
Die Wellenstruktur im 4-Stunden-Chart von EUR/USD hat ein weniger vorteilhaftes Erscheinungsbild angenommen, wirft jedoch keine grundlegenden Fragen auf. Von einer Aufhebung des Aufwärtstrends, der im Januar letzten Jahres begonnen hat, kann weiterhin keine Rede sein; lediglich die interne Wellenstruktur wird immer wieder angepasst. Meiner Einschätzung nach hat das Instrument die Ausbildung der übergeordneten Welle 4 (unterer Chart) abgeschlossen. Trifft diese Annahme zu, entfaltet sich derzeit Welle 5, die sich deutlich ausdehnen könnte, mit Zielen bis hinauf in den Bereich von 1,25.
Die innere Struktur der vermuteten Welle 5 ist nicht vollständig klar (oberer Chart). Die Aufwärtsbewegung kann aufgrund der recht ausgeprägten Korrekturwellen nicht als impulsiv eingestuft werden. In dieser Phase wird sie daher als a-b-c-d-e-Struktur interpretiert. Sollte sich Welle 5 jedoch verlängern, dürfte auch ihre innere Struktur entsprechend komplex ausfallen. In diesem Fall ist mit weiteren Anpassungen der Wellenzählung zu rechnen. In jedem Fall erwarte ich, dass EUR/USD seine Aufwärtsbewegung wieder aufnimmt, und die korrektive a-b-c-Struktur wirkt bereits nahezu abgeschlossen.
Am Montag blieb EUR/USD per saldo nahezu unverändert, obwohl die Schwankungen im Tagesverlauf recht ausgeprägt waren. Leider waren diese Bewegungen nicht durchgehend klar oder prognostizierbar. Die neue Handelswoche begann mit einem starken Anstieg des Euro bei gleichzeitigem Rückgang des US-Dollar, nachdem US-Präsident Donald Trump am Samstag die Handelszölle auf 15 % angehoben hatte. Der Rückgang des Dollar fiel allerdings recht moderat aus – lediglich 50 Basispunkte –, die im Laufe des Tages problemlos wieder aufgeholt wurden. Somit war der nächtliche Rückgang des US-Dollar nachvollziehbar, seine anschließende Erholung hingegen weniger.
Am Montag gab es praktisch keine nennenswerten Nachrichten, abgesehen vom deutschen ifo-Geschäftsklimaindex. Entsprechend fehlten klare Gründe dafür, dass der Markt im Tagesverlauf eine höhere Nachfrage nach dem Dollar aufbaute. Es sei in Erinnerung gerufen, dass Trumps neue Zölle, die nur drei Stunden nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten zur Aufhebung der letztjährigen globalen Zölle verkündet wurden, faktisch einer direkten Herausforderung des amerikanischen Rechtssystems gleichkommen. Trump zeigt wiederholt, dass Gesetze für ihn nicht gelten, während das Justizsystem immer wieder unter Beweis stellt, dass es Urteile im Grunde nur gegen gewöhnliche Bürger fällen kann, während der Präsident faktisch vollständige Immunität genießt.
Ich hatte bereits zuvor prognostiziert, dass Trump, selbst wenn das Gericht die Zölle aufheben würde, diese umgehend auf einer anderen rechtlichen Grundlage wieder einführen wird. Im IEEPA findet sich zwar kein ausdrücklicher Hinweis auf Zölle, dennoch hielt Trump es für möglich, sie auf dieser Basis zu verhängen. Folglich kann sich der US-Präsident praktisch auf jedes beliebige Gesetz stützen – selbst auf eines, in dem Zölle nicht erwähnt werden –, um Handelsabgaben einzuführen. Genau das ist nun geschehen. Reicht das IEEPA-Gesetz von 1977 nicht aus, steht zudem der Trade Act von 1974 zur Verfügung. Entscheidend ist lediglich, einen passenden Vorwand zu finden.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis der EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass das Paar weiterhin ein Segment eines Aufwärtstrends ausbildet. Die Politik von Donald Trump und die Geldpolitik der Federal Reserve bleiben bedeutende langfristige Faktoren, die auf dem US-Dollar lasten. Die Ziele des aktuellen Trendsegments könnten sich in Richtung 1,25 erstrecken. Derzeit gehe ich davon aus, dass sich das Paar weiterhin in der übergeordneten Welle 5 befindet, und erwarte daher in der ersten Hälfte des Jahres 2026 höhere Notierungen. Die korrektive a-b-c-Struktur kann jederzeit enden, da sie bereits sehr überzeugend aussieht. Meines Erachtens ist es sinnvoll, nach neuen Kaufgelegenheiten mit Kurszielen im Bereich von etwa 1,2195 und 1,2367 zu suchen, die den Fibonacci-Niveaus von 161,8 % bzw. 200,0 % entsprechen.
In einer kleineren Zeitebene ist das gesamte Segment des Aufwärtstrends erkennbar. Die Wellenstruktur ist nicht vollständig standardisiert, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren. So ist beispielsweise die übergeordnete Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Konstellationen kommen jedoch vor. Entscheidend ist, sich auf klar erkennbare Strukturen im Chart zu konzentrieren, statt zwanghaft jede einzelne Welle zu beschriften. Derzeit gibt die Aufwärtsstruktur der Wellen keinen Anlass zu Zweifeln.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und oft Änderungen unterworfen.
- Wenn keine Klarheit über die Marktsituation besteht, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Absolute Sicherheit über die Marktrichtung gibt es nicht. Schützen Sie Positionen stets mit Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.

