzung des Kanals gefallen, von der aus ebenfalls Liquidität abgegriffen werden könnte, was ein Kaufsignal generieren würde. Ein ähnliches Signal hat sich bereits bei Bitcoin gebildet. In den kommenden Tagen ist ein technischer Anstieg mit Zielen bei 2.450 und 2.544 US?Dollar möglich.

Kommentar zu den Charts

CHOCH steht für „Change of Character“ / Bruch der Trendstruktur. Liquidity bezeichnet die Stop?Loss?Orders der Trader, die von Market Makern genutzt werden, um ihre Positionen aufzubauen. FVG bedeutet „Fair Value Gap“ (Zone der Preisineffizienz). Der Kurs läuft häufig schnell durch solche Bereiche hindurch, was auf das Fehlen einer Marktseite hinweist. Später neigt der Preis dazu, in diese Zonen zurückzukehren und dort zu reagieren. IFVG ist eine „Inverted Fair Value Gap“. Nach einer Rückkehr in eine solche Zone reagiert der Kurs nicht, sondern bricht sie impulsiv und testet sie anschließend von der anderen Seite.

OB steht für „Order Block“: eine Kerze, in der ein Market Maker eine Position eröffnet, um Liquidität einzusammeln und anschließend seine eigentliche Position in die entgegengesetzte Richtung aufzubauen.