
*) siehe auch: InstaForex Trading Indicators for USDX
Der US?Dollar startet mit negativer Anlegerstimmung in die Woche. Der US-Dollar-Index (USDX) beginnt die Woche ebenfalls in einer defensiven Haltung und notiert in der ersten Hälfte der europäischen Sitzung im Bereich von 97,30–97,50, deutlich unterhalb der wichtigen mittel- und langfristigen gleitenden Durchschnitte. Die aktuelle Entwicklung spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Marktwahrnehmung wider: Der Dollar sieht sich einer beispiellosen Kombination aus politischen, geldpolitischen und strukturellen Herausforderungen gegenüber, die seine jahrzehntelange Dominanz infrage stellen.

Geldpolitische Erwartungen: Wetten auf Lockerung
Die Märkte preisen zunehmend einen Lockerungszyklus der Fed im Jahr 2026 ein. Das CME FedWatch Tool signalisiert eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank die Zinsen im März unverändert lässt, aber im Juni mit Zinssenkungen beginnt, mit einer möglichen Fortsetzung im September. Diese Einschätzung wird durch jüngste Daten gestützt, die auf eine Abkühlung am Arbeitsmarkt hindeuten (zum Beispiel ADP), sowie durch den allgemein größeren Bedarf, die Konjunktur zu stützen. Zinssenkungen wirken sich traditionell negativ auf die Währung aus.
Politisches Risiko: Bedrohung der Unabhängigkeit der Fed
Der stärkste negative Schock waren Äußerungen der Trump-Regierung, die die Unabhängigkeit der Zentralbank direkt in Frage stellen. Das Ultimatum an den Fed-Vorsitzkandidaten Kevin Warsh, einschließlich der Androhung strafrechtlicher Verfolgung, falls er sich weigert, die Zinsen zu senken, zusammen mit den Kommentaren des Finanzministers über mögliche strafrechtliche Ermittlungen, stellen einen beispiellosen politischen Druck dar. Solche Maßnahmen untergraben das Vertrauen der Anleger in die institutionelle Stabilität der Vereinigten Staaten und in den Dollar als Anlage, die vor politischer Einflussnahme geschützt ist.
Struktureller Trend: De‑Dollarisation
Ein breiterer, langfristiger Trend – die allmähliche De‑Dollarisation des globalen Finanzsystems – übt weiterhin einen Hintergrunddruck aus. Länder und Institutionen diversifizieren ihre Reserven und Verrechnungswährungen und verringern damit die strukturelle Nachfrage nach dem Dollar, der über Jahrzehnte hinweg unangefochtenen Reservewährungsstatus genoss.
Wöchentliche Makrodaten
Aufgrund des teilweisen Shutdowns der US-Regierung wurde die Veröffentlichung wichtiger Daten verschoben. Die Märkte achten nun auf:
- Arbeitsmarktbericht für Januar (Mittwoch). Prognose: +70 Tsd. neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft und eine Arbeitslosenquote von 4,4 %. Schwächere Zahlen würden den Druck auf den Dollar erhöhen.
- Verbraucherpreisindex (CPI) für Januar (Freitag). Jede Verlangsamung der Inflation würde die Argumente für eine frühere Lockerung durch die Fed stärken.
Technische Analyse

Die technischen Indikatoren (OsMA, RSI, Stochastic) auf kurzfristigen Zeitrahmen haben auf die Seite der Verkäufer gedreht, während sie diese Ausrichtung auf dem Wochenchart beibehalten.
Schlüsselniveaus
Widerstand: 97,50 (ehemalige Unterstützung, jetzt Widerstand), 97,55 (EMA144 im Monatschart), 99,25 (EMA200 im Tageschart). Unterstützung: 96,90 (EMA200 im Monatschart) — strategisches Niveau; weitere Zone 96,20–96,00

Mögliche Szenarien
Basisszenario (bärisch). Wenn sich schwache Beschäftigungs- und Inflationsdaten bestätigen und die aggressive Rhetorik des Weißen Hauses gegenüber der Fed anhält, wird der USDX voraussichtlich die Marke von 96,90 testen und unterschreiten. Das würde den Weg in Richtung 96,20–96,00 öffnen und den Index klar in einen globalen Abwärtstrend führen.
Korrektur (seitwärts/Erholung). Sind die Daten robust (insbesondere zur Inflation) und kommen beruhigende Kommentare von Fed-Vertretern (Waller, Bostic), ist eine technische Erholung auf 97,55–98,00 möglich. Für eine echte Trendwende wäre jedoch ein Ausbruch über 99,25 erforderlich, was unter den aktuellen Bedingungen wenig wahrscheinlich erscheint.
Eskalation (beschleunigter Rückgang). Eine Eskalation des politischen Drucks auf die Fed oder eine deutliche Beschleunigung der De?dollarisation könnte einen stärkeren Rückgang unter 96,00 auslösen.

Fazit
Der US-Dollar-Index befindet sich an einem Wendepunkt. Kurzfristige geldpolitische Erwartungen haben sich mit langfristigen strukturellen Verschiebungen überlagert und wurden durch beispiellose politische Risiken noch verschärft. Das technische Bild bestätigt die fundamentalen Bedenken vollständig.
Das bevorzugte Szenario für die kommenden Wochen ist eine weitere Dollar-Schwäche. Ein Durchbruch unter 96,90 wäre ein starkes Signal für eine verstärkte, mehrere Monate andauernde Abwärtsbewegung. Anleger und Trader sollten Erholungen als Gelegenheit sehen, Short-Positionen auszubauen, und alle dollarfreundlichen Datenveröffentlichungen im Hinblick darauf bewerten, ob sie die übergeordnete negative makroökonomisch-politische Gesamterzählung verändern können. Das Vertrauen in den Dollar als „problemloses“ Asset ist erschüttert worden. Um es wiederherzustellen, bedarf es nicht nur robuster Wirtschaftsdaten, sondern auch einer klaren Wiederherstellung der Unabhängigkeit und Vorhersehbarkeit der US-Geldpolitik.
