Langsam, aber sicher. So stößt China seine Bestände an US-Staatsanleihen ab. So bewegt sich auch EUR/USD nach oben als Reaktion auf durchgesickerte Berichte über Empfehlungen der offiziellen Stellen in Peking an ihre Banken, den Kauf von Treasuries zu begrenzen. China folgt damit den Spuren von Indien und Brasilien, die ebenfalls allem Amerikanischen den Rücken kehren. Gleichzeitig macht der Umfang seiner Wirtschaft die Trader nervös. Die Anleiherenditen steigen, und der Dollar fällt.
Entwicklung der Treasury-Bestände in China

China hält US-Staatsanleihen im Wert von 682,6 Milliarden US‑Dollar – den niedrigsten Stand seit 2008. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2013 erreichten diese Bestände 1,32 Billionen US‑Dollar. Ihr Umfang nimmt kontinuierlich ab. Dennoch hat Belgien, wo Peking Anlagekonten unterhält, seine Bestände an Treasuries seit 2017 auf 481 Milliarden US‑Dollar vervierfacht.
Würde China alle US-Staatsanleihen auf einen Schlag auf den Markt werfen, hätte dies einen massiven Schock für die Finanzmärkte zur Folge. Stattdessen zieht es China vor, die Vereinigten Staaten langsam zu schwächen. Die Anweisungen an die Banken zielen darauf ab, die wachsende Unsicherheit rund um die Politik des Weißen Hauses zu begrenzen. Sollten andere Akteure wie Peking, Brasília und Neu-Delhi diesem Kurs folgen, werden es die Amerikaner extrem schwer haben, Käufer für ihre gewaltige Verschuldung zu finden. Das droht in einen Zahlungsausfall zu münden und den US‑Dollar seinen Status als wichtigste Reservewährung kosten. Ist es da verwunderlich, dass EUR/USD steigt?
Nach Einschätzung von Bank of America bleibt der langfristige Ausblick für den US‑Dollar „bearish“. Solange Anleger jedoch Formulierungen wie „Autoritätsverlust“ und „Sell America“ aus ihren Notizbüchern streichen, könnte sich die Position des Greenback verbessern. Die Entwicklung rund um China spricht allerdings dagegen. Das wichtigste Währungspaar hat seine Richtung eingeschlagen. Die einzige offene Frage ist das Tempo der Rallye.
Spekulanten sind sich dessen vollkommen bewusst und bauen ihre Short-Positionen in der US‑Währung weiter aus. In der Woche bis zum 3. Februar erreichten die Netto-Shorts den höchsten Stand seit Juli. Allerdings ist die Positionierung noch nicht extrem; der USD-Index hat noch Spielraum nach unten.
Dynamik der Positionierung von Hedgefonds und Asset Managern im US‑Dollar


Wird die Fed dem Greenback helfen oder ihm schaden? Weitere Entscheidungen der Zentralbank werden von den Konjunkturdaten abhängen. Berichte zur US-Beschäftigung, Inflation und zu den Einzelhandelsumsätzen werden der Fed reichlich Stoff zum Nachdenken liefern. Eine Schwäche am amerikanischen Arbeitsmarkt könnte die Tür für eine Senkung des Federal-Funds-Satzes nicht im Juni, wie derzeit von Derivaten eingepreist, sondern bereits im April öffnen. Sollte es dazu kommen, wäre diese Vorverlagerung ein Argument für Käufe des wichtigsten Währungspaars.
Aus technischer Sicht hat EUR/USD auf dem Tageschart den wichtigen Bereich um 1,1835 überzeugend nach oben durchbrochen, womit der Weg für Long-Positionen frei geworden ist. Ein erfolgreicher Angriff auf den Widerstand bei 1,187 würde eine Ausweitung dieser Positionen rechtfertigen. Mögliche weitere Entwicklungen umfassen entweder die Wiederaufnahme des Aufwärtstrends oder die Ausbildung einer Umkehrformation vom Typ 1-2-3.
