
*siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für den USDX
Der US-Dollar-Index (USDX) steht kurz davor, seine Gewinne bereits die vierte Woche in Folge auszubauen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und vor Eröffnung der US-Sitzung notiert er über der psychologisch wichtigen Marke von 100,00 und damit auf dem höchsten Stand seit November 2025.

Der Hauptprofiteur der aktuellen Lage ist die Nachfrage nach dem US?Dollar als wichtigste "Safe-Haven"-Währung, bedingt durch die Eskalation im Nahen Osten und eine radikale Neubewertung der Erwartungen an die Geldpolitik der Federal Reserve.
Aktuelle Lage: Geopolitik, Ölschock und hawkisher Fed-Pivot
Der zentrale Treiber der Dollar-Rally bleibt die laufende Militäroperation „Operation Epic Fury“ und ihre Folgen. Die US-Regierung und das Pentagon haben nach vorliegenden Berichten die Entschlossenheit Irans zu einer kraftvollen Reaktion unterschätzt, einschließlich einer faktischen Schließung der Straße von Hormus. Irans neuer Oberster Führer, Mojtaba Khamenei, hat bestätigt, dass die Meerenge, durch die rund 20 % der weltweiten Ölversorgung transportiert werden, geschlossen bleiben müsse und dass Angriffe auf Nachbarn im Persischen Golf fortgesetzt würden.
Dies schafft eine einzigartige Situation, in der ein geopolitischer Schock nicht nur vorübergehend die Nachfrage nach „Safe-Haven“-Anlagen erhöht, sondern auch einen nachhaltigen Trend der Neubewertung von Risiken auslöst. Der März begann mit dem Iran-Konflikt als der dominanten Variable an den globalen Märkten, wodurch Händler gezwungen sind, fundamentale Makrodaten vorübergehend in den Hintergrund zu rücken.
Die Schließung der Meerenge löste einen explosiven – wenn auch korrigierenden – Anstieg der Ölpreise aus, der wiederum die Inflationserwartungen grundlegend verändert. Die US-Benzinpreise sind in den vergangenen 12 Tagen bereits um rund 20 % gestiegen, was Ökonomen zufolge die Inflation bis Monatsende um mindestens 1,0 % nach oben treiben wird.
Damit bleibt den Fed-Vertretern beim März-Treffen kaum Spielraum für eine dovishe Ausrichtung, und die Märkte haben ihre Erwartungen an Zinssenkungen deutlich zurückgefahren. Hatten Anleger vor dem Konflikt noch rund 50 Basispunkte an Lockerung bis Jahresende eingepreist, liegen diese Erwartungen nun bei etwa 20 Basispunkten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im März eine Pause einlegt, wird von den Märkten inzwischen als nahezu sicher angesehen: Die Kombination aus geopolitischem Schock und steigenden Ölpreisen erhöht das Risiko von Stagflation und schafft ein Umfeld, in dem der Dollar der bevorzugte „Safe Haven“ ist.
Fundamentaler Rahmen: Makrodaten treten in den Hintergrund
Die in dieser Woche veröffentlichten Daten zur US-Wirtschaft bestätigten ihre Widerstandskraft, konnten jedoch den dominanten geopolitischen Trend nicht umkehren.
Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 213.000 und übertrafen damit die Prognosen. Ökonomen werten dies als Zeichen dafür, dass der starke Rückgang der Beschäftigung im Februar (-92.000) eine vorübergehende Ausreißerbewegung war und dass sich der Arbeitsmarkt weiterhin stabil zeigt, sodass die Fed den Leitzins im Korridor von 3,50 %–3,75 % halten kann.
Inflation. Der Verbraucherpreisindex (CPI) für Februar entsprach mit 2,4 % im Jahresvergleich den Erwartungen, der Kern-CPI lag bei 2,5 %. Diese Werte spiegeln jedoch den Preissprung bei Energie nach Ausbruch des Konflikts noch nicht wider, sodass die Marktreaktion verhalten blieb.
Heutiger Fokus: PCE-Daten. Im heutigen Handel liegt der Schwerpunkt auf den endgültigen BIP-Daten für das 4. Quartal und vor allem auf dem Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) im Januar – dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed. Für den Kern-PCE wird ein Anstieg von 3,0 % auf 3,1 % erwartet. Wie beim CPI sind auch hier die jüngsten Ölpreisschocks noch nicht enthalten, sodass diese Zahlen die Märkte voraussichtlich nicht entscheidend bewegen werden, während die Händler bereits weiter in die Zukunft blicken.
Fazit
Der US?Dollar ist in eine entscheidende Phase eingetreten. Ein beispielloses Zusammentreffen von Faktoren – eine langwierige geopolitische Krise im Nahen Osten, die faktische Blockade eines zentralen Ölkorridors und eine erzwungene Pause bei der geldpolitischen Lockerung der Fed – hat einen kräftigen Rückenwind für die US-Währung erzeugt.
Die Schlüsselfront 99,00–100,00 wird in den kommenden Tagen zum Schauplatz einer entscheidenden Auseinandersetzung. Ein Durchbruch und anschließendes Halten oberhalb der psychologischen Marke von 100,00 würde den Weg für neue Mehrmonatshochs des Dollars freimachen. Gelingt der Sprung über diese Hürde nicht, dürfte der Index in eine Konsolidierungszone von 99,00–99,40 zurückfallen, wobei der Aufwärtstrend intakt bliebe.
Unabhängig vom Szenario wird die Volatilität extrem hoch bleiben. Anleger sollten die Schlagzeilen aus der Region des Persischen Golfs genau verfolgen; diese werden den meisten makroökonomischen Veröffentlichungen an Bedeutung überlegen sein. Im Vorteil sind jene, die in der Lage sind, die langfristigen Implikationen der Energiekrise für die Geldpolitik zu beurteilen und sie von kurzfristigen spekulativen Bewegungen zu unterscheiden.
*siehe auch US Dollar Index (USDX): dynamics scenario for 13.03.2026
