
Das Währungspaar EUR/USD handelte am Mittwoch relativ ruhig, was auf das vollständige Fehlen bedeutender makroökonomischer und fundamentaler Ereignisse sowie auf bloße geopolitische Gerüchte zurückzuführen ist. Aus Sicht der Fundamentaldaten und der Makroökonomie überrascht uns ein solches Marktverhalten überhaupt nicht. Seit über einem Monat reagieren die Händler ausschließlich auf geopolitische Ereignisse. Andernfalls würde der Dollar erneut munter in den Abgrund stürzen. Es sei daran erinnert, dass nahezu alle jüngsten Daten von jenseits des Atlantiks enttäuschend ausgefallen sind, der Dollar aber dennoch als „sicherer Hafen“ gefragt bleibt. Zudem haben die EZB und die Bank of England ihre Bereitschaft signalisiert, auf der nächsten Sitzung die Leitzinsen anzuheben, um auf eine voraussichtliche Beschleunigung der Inflation zu reagieren, während die Fed lediglich eine weitere Lockerung auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Damit sprechen fast alle Faktoren – mit Ausnahme der Geopolitik – klar gegen den Dollar.
Der Dollar bleibt jedoch relativ teuer, weil die Lage im Nahen Osten weiterhin ungelöst ist. Es kursiert eine enorme Zahl von Gerüchten und „Insider“-Berichten, die völlig gegensätzliche Entwicklungen andeuten. Einige deuten auf aktive Vorbereitungen für Verhandlungen hin, andere sprechen von einer neuen Eskalation militärischer Aktionen. Wem soll man glauben? Der Markt glaubt inzwischen niemandem mehr. Wenn am Montag Donald Trump offen erklärte, er führe produktive Gespräche mit dem Iran, und Teheran nur eine halbe Stunde später sichtlich irritiert jede Vorstellung von Verhandlungen zurückwies, welcher Insider-Information sollen Händler dann noch vertrauen?
Man muss verstehen, dass die meisten sogenannten Insider-Meldungen bloße Zeitungsenten sind, die dazu dienen, den Traffic auf einer bestimmten Plattform zu erhöhen oder den Absatz bestimmter Publikationen zu steigern. Mit anderen Worten: Es handelt sich um gängige journalistische Methoden, um Aufmerksamkeit auf die eigenen Artikel zu lenken und daraus Profit zu schlagen. In der Regel wird die Quelle des Insiders nicht einmal offengelegt. Genau deshalb nennt man es ja einen Insider! Somit kann jeder Journalist alles behaupten und sich dabei auf „eigene Quellen“ berufen. Die Wahrhaftigkeit solcher Aussagen und Meldungen lässt sich derzeit durchaus beurteilen. Die offizielle Position Irans lautet, dass es derzeit keine Verhandlungen gibt und sie darüber hinaus für sinnlos gehalten werden.
Gerüchten zufolge hat Donald Trump über Pakistan ein 15-Punkte-Abkommen an Teheran herangetragen, dessen Inhalt unbekannt ist. Man kann lediglich vermuten, dass es um eine Lockerung der Sanktionen und um Verhandlungen über das iranische Atomprogramm geht. Gleichzeitig haben die USA begonnen, Bodentruppen in den Nahen Osten zu verlegen, vermutlich für den Fall, dass Verhandlungen scheitern. Doch wie können Verhandlungen scheitern, wenn sie überhaupt nicht stattfinden? All dies erweckt den Eindruck, dass Trump eifrig so tut, als wolle er den Krieg beenden, oder schlicht nicht weiß, wie er dies bewerkstelligen soll und deshalb zu jeglichen Maßnahmen bereit ist. Weitaus wahrscheinlicher ist jedoch nicht ein Verhandlungsdurchbruch, sondern eine weitere Eskalation. Der Iran bleibt bei seiner Haltung – niemand soll es wagen, Teheran vorzuschreiben, was zu tun ist. Solange Washington diese Position eines souveränen Staates nicht akzeptiert, sind Verhandlungen per Definition unmöglich.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten fünf Handelstagen beträgt zum 26. März 109 Pips und wird als „hoch“ eingestuft. Wir erwarten, dass das Paar am Donnerstag in einer Spanne zwischen 1,1461 und 1,1679 gehandelt wird. Der obere lineare Regressionstrendkanal hat nach unten gedreht, was auf einen Trendwechsel hindeutet. Der CCI-Indikator ist in den überverkauften Bereich eingetreten und hat eine „bullische“ Divergenz ausgebildet, was erneut auf ein mögliches Ende des Abwärtstrends hinweist.
Nächste Unterstützungsniveaus:
S1 – 1,1475
S2 – 1,1353
S3 – 1,1230
Nächste Widerstandsniveaus:
R1 – 1,1597
R2 – 1,1719
R3 – 1,1841
Handelsempfehlungen:
Das EUR/USD-Paar setzt seine Korrektur fort und hat Chancen auf eine Erholung. Der übergeordnete fundamentale Hintergrund bleibt für den Dollar äußerst negativ. Seit über einem Monat konzentriert sich der Markt jedoch ausschließlich auf die Geopolitik, wodurch alle anderen Faktoren nahezu in den Hintergrund treten. Befindet sich der Kurs unterhalb des gleitenden Durchschnitts, können Short-Positionen mit Zielen bei 1,1475 und 1,1353 in Betracht gezogen werden. Oberhalb der Linie des gleitenden Durchschnitts bleiben Long-Positionen mit Zielen bei 1,1963 und 1,2085 relevant, allerdings müsste sich hierfür das geopolitische Umfeld zumindest etwas aufhellen.
Erläuterungen zu den Abbildungen:
Lineare Regressionstrendkanäle helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Zeigen beide in dieselbe Richtung, bedeutet dies, dass der Trend derzeit stark ist;
Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20,0, smoothed) definiert den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die aktuell gehandelt werden sollte;
Murray-Level sind Zielmarken für Bewegungen und Korrekturen;
Volatilitätsniveaus (rote Linien) stellen den wahrscheinlichen Preiskanal dar, in dem sich das Paar auf Basis der aktuellen Volatilitätskennzahlen in den nächsten 24 Stunden bewegen wird;
Der CCI-Indikator – sein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter -250) oder in den überkauften Bereich (über +250) signalisiert, dass eine Trendumkehr in die entgegengesetzte Richtung unmittelbar bevorstehen könnte.
