Das Währungspaar GBP/USD setzt seinen Rückgang innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends fort. Das einzige funktionierende Muster, das derzeit für Trader von Nutzen sein könnte, bleibt die bearishe Imbalance 16. Dieses Muster hätte sich bereits in der vergangenen Woche ausspielen können, doch den Bullen fehlten buchstäblich 6–7 Punkte, um es zu erreichen. Infolgedessen wurde kein bearishes Signal ausgebildet, und Trader hatten keinen Grund, Short-Positionen zu eröffnen, auch wenn das Pfund seitdem um 250 Punkte gefallen ist. Zudem sollte man im Hinterkopf behalten, dass der Aufwärtstrend weiterhin intakt ist. Das Paar könnte bis auf 1,3100 fallen und dennoch seinen bullischen Charakter beibehalten. Selbst wenn im Nahen Osten ein Krieg ausbräche, zweifle ich an der Sinnhaftigkeit von Verkäufen. Die aktuelle Bewegung wirkt zu emotional und panikgetrieben, und solche Bewegungen dauern in der Regel nicht lange an.

In den ersten beiden Tagen der Woche berichteten alle Medien über den starken Anstieg der Öl- und Gaspreise, die Blockade der Straße von Hormus und Angriffe auf Öl- und Gasanlagen, die die globale Konjunktur deutlich eintrüben – insbesondere für energieabhängige europäische Länder. Meiner Ansicht nach spielt beim aktuellen Rückgang von EUR/USD und GBP/USD nicht nur der Status des Dollars als sicherer Hafen eine Rolle, sondern auch die sich verschlechternden wirtschaftlichen Perspektiven Europas und des Vereinigten Königreichs. Steigende Öl- und Gaspreise (Gas in Europa ist bereits um 100 % gestiegen) werden nicht nur einen neuen Inflationsschub auslösen, sondern auch das Industrieproduktionsvolumen deutlich verringern und eine ohnehin nur moderat wachsende Wirtschaft weiter abbremsen. Damit wirkt der militärische Konflikt im Nahen Osten gleichzeitig zugunsten des Dollars und gegen die europäischen Währungen.
Der Aufwärtstrend beim Pfund ist weiterhin intakt. Solange er anhält (oberhalb der Marke von 1,3012), würde ich den Fokus eher auf bullische Signale legen. Der Rückgang des Pfunds kann zwar recht kräftig ausfallen, aber er kann auch jederzeit enden. Die derzeit einzige aktive Imbalance 16 hat bislang kein Signal generiert. Derzeit gibt es keine Grundlage für neue Trades. Ein möglicher Liquidity Grab am Swing vom 19. Januar ist ausgeblieben. Bärische Imbalances können sich in dieser Woche noch ausbilden, doch beim Eingehen von Short-Positionen ist es wichtig zu verstehen, wie lange der Dollar vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage im Nahen Osten noch mit Unterstützung des Marktes rechnen kann.
Am Dienstag gab es weder für das Pfund noch für den Dollar nennenswerte Konjunkturnachrichten, was die Trader jedoch nicht davon abhielt, den Dollar weiter zu kaufen. Der Krieg im Nahen Osten wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so bald enden, und je länger er andauert, desto mehr Öl- und Gasanlagen werden zerstört oder stellen den Betrieb ein.
In den Vereinigten Staaten bleibt das Gesamtbild der Nachrichtenlage so, dass langfristig eigentlich nur mit einem Rückgang des Dollars zu rechnen ist. Der Krieg zwischen Iran und den USA hat daran bislang wenig geändert. Die Situation für den US-Dollar ist langfristig weiterhin recht schwierig, kurzfristig jedoch sehr positiv. Entscheidend ist jedoch, dass diese Positivität nur kurzfristiger Natur ist. Die Arbeitsmarktdaten aus den USA enttäuschen nach wie vor häufiger, als dass sie positiv überraschen. Drei der letzten vier FOMC-Sitzungen endeten mit dovishen Beschlüssen. Trumps militärische Aggression, Drohungen gegenüber Dänemark, Mexiko, Kuba, Kolumbien, EU-Ländern, Kanada und Südkorea, die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Jerome Powell, Government Shutdowns, der Skandal um die amerikanische Elite im Epstein-Fall, ein mögliches Impeachment Trumps bis Ende des Jahres und die sehr wahrscheinliche Wahlniederlage der Republikaner ergänzen das aktuelle Bild einer politischen und strukturellen Krise in Amerika. Meiner Ansicht nach haben die Bullen damit alles Nötige, um ihre Offensive bis weit ins Jahr 2026 hinein fortzusetzen.
Für einen Abwärtstrend ist ein stark positiver und vor allem stabiler Newsflow zugunsten des Dollars erforderlich, was unter Donald Trump schwer zu erwarten ist. Außerdem braucht der US-Präsident selbst keinen teuren Dollar. Daher glaube ich weiterhin nicht an einen echten Abwärtstrend beim Pfund. Zu viele Risikofaktoren lasten wie ein Mühlstein auf dem Dollar. Bärische Muster können zwar zum Eingehen von Short-Trades herangezogen werden, persönlich würde ich dies aber nicht empfehlen. Den jüngsten Rückgang des Paares sehe ich in gewissem Umfang als ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände.
Wirtschaftskalender für die USA und das Vereinigte Königreich:
- USA – ADP-Beschäftigungsveränderung (13:15 UTC).
- USA – ISM Services PMI (15:00 UTC).
Am 4. März enthält der Wirtschaftskalender zwei Termine, doch der Markt könnte seine Aufmerksamkeit eher auf die Geopolitik als auf die Konjunkturdaten richten. Der Nachrichtenhintergrund wird am Mittwoch weiterhin die Stimmung am Markt prägen.
GBP/USD-Prognose und Hinweise für Trader:
Das Gesamtbild für das Pfund bleibt bullisch, auch wenn der kurzfristige Ausblick inzwischen bärisch geworden ist. Aktuell sind keine aktiven bullischen Muster vorhanden. Es gibt lediglich eine bärische Imbalance, zu der der Kurs zunächst zurückkehren und darauf reagieren muss, bevor Trader potenziell über das Eingehen von Short-Positionen nachdenken können.
Es ist zu beachten, dass der Rückgang des Pfunds in den vergangenen Wochen so stark ausgefallen ist, dass die zuvor bullische Gesamtsituation aufgrund einer unglücklichen Konstellation von Umständen in eine bärische übergegangen ist. Hätte Donald Trump nicht wiederholt angekündigt, Iran anzugreifen, keine Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt und anschließend keine militärischen Aktionen eingeleitet, hätten wir diesen scharfen Einbruch des Pfunds aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gesehen. Ich halte es für möglich, dass dieser Rückgang genauso unerwartet enden könnte, wie er begonnen hat. In meinen Augen hat sich der Trend der vergangenen Wochen nicht wirklich dauerhaft in einen bärischen verwandelt.
