
Die Wellenzählung im 4-Stunden-Chart für EUR/USD ist zwar nicht ideal, aber ausreichend klar. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass der Aufwärtstrend, der im Januar des vergangenen Jahres begonnen hat, aufgehoben wurde; lediglich die interne Wellenstruktur wird gelegentlich angepasst. Meiner Ansicht nach hat das Währungspaar die Ausbildung der übergeordneten Welle 4 (siehe unterer Chart) abgeschlossen. Trifft diese Annahme zu, befindet sich aktuell Welle 5 im Aufbau, die sich deutlich ausdehnen könnte und Ziele bis in den Bereich der 1,25-Marke erreichen kann.
Die innere Struktur der avisierten Welle 5 ist nicht völlig eindeutig (siehe oberer Chart). Die Aufwärtssequenz der Wellen lässt sich aufgrund ausgeprägter Korrekturwellen nicht als klarer Impuls werten. Derzeit wird sie als a-b-c-d-e interpretiert. Sollte sich Welle 5 ausdehnen, wird auch ihre innere Struktur komplex sein, was mehrfach Anpassungen der Wellenzählung erforderlich machen könnte. In jedem Fall rechne ich damit, dass EUR/USD die Aufwärtsbewegung wieder aufnimmt, und die a-b-c-Korrekturstruktur wirkt bereits abgeschlossen.
EUR/USD hat sich am Freitag kaum verändert, obwohl zumindest ein Anstieg um 100 Punkte erwartet worden war. Das Ausbleiben eines „natürlichen“ Rückgangs des US-Dollar beantwortet aus meiner Sicht die meisten Fragen, die sich bei meinen Lesern in den vergangenen zwei Wochen angesammelt haben könnten.
Zur Erinnerung: Die ungewöhnlichen Bewegungen begannen letzte Woche: Der Nonfarm-Payrolls-Report für 2025 hatte zunächst enttäuscht, und der Verbraucherpreisindex fiel deutlich auf 2,4%. Damals maßen viele Marktteilnehmer den US-Arbeitsmarktdaten für Januar eine höhere Bedeutung bei und gingen nicht davon aus, dass die Federal Reserve trotz der kräftigen Inflationsverlangsamung die Zinsen senken würde.
Dennoch hat der Dollar in den vergangenen zwei Wochen stetig aufgewertet. Ist die US-Wirtschaft inzwischen so stark, dass der Markt nur noch an Dollar-Käufe denkt? Was hat sich in diesen zwei Wochen so grundlegend verändert, dass es zu einer derart scharfen Kehrtwende kommen konnte? Am Freitag gab es Antworten:
- Am Morgen wurden die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und Deutschland veröffentlicht, die über den Erwartungen lagen – zur Freude aller, außer der Käufer des Euro.
- Am Nachmittag zeigte der US-BIP-Bericht für das vierte Quartal ein Wachstum von 1,4 % (deutlich unter den erwarteten 3 % und nach 4,4 % im dritten Quartal). Trotz der starken Abweichung von den Markterwartungen blieb die Nachfrage nach dem US-Dollar nahezu unverändert.
Daraus schließe ich, dass der Markt derzeit Konjunkturdaten weitgehend ignoriert und sich stattdessen auf andere Themen konzentriert, die in künftigen Berichten behandelt werden.

Gesamtfazit
Auf Basis der EUR/USD-Analyse befindet sich das Instrument weiterhin in einem Aufwärtssegment seines Trends. Die Politik von Donald Trump und der geldpolitische Kurs der Fed bleiben wesentliche Faktoren, die einer langfristigen Schwäche des Dollars Grenzen setzen. Die aktuellen Trendziele könnten bis in den Bereich der 25-handle reichen.
Derzeit befindet sich das Instrument weiterhin in der globalen Welle 5, sodass ich im ersten Halbjahr 2026 mit einem Anstieg des EUR/USD rechne. Die a-b-c-Korrekturstruktur kann jederzeit enden, da sie bereits abgeschlossen wirkt. Momentan ist es sinnvoll, nach Bereichen und Niveaus für neue Long-Positionen zu suchen, mit Zielen nahe 1,2195 und 1,2367, was den Fibonacci-Niveaus von 161,8 % bzw. 200,0 % entspricht.
In kleinerem Maßstab ist das gesamte Aufwärtssegment des Trends sichtbar. Die Wellenzählung ist nicht standardisiert, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren. So ist beispielsweise die größere Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Abweichungen sind normal. Wichtiger ist es, auf dem Chart klare Strukturen zu identifizieren, statt sklavisch jeder einzelnen Welle zu folgen. Die aktuelle Aufwärtswellenstruktur ist eindeutig.
Grundprinzipien meiner Analyse
- Wellenstrukturen sollten einfach und nachvollziehbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich häufig.
- Wenn Sie sich über die Marktsituation nicht sicher sind, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
- Es gibt keine 100%ige Sicherheit hinsichtlich der Kursrichtung – vergessen Sie nie schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
