Das Währungspaar Euro/US?Dollar bewegt sich derzeit in einer Phase erhöhter Kursschwankungen. Gestern drückten die Verkäufer EUR/USD auf ein Viermonatstief bei 1,1505, doch anschließend übernahmen die Käufer die Initiative und die Sitzung schloss bei 1,1612.

Risikobehaftete Anlagen erfreuten sich wieder größerer Nachfrage, gestützt durch einen sich stabilisierenden Ölpreis und scheinbar versöhnliche Äußerungen von Donald Trump, der andeutete, der Krieg im Nahen Osten könne bald enden. Auch wenn diese Behauptung höchst fragwürdig ist, waren die Marktteilnehmer – wie es so schön heißt – bereit, sich beruhigen zu lassen. Deeskalierende Signale wurden für bare Münze genommen, während gegenteilige Hinweise (auf die wir unten eingehen) weitgehend ignoriert wurden.
Das Ergebnis ist eine trügerische und sogar gefährliche Situation für EUR/USD-Käufer: verbale Friedenssignale könnten mit einer harten Realität kollidieren.
Was hat Trump also konkret gesagt? Er erklärte, die Vereinigten Staaten seien kurz davor, ihre Ziele im Iran zu erreichen, und daher sei der Krieg in der Region nahezu beendet.
Diese Rhetorik überraschte die Märkte, denn noch vor Kurzem wurde berichtet, der Präsident erwäge eine Bodenoffensive und der Konflikt könne sich mindestens bis September hinziehen. Trump hat wiederholt einen möglichen Regimewechsel im Iran zugunsten einer Regierung angedeutet, die Washington gegenüber aufgeschlossener wäre, und die Iraner dazu aufgerufen, sich ihr Land „zurückzuholen“.
Gleichzeitig ist der öffentliche Kurs der USA vorsichtiger geworden. Vertreter des Weißen Hauses und des Pentagon erklärten, die Operation sei kein Krieg zum Regimewechsel, sondern verfolge engere Ziele – die nach ihrer Darstellung nahezu erreicht seien: die Raketenfähigkeiten Irans zu schwächen, militärische Infrastruktur zu zerstören und zu verhindern, dass Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt.
Kurz gesagt: Trump hat deutlich gemacht, dass er einen schnellen Sieg und keinen langwierigen Bodenkrieg will. Der Markt nahm diese Interpretation positiv auf, und die Risikobereitschaft – auch gegenüber dem Euro – stieg.
Doch es gibt einen wichtigen Punkt: Iran widerspricht Trumps Aussagen direkt. Vertreter der IRGC erklärten, ihnen seien die Hände für eine Ausweitung des Krieges gebunden, und sie allein würden entscheiden, wann der Konflikt endet. Zur Untermauerung dieser Haltung griffen iranische Streitkräfte in der Nacht den Luftwaffenstützpunkt Harir in der Autonomen Region Kurdistan im Irak an. Laut Der Spiegel feuerte Iran zudem Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Azraq in Jordanien ab, auf dem US- und Bundeswehrsoldaten stationiert sind. Darüber hinaus setzt Iran seine täglichen Raketenangriffe auf Israel fort.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die ungelöste Lage in der Straße von Hormus. Gestern erklärte die IRGC, sie werde die Durchfahrt durch die Meerenge nur Ländern gestatten, die US- und israelische Diplomaten ausweisen. Trump seinerseits warnte, die Vereinigten Staaten würden Iran zwanzigmal härter treffen, sollte Teheran irgendwelche Maßnahmen ergreifen, um den Ölfluss durch die Straße zu blockieren.
Lässt sich unter diesen Umständen überhaupt von Deeskalation sprechen? Gemessen an der Marktreaktion preisen Händler ein baldiges Kriegsende ein, doch der Nachrichtenfluss deutet bisher eher auf das Gegenteil hin.
Aus meiner Sicht wird der zentrale Indikator für eine tatsächliche Deeskalation die faktische Wiedereröffnung der Straße von Hormus sein. Erst dann ließe sich von einer echten Stabilisierung des Ölmarktes sprechen. Derzeit wird die Korrektur überwiegend von verbalen „Optimismus-Injektionen“ getragen.
Nach Angaben von Bloomberg hat Saudi-Arabien seine Förderung um 2,0–2,5 Millionen Barrel pro Tag zurückgefahren, der Irak um fast 3 Millionen Barrel, die VAE um 500–800 Tausend Barrel und Kuwait um rund 500 Tausend Barrel. Die Produktionskürzungen im Nahen Osten nehmen zu, während die Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt.
Trumps Drohungen, die Meerenge mit Gewalt wieder zu öffnen, bleiben bislang rhetorischer Natur. Sollten sie jedoch in die Tat umgesetzt werden, könnte dies die Eskalation mit all ihren Konsequenzen erneut anfachen.
Analysten des The Wall Street Journal argumentieren, dass sowohl Trump als auch Iran den Verlauf des Konflikts falsch eingeschätzt hätten: Die US-Angriffe hätten das iranische Regime weder gestürzt noch ein Ergebnis wie in Venezuela hervorgerufen, während iranische Angriffe auf Nachbarstaaten deren Regierungen nicht dazu gebracht hätten, Druck auf Washington auszuüben, um Irans Forderungen zu akzeptieren. Laut dem Journal hat dies zu einem sich ständig ausweitenden Konflikt ohne klar erkennbaren Ausweg geführt.
Vor diesem Hintergrund erscheint mir der jüngste Anstieg von EUR/USD verfrüht und weitgehend vorweggenommen. Sollten sich die Hoffnungen auf eine schnelle Deeskalation als unbegründet erweisen, dürfte die Marktreaktion spiegelbildlich ausfallen: Der Dollar würde seine Funktion als sicherer Hafen zurückgewinnen, und EUR/USD käme erneut unter Druck.
Daher ist es trotz des kräftigen, scheinbar ungebrochenen Aufwärtsimpulses ratsam, die Paarung mit Vorsicht zu betrachten – angesichts der kriegerischen Verlautbarungen der IRGC, der faktischen Blockade der Straße von Hormus und der anhaltenden iranischen Angriffe auf US- (und nun auch deutsche) Militärstandorte sowie Ölinfrastruktur.
Taktischer Ausblick: Nutzen Sie jede korrektive Aufwärtsbewegung im EUR/USD, um Short-Positionen mit Zielen bei 1,1600 und 1,1550 (unteres Bollinger-Band im H4-Chart) in Betracht zu ziehen.
