Bitcoin und Ethereum bewegen sich seit mehreren Wochen in relativ engen Seitwärtsbereichen, nachdem sie Mitte August stark angestiegen waren. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der im vergangenen Jahr begonnene Abwärtstrend beendet ist. Im Tageschart handelt Bitcoin in einer Seitwärtsrange zwischen 60.000 und 82.500 US-Dollar, während der Wochenchart weiterhin einen Abwärtstrend zeigt. Unabhängig davon, was behauptet wird, gehen wir daher nicht davon aus, dass im Sommer ein neuer „bullisher“ Trend begonnen hat. Viele Experten verweisen nach wie vor auf die Magie des Vierjahreszyklus, dem zufolge Bitcoin seine einjährige Abwärtskorrektur in diesem Herbst beenden und einen neuen „bullishen“ Trend ausbilden soll. Doch der Vierjahreszyklus ist nicht die Cheops-Pyramide – er ist nicht ewig gültig.
Unserer Ansicht nach hat Bitcoin erst Anfang September zwei ernsthafte Gründe erhalten, eine neue Abwärtsbewegung zu beginnen. Erstens hat der US-Senat erneut den Clarity Act blockiert, und zwar nicht nur mit den Stimmen der Demokraten, sondern auch einiger Republikaner. Zweitens hat die Federal Reserve ihren Leitzins nicht einfach nur angehoben, sondern faktisch signalisiert, dass sie bereit ist, die geldpolitische Straffung fortzusetzen. Das bedeutet, die Märkte können nun vernünftigerweise mit weiteren zwei oder drei Zinsschritten rechnen. Muss man noch daran erinnern, dass eine Zinserhöhung der Fed ein negativer Faktor für Bitcoin ist?
Im Übrigen gaben nach diesen beiden Ereignissen die Aktien vieler Unternehmen nach, die mit Kryptowährungen oder Krypto-Investments in Verbindung stehen. So verloren Coinbase-Aktien rund 10 %, während die Papiere von Strategy um 5 % fielen. Unternehmensvertreter weisen darauf hin, dass sich die fundamentale Basis für ein Bitcoin-Wachstum verschlechtert habe, „interne Modelle aber weiterhin auf günstige Perspektiven“ hindeuteten. Was genau diese „günstigen Perspektiven“ sein sollen und worauf sie beruhen, erklärte allerdings niemand. Bitcoin wird einfach weiter steigen, Punkt!
Bemerkenswert ist, dass die Demokraten erneut auf Donald Trumps persönliche finanzielle Interessen im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Clarity Act verwiesen. Genau deshalb seien sie nicht bereit, mit „Ja“ zu stimmen. Derzeit rechnen Experten nicht mit einer erneuten Abstimmung vor den Zwischenwahlen zum Kongress. Wahrscheinlich wird eine neue Abstimmung erst 2027 mit einer neu zusammengesetzten Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat stattfinden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Republikaner die Wahlen verlieren, sodass der neue Kongress deutlich „demokratischer“ sein könnte als der jetzige. In diesem Fall würden die Chancen auf eine Verabschiedung des Clarity Act noch weiter sinken.
Bitcoin setzt seinen Abwärtstrend trotz der kräftigen Rally Mitte August fort. Wir rechnen weiterhin mit einem Rückgang in Richtung 57.500 US-Dollar (61,8 %-Fibonacci-Niveau des dreijährigen Aufwärtstrends), auch wenn dieses Niveau im Grunde bereits getestet wurde. Wir glauben jedoch nicht, dass der Abwärtstrend dort beendet ist.
Die jüngste Rally der führenden Kryptowährung ähnelt nur wenig einer Korrektur, doch allein daraus lässt sich kein ausreichend starkes Argument für das Eingehen von Long-Positionen ableiten. Die Liquidität könnte aus dem Hoch bei 82.850 US-Dollar abgeholt werden und damit eine weitere Abwärtsbewegung auslösen. Im 4‑Stunden‑Chart kann sich die Rally in Richtung der Ziele bei 78.400 und 81.200 US-Dollar fortsetzen, da nahe der Untergrenze der Seitwärtsrange eine Abweichung (Deviation) entstanden ist.
Im Tageschart hat sich das technische Bild für Ethereum innerhalb weniger Tage vollständig verändert. Ethereum könnte nun einen neuen Aufwärtstrend beginnen. Aktuell können sich Trader jedoch nur auf den Wochenchart stützen, in dem Ethereum ein Ziel im Bereich von 4.800 US-Dollar anvisieren könnte, was dem oberen Band der fünfjährigen Seitwärtsrange entspricht.
Im Tageschart wurde das nächstliegende bärische FVG bereits gefüllt, allerdings gehört dieses FVG zum vorherigen Trend. Sollte es zu einer Marktreaktion kommen, wird diese höchstwahrscheinlich nur korrektiver Natur sein.
Nach zwei Abweichungen oberhalb des oberen Bandes der Range im 4‑Stunden‑Chart fiel Ethereum bis an das untere Band zurück. An der unteren Begrenzung wurde keine Abweichung ausgebildet, es kam jedoch zu einem direkten Abprall – bereits dem dritten –, was ebenfalls als Kaufsignal interpretiert werden kann. Ein ähnliches Signal hat sich auch bei Bitcoin gezeigt.
In den kommenden Tagen ist eine technische Rally in Richtung der Ziele bei 2.450 und 2.544 US-Dollar möglich.
Kommentare zu den ChartsCHOCH steht für Change of Character / Bruch der Trendstruktur. Liquidity bezeichnet die Stop-Loss-Orders von Tradern, die Market Maker zum Aufbau ihrer Positionen nutzen. FVG steht für Fair Value Gap (Bereich der Preisineffizienz). Der Kurs bewegt sich häufig schnell durch solche Zonen, was auf die Abwesenheit einer Marktseite hinweist. Später kehrt der Preis in der Regel in diese Bereiche zurück und reagiert darauf. IFVG ist ein Inverted Fair Value Gap. Nach einer Rückkehr in eine solche Zone reagiert der Preis nicht, sondern bricht sie impulsiv und testet sie anschließend von der anderen Seite.
OB bedeutet Order Block. Eine Kerze, in der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität einzusammeln und anschließend eine eigene Position in die entgegengesetzte Richtung aufzubauen.