Das Währungspaar EUR/USD setzt seine schwache Aufwärtsbewegung fort (oder hat sie zumindest noch nicht beendet) – vor dem Hintergrund völliger geopolitischer Unsicherheit. In den vergangenen Tagen hat das Paar mehrmals die Richtung gewechselt, während die Marktteilnehmer Chartformationen weitgehend ignoriert haben. Am Montag erklärte Donald Trump, der Krieg im Nahen Osten werde bald enden, was umgehend dazu führte, dass die Bären sich zurückzogen. Doch bereits eine halbe Stunde später meldete Iran, dass es keine Verhandlungen mit den USA gebe und dass die Straße von Hormus weiterhin geschlossen bleibe. In den folgenden Tagen bestätigte Teheran diese Position mehrfach. Trader, die Trump am Montag Glauben geschenkt hatten, ließen sich von derselben Erzählung nicht noch einmal überzeugen. Heute wurde außerdem bekannt, dass Teheran sogar chinesische Tanker (China ist ein Verbündeter Irans) abweist und einen Tanker zerstört hat, der versucht hatte, die Straße von Hormus eigenständig zu durchqueren. Damit neigen die Marktteilnehmer nun dazu, ausschließlich Teheran zu vertrauen.

Das Wachstum des US-Dollars in den letzten 4–5 Wochen wurde vollständig von der Geopolitik getragen. Deshalb habe ich wiederholt betont, dass ich trotz des Bruchs wichtiger trendbildender Tiefs nicht an das Ende des Aufwärtstrends glaube. Derzeit kann Ungleichgewicht 12 als aufgehoben betrachtet werden, gleichzeitig ist jedoch keine Reaktion auf Ungleichgewicht 11 zu erkennen. Somit könnten die Bullen ihre Versuche, den Kurs weiter nach oben zu treiben, fortsetzen, während die Bären ihre Offensive wieder aufnehmen könnten. Die Kursbewegung der letzten zwei Monate könnte in einen Abwärtstrend übergehen, falls die Geopolitik den Dollar weiterhin deutlich stützt. Im Moment bin ich allerdings nach wie vor nicht überzeugt, dass der Aufwärtstrend beendet ist. In jedem Fall gibt es aktuell keine neuen Signale – weder bullische noch bärische.
Eine weitere Stärkung des US-Dollars ist nur möglich, wenn die Geopolitik die Bären weiter deutlich unterstützt. Wie bereits erwähnt, müsste sich dafür die Lage im Nahen Osten nicht nur angespannt halten, sondern sich noch weiter verschlechtern. Wie könnte es noch schlimmer kommen, als es ohnehin schon ist? Die Ölpreise müssten ihren Anstieg in Richtung 150–200 US-Dollar pro Barrel fortsetzen (was sie derzeit tun), weitere Länder müssten in den Konflikt hineingezogen werden, und die Volkswirtschaften der entwickelten Länder müssten erheblich unter den hohen Öl- und Gaspreisen leiden. Außerdem müsste sich der Konflikt über viele Monate hinziehen. Zuvor hatte ich gesagt, dass ich keine Voraussetzungen für ein solches Szenario sehe, aber bisher gibt es aus dem Nahen Osten keine positiven Nachrichten. Die Lage könnte sich jederzeit wieder zuspitzen.
Derzeit gibt es keine neuen Setups zum Eröffnen von Positionen. Kurzfristig könnte lediglich Ungleichgewicht 11 „abgearbeitet“ werden, und falls der Kurs auf dieses Muster reagiert, könnten Trader eine Gelegenheit für Short-Positionen erhalten. Momentan bleibt Ungleichgewicht 11 jedoch (zum zweiten Mal) ungetestet, und es existieren keine weiteren Handelsmuster.
Die Struktur des Charts signalisiert weiterhin eine Dominanz der Bullen. Der Aufwärtstrend ist noch intakt, doch stehen die Bullen zurzeit aufgrund der stark wechselnden Nachrichtenlage unter Druck. Um neue Long-Positionen zu eröffnen, werden neue bullische Muster benötigt oder zumindest Liquiditätssweeps der letzten beiden bärischen Swings. Ein Liquiditätssweep hat stattgefunden, stellt für sich genommen jedoch noch kein handelbares Muster dar.
Am Freitag gab es im Grunde keine relevanten Nachrichten. Weder aus Europa noch aus den USA wurden wichtige Daten veröffentlicht. Donald Trump beharrt weiterhin darauf, dass Verhandlungen mit dem Iran im Gange seien, und hat Luftangriffe auf iranische Energieanlagen erneut verschoben. Diese Aussagen konnten weitere Anstiege beim Dollar und beim Öl jedoch kaum bremsen.
Die Bullen haben nach wie vor viele Gründe, auf höhere Kurse zu setzen, und selbst der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat diese nicht wesentlich geschmälert. Strukturell und im großen Bild haben sich die von Trump verfolgten politischen Ansätze – die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Schwächung des Dollars geführt hatten – nicht verändert. Kurzfristig könnte sich die US-Währung aufgrund von Risikoaversion weiter stärken, doch dieser Faktor kann sie nicht dauerhaft tragen. Weitere starke stützende Faktoren für den Dollar sind derzeit nicht erkennbar.
Ich glaube weiterhin nicht an einen nachhaltigen Abwärtstrend. Der Dollar hat vom Markt eine vorübergehende Unterstützung erhalten, doch ist unklar, wie lange diese Situation anhält. Allerdings ist der Aufwärtstrend gebrochen, und das muss man anerkennen. Es besteht weiterhin die Chance auf einen Liquiditätssweep und eine Trendfortsetzung, doch könnte die Geopolitik erneut stark auf EUR/USD lasten und das Paar nach unten drücken.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
Deutschland – Verbraucherpreisindex (12:00 UTC).
Am 30. März enthält der Wirtschaftskalender nur einen Eintrag, der nicht von größerem Interesse ist. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung am Montag dürfte daher schwach oder gar nicht vorhanden sein.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Aus meiner Sicht befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Das Nachrichtenumfeld hat vor drei Wochen abrupt die Richtung gewechselt, doch der Trend selbst kann noch nicht als vollständig aufgehoben oder beendet gelten. Daher benötigen Trader in der näheren Zukunft neue Muster und Signale, um kurzfristige Prognosen zu erstellen und Positionen zu eröffnen.
In naher Zukunft könnten die Bären ein Signal aus Ungleichgewicht 11 erhalten, während auch die Aufhebung von Ungleichgewicht 12 als Signal zu werten ist. Die Bullen wiederum können lediglich auf die Ausbildung neuer bullischer Muster und weiterer Kaufsignale hoffen.
