Die Rohölpreise näherten sich am Freitag ihren Mai-Hochs, da sich die Anleger zunehmend Sorgen über mögliche Angebotsunterbrechungen angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten machen. Die Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und der vom Iran unterstützten Houthi-Bewegung im Jemen hat sich deutlich verschärft: Die Milizen greifen mit Drohnen und Raketen Flughäfen und strategisch wichtige Energieinfrastruktur im Königreich an. Darüber hinaus warnte die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) des Iran, dass Teheran im Falle weiterer Angriffe der USA in Nachbarländer einmarschieren und Einrichtungen attackieren könnte, die von US-Militärpersonal genutzt werden. Diese Aussagen werden als Teil der neuen Offensivstrategie Irans gewertet.
Händler dürften vorerst davon absehen, neue Richtungspositionen einzugehen, bis klarere Signale zum geldpolitischen Ausblick der Fed vorliegen. Entsprechend richtet sich die Aufmerksamkeit auf die zweitägige Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC), deren Ergebnis am Mittwoch der kommenden Woche bekanntgegeben wird. Der Markt rechnet derzeit mit unveränderten Leitzinsen. Da keine aktualisierten Wirtschaftsprognosen anstehen, werden Investoren die Formulierungen der begleitenden Erklärung sowie die Kommentare von Fed‑Vorsitzendem Kevin Warsh während der Pressekonferenz genau analysieren.
Darüber hinaus werden am Donnerstag die vorläufigen US‑BIP‑Zahlen für das dritte Quartal sowie der Personal Consumption Expenditures (PCE) Price Index veröffentlicht. Der PCE Price Index ist einer der wichtigsten von der Federal Reserve verwendeten Inflationsindikatoren. Diese Datenveröffentlichungen könnten die Entwicklung des US‑Dollars deutlich beeinflussen und einen neuen Impuls für den Goldpreis liefern.
Aus technischer Sicht
Das jüngste Unterschreiten der unteren Begrenzung der kurzfristigen Handelsspanne, gefolgt von Notierungen unterhalb der Niveaus von 4.100 und 4.065 US‑Dollar, hat ein deutliches Signal zugunsten der Verkäufer von XAU/USD geliefert. Der Relative Strength Index (RSI) liegt bei 34,00 und damit nahe dem überverkauften Bereich, während auch der MACD‑Indikator im negativen Bereich verbleibt. Diese Konstellation deutet auf anhaltenden Verkaufsdruck hin, obwohl sich erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigen.
Gleichzeitig hat das Edelmetall unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US‑Dollar eine gewisse Widerstandsfähigkeit bewiesen, weshalb beim Eingehen neuer Short-Positionen erhöhte Vorsicht geboten ist. Jeder Erholungsversuch dürfte auf Verkaufsinteresse stoßen und könnte im Bereich von 4.065–4.041 US‑Dollar ins Stocken geraten. Diese Zone fungierte zuvor innerhalb der Handelsspanne als Unterstützung, hat sich nun jedoch in einen Widerstand verwandelt.
Die nächste wichtige Referenzmarke ist das psychologisch bedeutende Niveau von 4.100 US‑Dollar. Ein klarer Ausbruch darüber könnte Short-Eindeckungen auslösen und Gold in Richtung eines Zwischenwiderstands im Bereich von 4.155–4.170 US‑Dollar treiben, gefolgt vom Niveau von 4.200 US‑Dollar. Um eine anhaltende kurzfristige Erholung zu bestätigen, müssten sich die Preise nachhaltig oberhalb von 4.200 US‑Dollar etablieren.