Das Währungspaar Euro/US-Dollar testete zu Beginn der neuen Handelswoche die Marke von 1,14 und erreichte 1,1488. Anschließend folgte jedoch eine kleine Korrekturbewegung, nachdem Donald Trump erklärt hatte, dass die USA und Iran in den kommenden Tagen eine Einigung erzielen könnten. Seinen Angaben zufolge führen die Parteien derzeit sowohl direkte als auch indirekte Gespräche.

Solche Äußerungen ermöglichten es den EUR/USD-Käufern, das Währungspaar um einige Dutzend Punkte nach oben zu treiben. Dennoch bleibt der Markt gegenüber den Chancen auf ein rasches Ende des Konflikts im Nahen Osten skeptisch. Die zögerliche und eher bescheidene Korrekturerholung von EUR/USD bestätigt dies nur. Meiner Ansicht nach ist diese Skepsis durchaus gerechtfertigt. Long-Positionen im Paar wirken daher weiterhin unzuverlässig und riskant.
Fangen wir damit an, dass die USA parallel zu den Gesprächen (deren Existenz Iran kategorisch bestreitet) aktiv eine Bodenoffensive vorbereiten. Es ist bekannt, dass die Zahl der US-Soldaten im Nahen Osten bereits 50.000 überschritten hat. Laut The New York Times planen das Weiße Haus und das Pentagon, Fallschirmjäger der 82nd Airborne Division zu entsenden, um Irans Kharg-Insel zu besetzen – den wichtigsten Ölexport-Hub des Landes im nördlichen Persischen Golf. Bemerkenswert ist, dass Donald Trump selbst ein solches Szenario ins Spiel gebracht hat: In einem Interview mit der Financial Times erklärte er, er würde das iranische Öl gerne nach einem Venezuela-ähnlichen Szenario übernehmen (zur Erinnerung: 90 % der iranischen Ölexporte laufen über Kharg).
Quellen der Washington Post berichten ihrerseits, dass das Pentagon sich auf mögliche länger andauernde Bodeneinsätze im Iran vorbereitet – diese könnten mehrere Wochen oder länger dauern, ohne jedoch eine groß angelegte Invasion zu beinhalten. Den WP-Quellen zufolge könnten diese Operationen insbesondere darauf abzielen, die Kharg-Insel einzunehmen oder Waffen in Küstengebieten nahe der Straße von Hormus zu zerstören. Das Weiße Haus ist der Auffassung, dass die Besetzung iranischen Territoriums wertvolle Verhandlungstrümpfe für künftige Gespräche schaffen würde.
Solche Durchstechereien stehen im Widerspruch zu Trumps Aussagen, er werde bald ein Abkommen mit Teheran schließen. Zwar erklärte das Staatsoberhaupt heute wörtlich, Iran habe den meisten US-Bedingungen für ein Kriegsende zugestimmt, doch die USA wollten noch ein paar zusätzliche Punkte aufnehmen.
Gleichzeitig weist Iran die US-Forderungen zurück und legte in der vergangenen Woche eigene Gegenforderungen vor, darunter die Beibehaltung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus, die Zahlung von Reparationen durch die Amerikaner sowie Garantien gegen neue Angriffe. Selbstverständlich akzeptierte Washington diese Bedingungen nicht und beharrt weiterhin auf seinen fünfzehn Punkten.
Darüber hinaus bereitet sich Iran offen auf einen US-Bodenangriff vor. Mohammad Bagher Ghalibaf, Sprecher des iranischen Parlaments (zuvor Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarde und Bürgermeister von Teheran), erklärte gestern unmissverständlich, die USA planten trotz diplomatischer Zusicherungen insgeheim einen Bodenangriff. Er sagte, die iranischen Streitkräfte seien auf ein solches Szenario vorbereitet.
Dem Kursverlauf und der Reaktion der EUR/USD-Händler nach zu urteilen, schenken Marktteilnehmer Trumps diplomatischen Signalen aus den USA keinen Glauben und interpretieren sie durch das Prisma vergangener Erfahrungen, als „besänftigende“ Botschaften des Weißen Hauses regelmäßig einer neuen Eskalationsrunde vorausgingen.
Anders ausgedrückt: Der Markt befürchtet, dass die Gespräche – oder die Illusion von Gesprächen – lediglich eine taktische Pause vor einem Bodenangriff darstellen könnten.
Öl ins Feuer goss zudem die Nachricht, dass ein weiterer Akteur in den Nahostkonflikt eingetreten ist – die jemenitischen Houthi. Neben ihren Versuchen, Israel anzugreifen, könnte ihre militante Aktivität die Schifffahrt in der Region erschweren. Insbesondere hat die EU-Marineoperation Aspides bereits vor der Gefahr von Angriffen dieser pro-iranischen Bewegung auf die internationale Schifffahrt im Roten Meer und im östlichen Golf von Aden gewarnt. Nach Angaben von Vertretern dieser Mission könnten Schiffe in diesem Gebiet erneut unter Beschuss geraten.
Damit dominieren trotz der friedlichen Rhetorik Trumps weiterhin Risikoaversion und Flucht in Sicherheit an den Märkten, und der als sicher geltende Dollar bleibt stark gefragt. Korrekturanstiege im EUR/USD sollten daher als Gelegenheit genutzt werden, um Short-Positionen zu eröffnen.
Auch die technischen Indikatoren sprechen für ein Übergewicht von Short-Positionen. Auf dem Vierstunden- und dem Tageschart notiert das Paar zwischen der mittleren und der unteren Linie der Bollinger Bänder und zudem unter allen Linien des Ichimoku-Indikators, der ein bärisches „Parade of Lines“-Signal zeigt. Auf dem Wochenchart befindet sich das Paar ebenfalls zwischen der mittleren und der unteren Linie der Bollinger Bänder, unterhalb der Tenkan-sen- und Kijun-sen-Linien, jedoch innerhalb der Kumo-Wolke. Das nächste Ziel der Abwärtsbewegung liegt bei 1,1480 (unteres Bollinger Band im H4-Chart), das Hauptziel bei 1,1440 (unteres Bollinger Band im D1-Chart).
