
Zu Beginn der neuen Woche setzt Gold (XAU/USD) seine Aufwärtsbewegung den zweiten Tag in Folge fort. Der Kurs erholt sich von einem zwischenzeitlichen Rückgang in Richtung der Marke von 4.420 USD und markierte in der europäischen Vormittagssitzung ein neues Hoch nahe 4.550 USD. Der U.S. Dollar Index (DXY), der die Entwicklung der US‑Währung gegenüber einem Korb wichtiger Leitwährungen widerspiegelt, blieb leicht unter seinem Monatshoch zurück und verschaffte dem Edelmetall zusätzlichen Auftrieb. Dennoch begrenzen die Erwartungen einer weiteren globalen Straffung der Geldpolitik die Nachfrage nach Gold. Anleger gehen zunehmend davon aus, dass die großen Zentralbanken an einem restriktiven Kurs festhalten werden, da die durch militärische Auseinandersetzungen getriebenen höheren Energiepreise die Inflationsrisiken weiter verschärfen.
Die geopolitischen Spannungen haben sich deutlich verschärft, nachdem Berichte bekannt wurden, wonach die Vereinigten Staaten eine Bodenoffensive im Iran in Erwägung ziehen und den Konflikt mit den von Teheran unterstützten Houthi-Milizen aus dem Jemen ausweiten könnten. In den vergangenen 24 Stunden hat diese Gruppe eine Reihe von Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel verübt und vor weiteren Attacken in den kommenden Tagen gewarnt. Die Eskalation eröffnet de facto eine neue Front und erhöht die geopolitische wie wirtschaftliche Unsicherheit, wodurch die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher Störungen der internationalen Handelsströme durch die Straße von Bab al‑Mandab steigt. Ein weiterer Risikofaktor ist eine teilweise Blockade der Straße von Hormus, die die Ölpreise auf einem erhöhten Niveau hält und die Inflation erneut anheizen könnte. Vor diesem Hintergrund hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Inflationsprognose für die USA auf 4,2 % nach oben revidiert – deutlich über ihrer bisherigen Schätzung und dem 2,7 %-Ziel der Federal Reserve. Zudem geht die OECD in ihrem Basisszenario davon aus, dass die Fed die Zinsen mindestens bis 2027 unverändert lässt. Unterdessen signalisiert das FedWatch-Tool der CME Group bereits für 2026 eine Wahrscheinlichkeit von über 50 % für eine Zinserhöhung. Diese Gemengelage stützt tendenziell den US‑Dollar und veranlasst Anleger dazu, bei der Eröffnung von Long-Positionen in Gold vorsichtig zu agieren.
Aus technischer Sicht zeigen sich Konsolidierungstendenzen: Das Chartbild signalisiert, dass es einer Bestätigung anhaltender Kaufdynamik bedarf, bevor man von der Ausbildung eines lokalen Bodens in der Nähe der 200‑Tage‑SMA – beziehungsweise der Anfang dieses Monats verzeichneten Tiefststände seit November 2025 – mit größerer Sicherheit ausgehen kann.
Die Oszillatoren notieren im negativen Bereich und bestätigen damit die Dominanz der Bären am Markt. Für eine weitere Aufwärtsbewegung müssten die Bullen zunächst einen Ausbruch über die 100‑Tage‑SMA schaffen.
