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FX.co ★ XAU/USD: Warum Gold trotz Krieg im Nahen Osten fällt, statt zu steigen

XAU/USD: Warum Gold trotz Krieg im Nahen Osten fällt, statt zu steigen

XAU/USD: Warum Gold trotz Krieg im Nahen Osten fällt, statt zu steigen

Die aktuelle Lage am Goldmarkt widerspricht der klassischen Logik: Angesichts der akuten geopolitischen Eskalation zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und Iran auf der anderen, einer faktischen Blockade der Straße von Hormus und der Gefahr einer globalen Energiekrise steigt der Goldpreis nicht, sondern befindet sich in einer tiefen Korrektur. Auf den ersten Blick wirkt das paradox. Betrachtet man jedoch die Fundamentaldaten, lässt sich das Verhalten des Metalls leicht erklären. Gold ist in einen „perfekten Sturm“ geraten, in dem die Rolle des primären sicheren Hafens vorübergehend vom US-Dollar übernommen wurde und sich inflationsbedingte Risiken paradoxerweise gegen das Metall gewendet haben.

XAU/USD: Warum Gold trotz Krieg im Nahen Osten fällt, statt zu steigen

Am Mittwoch, dem 4. März, konsolidiert sich XAU/USD knapp oberhalb von 5.150,00 $, stößt unterhalb der wichtigen kurzfristigen Marke von 5.180,00 $ (der 200‑Perioden‑EMA im 1‑Stunden‑Chart) auf Widerstand und verzeichnet moderate Intraday‑Gewinne von rund 1,50 %. Dies geschieht vor dem Hintergrund anhaltender Sorgen der Anleger über einen langwierigen Konflikt im Nahen Osten. US‑Präsident Donald Trump erklärte, die Militäroperation im Iran könne vier bis fünf Wochen dauern und die Angriffe würden so lange fortgesetzt, wie nötig.

Normalerweise würde die geopolitische Lage Gold stützen, dennoch ist der Preis von den Monatshochs über 5.400,00 $ gefallen. Um zu verstehen, warum das so ist, betrachten wir vier Schlüsselfaktoren.

Die 4 Hauptgründe für den Goldrückgang

  1. Der US‑Dollar hat die Rolle des primären „sicheren Hafens“ übernommen. In Phasen extremer Unsicherheit und Panik suchen Anleger nach dem verlässlichsten und liquidesten Anlagegut. Zu Beginn der Woche war dies der US‑Dollar. Dollarstärke: Der US‑Dollar‑Index (USDX) sprang am Dienstag, dem 3. März, auf ein Drei‑Monats‑Hoch nahe 99,65, da globale Kapitalströme in die US‑Währung flossen.
  • Negative Korrelation: Gold wird in US‑Dollar notiert. Wenn der Dollar stark aufwertet, wird der Goldkauf für Inhaber anderer Währungen deutlich teurer, was die Nachfrage naturgemäß dämpft.

2. Der inflationsbedingte Schock durch Öl hat sich gegen Gold gewendet. Die Blockade der Straße von Hormus – durch die rund 20 % des weltweiten Öls transportiert werden – hat einen Sprung der Energiepreise auf Niveaus ausgelöst, die zuletzt im Juni 2025 gesehen wurden. Iran warnte, es werde keinen Öltransport aus der Region zulassen, was die Sorge vor einer neuen Energiekrise verstärkt.

  • Stagflationsrisiko: Steigende Ölpreise treiben die Inflation nach oben und gefährden gleichzeitig das Wirtschaftswachstum, wodurch die Fed in eine schwierige Lage gerät.
  • Marktpanik: Steigende Renditen von Staatsanleihen und fallende Aktienmärkte signalisieren starken Stress. In einer solchen Panik halten Anleger lieber Liquidität, statt Edelmetalle oder Aktien zu kaufen.
  • 3. Ein „hawkisher“ Schwenk bei den Zinserwartungen gegenüber der Fed. Das ist der entscheidende Punkt. Gold reagiert äußerst sensibel auf Zinsen, da es selbst keine laufenden Erträge abwirft.
  • Ende der Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung: Höhere Ölpreise haben die Inflationserwartungen steigen lassen. Der Markt erkennt nun, dass die Fed die Zinsen nicht rasch senken kann, ohne die Inflation weiter anzuheizen. Eine neue Energiekrise könnte die Pläne für eine geldpolitische Lockerung verzögern oder abschwächen.
  • Höhere Opportunitätskosten: Wenn die Erwartungen an Zinssenkungen verschwinden, werden US‑Dollar oder Anleihen im Vergleich zu Gold attraktiver. Anleger nehmen Gewinne mit und schichten in zinstragende Anlagen um.
  • 4. Technische Faktoren und Gewinnmitnahmen: Gold hatte vor dem Rückgang Monatshochs über 5.400,00 $ erreicht.
  • Überkaufte Marktsituation: Der Markt war extrem überhitzt.
  • Umfangreiche Gewinnmitnahmen: Als die Panik einsetzte, beeilten sich Anleger mit hohen Buchgewinnen, diese zu realisieren. Dadurch entstand ein Schneeballeffekt, bei dem die Zahl der Verkäufer die der Käufer deutlich überstieg.

Wichtigste Schlussfolgerung

Kurzfristig hat die Angst vor unkontrollierter Inflation und einer restriktiveren Federal Reserve (oder zumindest dem Verzicht auf Lockerungsmaßnahmen) die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen überwogen. Anleger sorgen sich derzeit stärker über die Folgen des Konflikts, ein nachlassendes globales Wachstum und anhaltend hohe Zinsen als über den Krieg selbst.

Kurzfristige technische Analyse

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Im 1‑Stunden‑Chart hat sich der kurzfristige Trend nach unten gedreht. Der Kurs ist von der oberen Begrenzung des aufwärts gerichteten Trendkanals im 4‑Stunden‑Chart nahe 5.415,00 $ zurückgelaufen, der die Rally seit Anfang Februar getragen hatte.

Wichtige Unterstützungszonen:

  • 5.160,00–5.130,00 $ (nächste Unterstützung)
  • 5.100,00 $ (runde Marke)
  • 5.050,00–4.985,00 $ (tiefere Unterstützung sowie 144‑ und 200‑Perioden‑EMAs im 4‑Stunden‑Chart)

Wichtige Widerstandszonen:

  • 5.180,00 $ (kurzfristiger Widerstand und 200‑Perioden‑EMA im 1‑Stunden‑Chart)
  • 5.200,00 $ (nächste Hürde und 144‑Perioden‑EMA im 1‑Stunden‑Chart)
  • 5.320,00–5.380,00 $ (jüngere Handelsspanne)
  • 5.400,00 $ (Monatshoch und runde Marke)

Der Tages‑RSI (14) erholt sich in Richtung 55,40 und signalisiert damit einen noch vorhandenen Aufwärtsimpuls. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt intakt, steht aber unter Druck.

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Ausblick

Trotz des Rückgangs sehen Ökonomen den Aufwärtstrend bei Gold nicht als gebrochen an. Die Korrektur ist heftig, aber vermutlich technischer Natur. Alle Augen richten sich auf die Zone von 4.985,00–5.100,00 US-Dollar: Kann sich Gold oberhalb dieses Bereichs behaupten, besteht die Chance auf eine Fortsetzung des Anstiegs. Sobald die Panik nachlässt und die Sorge um Stagflation anhält, dürfte Gold wieder an Attraktivität gewinnen. Sollte sich herausstellen, dass die Fed die Inflation nicht durch Zinserhöhungen bekämpfen kann (wegen des Rezessionsrisikos), sollte das Edelmetall erneut profitieren.

Worauf kommt es heute an?

Marktteilnehmer achten auf den ADP-Beschäftigungsbericht für den privaten Sektor und den ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor. Diese Daten könnten jedoch in den Hintergrund treten, da die Aufmerksamkeit stark auf die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten gerichtet ist.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ungeachtet der traditionellen Rolle von Gold als sicherer Hafen in Zeiten geopolitischer Risiken sein kurzfristiges Verhalten von einer Reihe von Faktoren bestimmt werden kann, darunter:

  • die Stärke des US-Dollars und die Anleiherenditen
  • die Reaktion der Finanzmärkte auf geopolitische Instabilität
  • Erwartungen hinsichtlich geldpolitischer Lockerung im Vergleich zu anhaltend hohen Zinsen

In einer solchen Situation kann ein stärkerer Dollar inmitten von Risikoängsten die Goldpreise nach unten drücken, selbst wenn sich die geopolitischen Spannungen verschärfen. Der aktuelle Rückgang markiert jedoch nicht das Ende der Gold-Ära – er ist eine deutliche Erinnerung daran, dass in Phasen extremen Stresses Bargeld (der US-Dollar) oft die Oberhand hat. Mittel- bis langfristig bleiben die fundamentalen Treiber für Gold (Geopolitik, Inflation und Verschuldung) intakt. Anleger, die nach Einstiegschancen suchen, sollten die Reaktion im Bereich von 5.100,00 US-Dollar und die wichtige Unterstützung nahe 5.000,00 US-Dollar genau beobachten.

*Die zur Verfügung gestellte Marktanalyse dient zu den Informationszwecken und sollte als Anforderung zur Eröffnung einer Transaktion nicht ausgelegt werden
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