Der Goldpreis hat nach einer moderaten zweitägigen Erholung seinen Abwärtstrend wieder aufgenommen, da Händler die widersprüchlichen Aussagen der USA und des Iran zu Friedensverhandlungen im Nahen Osten neu bewerten.

Gestern hielt sich der Goldpreis zunächst bei rund 4.500 US‑Dollar je Unze, bis das Weiße Haus bekannt gab, dass die Verhandlungen mit dem Iran produktiv vorankämen und ein 15‑Punkte‑Friedensangebot ausgearbeitet worden sei. Teheran wies die US‑Vorschläge zur Beendigung des Konflikts jedoch gestern öffentlich zurück und legte eigene Bedingungen vor, was den Druck auf den Goldpreis rasch wieder erhöhte.
Warum fällt Gold in einer Situation, in der das Risiko einer Eskalation des militärischen Konflikts steigt? Die Antwort ist einfach: Der starke Anstieg der Energiepreise, der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen wird, da die USA – trotz fortgesetzter diplomatischer Verhandlungen – Tausende von Soldaten für eine Bodenoffensive in die Region verlegt haben, führt weltweit zu einem deutlich stärkeren Inflationsdruck. Das zwingt die Zentralbanken, einschließlich der Fed, die Zinsen kräftig anzuheben. Hohe Zinsen wirken sich stets negativ auf den Goldpreis aus, da sie Gold als Anlage weniger attraktiv machen.
Seit Beginn des Krieges, der nun seit fast einem Monat andauert, ist der Goldpreis um nahezu 15 % gefallen und hat sich dabei typischerweise parallel zu Aktien und gegenläufig zum Ölpreis bewegt. Der starke Anstieg der Energiepreise hat das Inflationsrisiko verschärft und die Anleger dazu veranlasst, darauf zu setzen, dass die Zentralbanken die Zinsen unverändert lassen oder weiter anheben. Wie oben erwähnt, schafft dies Gegenwind für unverzinsliche Edelmetalle.
Die Aussicht auf eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve könnte durch das Risiko einer wirtschaftlichen Abschwächung in den USA infolge eines länger andauernden Krieges gedämpft werden. Viele Ökonomen senken bereits ihre Prognosen für die US‑Wirtschaft in diesem Jahr, heben im Gegenzug aber ihre Erwartungen für Inflation und Arbeitslosigkeit an und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit einer Rezession.
Laut den Daten sind seit Beginn des Krieges rund 85 Tonnen Gold über börsengehandelte Fonds gekauft worden. Selbst bei einem Preis von 4.500 US‑Dollar je Unze befinden sich weitere 83 Tonnen noch im Verlust und sind damit anfällig für Liquidationen.

Was das aktuelle technische Bild bei Gold angeht, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.481 $ zurückerobern. Dadurch würde sich ein Ziel bei 4.531 $ eröffnen, wobei ein Ausbruch darüber hinaus bereits recht schwierig werden dürfte. Das entfernteste Ziel liegt im Bereich von etwa 4.591 $. Kommt es hingegen zu einem Rückgang des Goldpreises, werden die Bären versuchen, die Marke von 4.432 $ unter ihre Kontrolle zu bringen. Gelingt dies, würde ein Durchbruch dieser Spanne die bullischen Positionen erheblich schwächen und Gold auf ein Tief von 4.372 $ drücken, mit der Aussicht auf einen weiteren Rückgang bis auf 4.304 $.
